In der Nacht zu Samstag um 0.30 Uhr soll das Starship in der neuen „Version 3“ starten. Diese soll sehr nah an einem einsatzbereiten System sein. Es ist der zwölfte Testflug. Technische Probleme führten zu einer erneuten Verzögerung.
Das Starship soll in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder starten (Archivaufnahme vom 27. Mai 2025).
Foto: AP/Eric GayUpdate | Düsseldorf · In der Nacht zu Samstag um 0.30 Uhr soll das Starship in der neuen „Version 3“ starten. Diese soll sehr nah an einem einsatzbereiten System sein. Es ist der zwölfte Testflug. Technische Probleme führten zu einer erneuten Verzögerung.
Für Elon Musk und sein Unternehmen SpaceX ist eine ungewöhnlich lange Zeit vergangen seit dem letzten Start der Riesen-Rakete Starship. Der elfte Testflug fand am 14. Oktober 2025 statt und war ein Erfolg. Seitdem aber herrschte relative Ruhe in der texanischen Starbase am Golf von Mexiko. Bis jetzt.
Tatsächlich hat das Raumfahrtunternehmen die Zeit genutzt, um die Daten der vergangenen Flüge zu analysieren. Die Ergebnisse sind in die neue „Version 3“ des Starships geflossen, die sehr nah an einer einsatzfähigen Variante sein soll. Das ist auch notwendig: Der neue Nasa-Chef Jared Isaacman macht deutlich mehr Druck. Bereits nächstes Jahr soll bei der „Artemis III“-Mission im Erdorbit das Andocken an einer Mondlandefähre getestet werden, die SpaceX auf Basis des Starships entwickeln soll. In den vergangenen Monaten wurde die Kritik an Elon Musk allerdings immer lauter angesichts der geringen Fortschritte. Mit dem Unternehmen „Blue Origin“ von Amazon-Gründer Jeff Bezos gibt es auch bereits Konkurrenz.
Musk muss beim Starship deutlich mehr liefern als bislang. Bereits im Vorfeld veröffentlichte er ein PR-Video, in dem die elf vergangenen Testflüge als wichtige Einzelschritte dargestellt werden, die zur „Version 3“ führten. Kritiker würden darin eine Rechtfertigung sehen, zumal es auch bei der „Version 3“ Rückschläge gab.
Ursprünglich war für den 12. Testflug der „Super Heavy Booster 18“ vorgesehen. Auf dem Masseys-Testgelände gab es aber Probleme. Als das neue Betankungssystem am 21. November unter Druck gesetzt wurde, implodierten Teile davon. Die Stufe wurde verschrottet, es musste ein neuer „Booster 19“ gebaut werden. Da gab es dann bei einem Test im März ein Problem mit den Bodensystemen. Am Ende mussten die Triebwerke ausgetauscht werden, weil sie abrupt abgeschaltet und dabei teils beschädigt worden waren.
Jetzt aber scheint alles bereit zu sein – doch was genau ist neu? Die Rakete ist mit 124 statt 123 Metern etwas höher. Am Missionsprofil selbst ändert sich jedoch nicht viel. Der „Super Heavy Booster“ soll nach dem Start in der Nacht zu Samstag um 0.30 Uhr zielgenau im Golf von Mexiko aufsetzen. Es wird erneut kein vollständiger Orbitalflug sein. Das Starship wird wie gewohnt im Indischen Ozean wassern. Der Termin war ursprünglich für Donnerstagnacht vorgesehen. Aber ein hydraulischer Bolzen an einem der „Arme“ hatte kurz vor dem Start nicht mehr reagiert.
Super Heavy Booster V3
Die auffälligste Veränderung ist die Zahl der Gitter-Flossen von vier auf drei. Diese sind dafür etwa 50 Prozent größer und sollen nach SpaceX-Angaben stabiler sein. Sie wurden neu ausgerichtet, weil der Booster in Zukunft – noch nicht bei diesem Testflug – mit den Flossen aufgefangen werden soll. Bislang gab es dafür Greifhaken. Zudem wurden sie abgesenkt, um einer geringeren thermischen Belastung ausgesetzt sein, wenn die zweite Stufe mit gezündeten Triebwerken abgekoppelt wird.
Intern wurde die Treibstoff-Hauptzuleitung zu den 33 Raptor-Triebwerken neugestaltet und ist nun so hoch wie die erste Stufe einer „Falcon 9“ mit rund 41 Metern. Dazu kommen eine Reihe von Änderungen, die eine schnellere Betankung möglich machen, und Verbesserungen an der Elektronik. Insgesamt ist die erste Stufe um etwas mehr als einen Meter auf nun 72 Meter gewachsen.
Bessere Raptor-3-Triebwerke
In der „Version 3“ wurden nun erstmals die neuen Raptor-3-Triebwerke eingebaut. Sie liefern eine erhöhte Schubkraft: In der Atmosphäre 250 Tonnen statt bislang 230 Tonnen; im Weltraum 275 Tonnen statt 258 Tonnen. Zudem wurden Sensoren und die Steuerung in die Triebwerke integriert. Ebenso entfallen Verkleidungen. Insgesamt konnte so die Masse deutlich reduziert werden. Die Atmosphären-Raptoren wiegen nun nur noch 1525 statt 1630 Kilogramm. Was bei 33 Triebwerken im Super Heavy Booster etwa 33 Tonnen ausmacht.
Neues Starship
Mit den neuen Raptor-3-Triebwerken wurde auch das gesamte Antriebssystem umgestaltet. Unter anderem kann es nun mehr Treibstoff aufnehmen und die Steuerung wurde verbessert. Nach SpaceX-Angaben sind auch bereits vier Andockstutzen eingebaut. Darüber soll in Zukunft das Starship im Orbit betankt werden können. Insgesamt sei es nach SpaceX-Angaben bereits für Langstreckenflüge wie beispielsweise zum Mond ausgelegt.
Neuer Startturm
Erstmals wird der 145 Meter hohe Startturm 2 genutzt. Die Treibstofftanks dort sind größer und verfügen über mehr Pumpen. Damit wird die Zeit für die Betankung kürzer ausfallen. Die „Chopsticks“ (Essstäbchen) zum Auffangen der Stufen sind nun kleiner, wodurch sie schneller einsatzbereit sind. Der Schutz vor den heißen Abgasen wurde verbessert. Zudem wird das Triebwerksfeuer beim Start nun in zwei Richtungen abgeleitet. Gekühlt wird über ein Wassersystem, das mehr als 1,3 Millionen Liter zur Verfügung stellen kann. Das wird auch den Lärm und die Druckwelle reduzieren. Das Ziel ist, dass die Wartungsarbeiten deutlich reduziert werden – damit Starships in kurzer Abfolge abheben können.
Die Mission vor dem Start
38 Minuten und 53 Sekunden vor dem Start wird die 2. Stufe, das eigentliche Starship, mit flüssigem Sauerstoff betankt. 32 Minuten und 59 Sekunden vor dem Start folgt flüssiges Methan. Der Booster wird 35 Minuten (Sauerstoff) bzw. 34 Minuten und 43 Sekunden (Methan) vor dem Start betankt. Zwei Minuten und 50 Sekunden vor dem Start ist er voll betankt, zwei Minuten und 10 Sekunden vor dem Start gilt das auch für das Starship. Drei Sekunden vor dem Start werden die Raptor-Triebwerke gezündet. Danach sei Aufregung garantiert, heißt es mittlerweile typisch für SpaceX.
Nach dem Start
45 Sekunden nach dem Start wird MaxQ erreicht – der Moment der höchsten strukturellen Belastung.
Zwei Minuten, 22 Sekunden: Nun werden 30 der 33 Raptor-Triebwerke abgeschaltet, die drei verbleibenden arbeiten mit 50 Prozent Schubkraft. Zwei Minuten, 24 Sekunden: Die Triebwerke der Oberstufe, des eigentlichen Starships, zünden mit 50 Prozent Maximalleistung. Erst danach wird es vom Booster abgekoppelt. Anschließend trennen sich die Wege beider Stufen.
Super Heavy Booster (1. Stufe)
Zwei Minuten, 30 Sekunden: Düsen, die Methan ausstoßen, drehen den Booster. Zudem werden 10 Raptoren des inneren Rings gezündet. Zusammen mit den drei zentralen Triebwerken sind es nun 13 „Motoren“, die den Booster auf seine neue Bahn für den Abstieg bringen. Drei Minuten, 30 Sekunden: Die Raptoren werden abgeschaltet. Der Booster fällt zurück zur Erde. Die drei Gitter-Flossen lenken und stabilisieren ihn dabei. Sechs Minuten, 34 Sekunden: 13 Raptoren zünden, um den Booster abzubremsen. Er soll etwa 25 Sekunden später im Golf von Mexiko landen.
Das Starship (2. Stufe)
Acht Minuten, 11 Sekunden: Nach der Abkopplung werden die sechs Triebwerke mit voller Schubkraft arbeiten. Sie werden fünf Minuten und 47 Sekunden nach dem Hot Staging abgeschaltet. Danach beginnt der Test der Fluglage-Regelung, während das Starship über den Atlantik und Afrika in etwa 200 Kilometer Höhe fliegt.
17 Minuten, 37 Sekunden: 20 Attrappen von Starlink-Satelliten werden aus der Ladungsbucht ausgestoßen. Es ist ein Test für die Systeme, die Satelliten aussetzen können. Zusätzlich werden zwei Satelliten ausgesetzt, die Aufnahmen des Starships von außen machen sollen. Knapp zehn Minuten später soll das beendet sein. 38 Minuten, 37 Sekunden: Eins der Raptor-Triebwerke wird testweise im All erneut gezündet.
47 Minuten, 47 Sekunden: Das Starship taucht wieder in die Atmosphäre ein. Die Kacheln müssen es vor der entstehenden Hitze schützen. 63 Minuten, 8 Sekunden: Das Starship erreicht Unterschallgeschwindigkeit. In etwa 15 Minuten wurde es von etwa 27.000 Kilometern pro Stunde auf ungefähr 1000 Kilometer pro Stunde abgebremst. 65 Minuten, 8 Sekunden: Das Starship dreht sich von einer nahezu waagerechten Position in eine senkrechte. Zunächst mit drei Triebwerken, danach werden schrittweise zwei Triebwerke abgeschaltet.
65 Minuten, 26 Sekunden: Jetzt arbeitet nur noch ein Triebwerk. Das Starship soll über dem Indischen Ozean schweben. Das Ziel ist, eine punktgenaue Landung zu simulieren, die dann bei späteren Flügen erfolgen soll. Danach wird es ins Meer eintauchen und umkippen. Es wird vermutlich anschließend gesprengt und versinkt im Indischen Ozean.
Erneut verzichtet man auf eine volle Erdumrundung. Denn sollte etwas schiefgehen, würde das Starship zu einem mehr als 50 Meter großen Stück Weltraumschrott werden – das unkontrolliert irgendwo auf der Erde abstürzt. Über die verkürzte Umlaufbahn jedoch weiß man, dass es bei Wiedereintritt über dem Indischen Ozean weitab von jeder besiedelten Gegend fliegen wird.
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