Steine, Sand und Krater wie auf dem Mond: In Köln trainieren Astronauten unter realistischen Bedingungen für künftige Mondmissionen. Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) will Deutschlands Rolle im All stärken – und setzt dabei auch auf ein neues Gesetz.
ESA-Astronaut Matthias Maurer (l-r), Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und DLR-Vorstand Walther Pelzer schauen sich ein Columbus-Trainingsmodul auf dem DLR-Gelände in Köln an.
Foto: Jörg Ratzsch/dpa/Jörg RatzschKöln/ Bremen · Steine, Sand und Krater wie auf dem Mond: In Köln trainieren Astronauten unter realistischen Bedingungen für künftige Mondmissionen. Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) will Deutschlands Rolle im All stärken – und setzt dabei auch auf ein neues Gesetz.
In Köln gibt es ihn tatsächlich: den Mond auf Erden. Der Astronaut Matthias Maurer steht vor der Kraterlandschaft und kommt regelrecht ins Schwärmen. „Wir haben Steine wie auf dem Mond. Wir haben Sand wie auf dem Mond“, erzählt er. „Das ist weltweit mit die beste Mondsimulationsanlage“, zeigt er sich überzeugt. „Wir sagen immer die Beste“, korrigiert ihn Dorothee Bär von der Seitenlinie. Die Forschungsministerin schaut sich die Anlage an. Ja, das sei „definitiv Weltstandard“, gibt Maurer zu Protokoll. Bär lacht.
Vor knapp zwei Jahren ist im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Mondzentrum „Luna“ entstanden. Es handelt sich um eine Trainingseinrichtung für astronautische und robotische Mondmissionen in realistischer Umgebung, samt Kratern und schwierigen Lichtverhältnissen. Alles wie auf dem Mond. Die Halle ist mit 900 Tonnen vulkanischem Stein gefüllt – er ist dem „Mondstaub“, dem echten Regolith, sehr ähnlich. Das Projekt wurde von der DLR und der Europäischen Weltraumorganisation Esa realisiert.
Nationales Weltraumgesetz soll für Ordnung sorgen
Im Rahmen ihrer Sommerreise hat Dorothee Bär, die auch Ministerin für Raumfahrt ist, unter anderem das DLR in Köln besucht. Für die CSU-Politikerin ist Raumfahrt einer der Schwerpunkte in ihrem Haus. Experten betonen, dass der Orbit in den kommenden Jahren immer wichtiger wird – und umkämpfter. 12.000 Satelliten kreisen derzeit im All. In den nächsten zehn Jahren dürfte sich ihre Zahl vervielfachen. Moderne Gesellschaften sind auf sie angewiesen: Satelliten sind entscheidend für Kommunikation, für die Beobachtung von Wetter, für den Katastrophenschutz. Sicherheitsinteressen würden auch im All verteidigt, sagte Ministerin Bär zuletzt immer wieder. Noch aber herrscht im Orbit Unordnung.
Ein nationales Weltraumgesetz soll künftig für mehr Klarheit sorgen. Es soll regeln, wie der sichere Betrieb von Satelliten im Orbit auch künftig gewährleistet werden kann. Schließlich werden Fragen rund um das Thema Weltraumschrott und mögliche Kollisionen bei der steigenden Zahl von Satelliten in den kommenden Jahren noch drängender. Der Entwurf des Gesetzes ist in dieser Woche in die sogenannte Frühkoordinierung innerhalb der Bundesregierung gegangen.
Werk in Bremen baute Servicemodul für Mondmission Artemis 2
Eine Menge tut sich derweil in der Raumfahrt: Im kommenden Jahr sollen Astronauten mit der Mission Artemis 3 in der Erdumlaufbahn Andockmanöver mit Mondlandefähren erproben. Für 2028 sind mit Artemis 4 und Artemis 5 gleich zwei Mondmissionen geplant. Erstmals nach einem halben Jahrhundert sollen dann auch wieder Menschen auf dem Mond landen. Schon in diesem Frühjahr fand die weltweit beachtete Mond-Umrundung von Artemis 2 statt. Mit Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und Missionsspezialistin Jeremy Hansen nahmen vier Astronauten an ihr teil. Das Besondere: Nie zuvor hatten Menschen die Erde so weit verlassen wie mit der Artemis-2-Mission.
Die Besatzung der Mission traf Bär im Rahmen ihrer Sommerreise am Dienstag (14. Juli) bei Airbus. Das Werk in Bremen hatte das europäische Servicemodul (ESM) für die Nasa-Mondmissionen gebaut und arbeitet gerade auch an den Modulen für die nächsten Fahrten zum Mond. Bär lobte, die Astronauten wären ein Vorbild für nachfolgende Generationen. Und sie stellte ein goldenes Zeitalter der Weltraumforschung in Aussicht. Zugleich betonte Bär, dass ohne die Techniker und Ingenieure in Bremen die Mission nicht möglich gewesen wäre. Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sprach von einem guten Beispiel für den Erfolg von Teamleistungen – und warb für künftige Kooperationen.
Mauerer oder Gerst – wer fliegt zum Mond?
Wichtige Erkenntnisse zum Weltraum werden gerade etwa in Köln gesammelt. Beim DLR wird zurzeit etwa erforscht, welche Auswirkungen lange Aufenthalte im Weltraum auf den Menschen haben. Denn klar ist: Der Wettlauf ins All wird dazu führen, dass Astronauten künftig längere Zeit der Schwerelosigkeit ausgesetzt sein werden. Sie müssen sich zugleich gut und sicher bewegen können. Studien am DLR erforschen auch, wie sich Astronauten mit kleinen Übungen fit halten können. Ziel ist es, herauszufinden, welche Gegenmaßnahmen zu gesundheitlichen Risiken bei Schwerelosigkeit ergriffen werden können.
Der 56-jährige Maurer ist jedenfalls optimistisch, dass er Teil einer der Artemis-Mondmissionen der Nasa sein wird. „Ich denke, ich habe eine ganz große Chance, zum Mond zu fliegen, vielleicht auch auf dem Mond zu landen, den Mond zu erkunden“, sagte er. Das sei ein „ganz großer Traum“ von ihm.