Sie klingen so plausibel, dass wir sie bis heute glauben: Kindheitsmythen. Doch was stimmt wirklich? Hier kommen Mythen auf den Prüfstand.
Der Beitrag Fünf Mythen, die wir seit der Kindheit glauben erschien zuerst auf Thüringer Allgemeine.
Celina Thümen, funky-Jugendreporterin
„Lass die Wunde am besten an der Luft heilen!“, „Geh nicht mit nassen Haaren raus, sonst erkältest du dich!“ oder „Lesen im Dunkeln ist schlecht für die Augen!“ – solche Sätze haben wir bereits als Kinder ständig gehört. Teilweise klingen sie so plausibel, dass wir sie bis heute für wahr halten. Doch was stimmt wirklich? Hier kommen fünf Kindheitsmythen auf den Prüfstand.
1. Wunden heilen besser an der frischen Luft
Als Kind haben viele Menschen gelernt, dass kleine Schürfwunden möglichst nicht abgedeckt werden sollten, damit sie schneller heilen. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall. Damit eine Wunde gut verheilen kann, bildet der Körper ein Wundsekret. Es hält die verletzte Hautstelle feucht und enthält Stoffe, die die Zellteilung und den Heilungsprozess unterstützen. Trocknet die Wunde aus, kann dieser Prozess nicht mehr optimal ablaufen. Zu dieser Erkenntnis kam der britische Mediziner George Winter bereits in den 1960er-Jahren. Deshalb empfehlen Fachleute, Verletzungen nach der Wundreinigung mit einem sauberen Pflaster abzudecken. Das schützt die Wunde zusätzlich vor Schmutz und Keimen und beugt so einer Infektion vor.
2. Nach dem Essen sollte man auf keinen Fall schwimmen gehen
Viele kennen die Regel: Nach dem Essen mindestens eine halbe Stunde warten, bevor man ins Wasser geht. Als Grund wird meist aufgeführt, dass sich durch die Verdauung zu viel Blut im Magen befindet, wodurch gefährliche Magenkrämpfe entstünden und ein Ertrinken begünstigt werden könne. Untersuchungen, auf die sich auch das Amerikanische Rote Kreuz in seinen Empfehlungen bezieht, zeigen jedoch, dass die Schwimmleistung durch eine Nahrungsaufnahme vor dem Schwimmen kaum beeinflusst wird. Auch ein erhöhtes Risiko für Krämpfe oder das Ertrinken konnte offenbar nicht nachgewiesen werden.
3. Nasse Haare führen zu einer Erkältung
Erkältungen werden nicht primär durch nasse Haare oder kaltes Wetter verursacht. Auslöser sind immer Viren. Die Ansteckung erfolgt beispielsweise über Tröpfchen beim Husten oder über verunreinigte Oberflächen. Dennoch enthält dieser Mythos ein Fünkchen Wahrheit: Kälte und nasse Haare können nämlich dazu führen, dass der Kopf und die Schleimhäute stark abkühlen, wodurch sich die Blutgefäße in den Schleimhäuten verengen. Durch die geringere Temperatur und weniger Abwehrzellen in den Schleimhäuten haben Viren dann ein leichteres Spiel.
4. Lesen im Dunkeln verdirbt die Augen
Wer als Kind mit der Taschenlampe heimlich unter der Bettdecke gelesen hat, hat diesen Satz wahrscheinlich schon mehr als einmal gehört. Doch nach heutigem Wissensstand verursacht schlechtes Licht keine dauerhaften Augenschäden. In der Dunkelheit müssen die Augen allerdings härter arbeiten, um scharf zu sehen. Deshalb können sie schneller ermüden. Das kann zu Kopfschmerzen oder geröteten Augen führen. Für Kinder gilt außerdem, dass sich ihre Augen noch in der Entwicklung befinden. Wenn sie nicht oft genug die Möglichkeit haben, in die Ferne zu schauen, kann das Kurzsichtigkeit begünstigen.
5. Die Fünf-Sekunden-Regel schützt vor Bakterien
Fällt Essen auf den Boden, wird es möglichst schnell wieder aufgehoben – schließlich ist es innerhalb von fünf Sekunden angeblich noch nicht verunreinigt. Leider ist auch das nur ein Mythos. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass Bakterien bereits innerhalb von weniger als einer Sekunde auf Lebensmittel übergehen können. Die Forschenden testeten verschiedene Nahrungsmittel auf unterschiedlichen Oberflächen. Keime wurden dabei unabhängig von der Kontaktzeit übertragen. Zwar nahm die Menge der übertragenen Bakterien tatsächlich häufig mit der Liegezeit zu, viel entscheidender waren jedoch die Beschaffenheit des Untergrunds und die Art des Lebensmittels. Feuchte Nahrungsmittel nahmen mehr Bakterien auf als trockene.
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