Bei Wind und Wetter, mitten in der Nacht und sechs Tage die Woche: Andreas Wieser ist Zeitungszusteller. Ein Beruf zwischen Ruhe, Schlafmangel und Verantwortung.
Stand: 24.07.2026, 18:00 Uhr
Von: Emilia Ziller

Bei Wind und Wetter, mitten in der Nacht und sechs Tage die Woche: Andreas Wieser ist Zeitungszusteller. Ein Beruf zwischen Ruhe, Schlafmangel und Verantwortung.
Schwäbisch Gmünd. Die Stadt schläft. Einzig der Mond beleuchtet die leeren Straßen, als Andreas Wieser an einer Bushaltestelle in Schwäbisch Gmünd auf den Stapel frisch gedruckter Zeitungen wartet. Die Uhr zeigt 0.30 Uhr, das Thermometer zehn Grad. Andreas Wieser ist Zeitungszusteller der Gmünder Tagespost – ein Beruf, der ihm vieles abverlangt und den er trotzdem liebt.
Der 46-Jährige ist groß, trägt einen schwarzen Hoodie, eine Cap und eine Stirnlampe. Andreas Wieser lebt in Straßdorf und arbeitet seit zwei Jahren für die SDZ Mediengruppe. Zeitungen haben in seinem Leben schon immer irgendwie eine Rolle gespielt. Bereits als Jugendlicher trug er Zeitungen aus, bevor er später eine Ausbildung im Rathaus begann. Nach längerer Zeit als Hausmann wollte er wieder zurück. Zurück nach draußen an die kühle Gmünder Nachtluft.
Als die Zeitungen eintreffen, beginnt seine Arbeit. Wieser befreit die Bündel von der Plastikfolie und legt kleinere Stapel auf das Armaturenbrett seines Autos. Einige Briefe sind heute auch dabei. Er schaut auf die Adressen der "OstalbMail" und sortiert sie sorgfältig dazu.
Jeder Tag sieht anders ausWieser macht Krankheits- und Urlaubsvertretungen. Er ist das, was man einen "Springer" nennt. Das bedeutet auch: Er muss sich immer wieder auf neue Bezirke einstellen – und flexibel sein. Es gibt Tage, an denen muss er in fünf Bezirken rund 200 Zeitungen austragen, oder es gibt Tage wie heute. Da sind es rund 70 Zeitungen in drei Bezirken: der Kleinen Schweiz, Weiler in den Bergen und Waldstetten.
Die Fahrt beginntIn seinem Zustellfahrzeug, ein weißer Skoda, riecht es nach frisch gedrucktem Papier. Um 1.02 Uhr startet er den Motor. Los geht es in die Kleine Schweiz. Für diesen Bezirk hat er sich extra einen Plan ausgedruckt und die Hausnummern händisch notiert. Denn die Kleine Schweiz ist verwinkelt, die Berge steil, und Hausnummern sieht man im Dunkeln sowieso schlecht.

"Das ist auch ein bisschen Detektivarbeit", sagt Wieser, während er Hausnummer 45/4 sucht. Oft seien die Nummern schlecht ausgeschildert oder versteckt und klein am Haus angebracht – etwas, das seine Arbeit unnötig erschwere.
Anhalten, Autotür öffnen, aussteigen, zum Briefkasten laufen – der Ablauf ist immer derselbe. Manchmal mit steilen Einfahrten, unzähligen Treppenstufen oder kläffenden Hunden im Vorgarten. Dabei weiß Wieser genau, welcher Kunde die Zeitung in der Rolle haben möchte und bei wem sie in den Briefkasten gehört. "Wegen Diebstahl", erklärt er.
Was Andreas Wieser an seinem Beruf gefälltWährend er durch die dunklen Straßen fährt, kommt Musik aus den Lautsprechern. Je nach Stimmung hört Wieser Metal oder Techno. "Ab und zu muss es auch mal Queen sein", sagt er. Andreas Wieser gefällt vieles an seinem außergewöhnlichen Beruf – neben dem Alleinsein ist das auch die Bewegung. An manchen Tagen kommen gut und gerne 20.000 Schritte zusammen. Vieles erledigt er aber auch mit dem Auto, vor allem dann, wenn die Häuser in den Bezirken weit auseinanderliegen.
Gegen 2.30 Uhr erreicht er Weiler in den Bergen. Die Straßen sind weiterhin wie leer gefegt. Ein Mann in einer leuchtend gelben Jacke läuft vorbei – ein Austräger eines Marktbegleiters. "Ab und zu halten wir ein Schwätzchen", sagt Andreas Wieser. Ganz allein ist er in seinem Beruf also doch nicht. Vor allem wenn man nicht nur Menschen, sondern auch andere Nachtschwärmer als Gesellschaft zählt.
Denn auch Tieren begegnet er in den frühen Morgenstunden regelmäßig: Igel, Ratten oder Rehe – sogar mitten in Wohngebieten. In Wißgoldingen sei ihm einmal ein Fuchs über längere Zeit hinterhergelaufen. Am nächsten Tag war er allerdings nicht mehr da. "Sonst hätte ich ihn eingestellt", sagt Wieser und lacht.

An diesem Morgen entdeckt er in einem Hauseingang eine kleine Kröte. Wieser kniet sich hin, richtet seine Stirnlampe aus und betrachtet das Tier einen Moment lang. Dann steht er wieder auf. Weiter geht's. Noch rund 50 Zeitungen warten im Auto darauf, in Briefkästen zu landen.
Der Beruf des Zustellers und das FamilienlebenAndreas Wieser arbeitet sechs Tage die Woche. "Mit drei Stunden Schlaf komme ich klar", sagt er. Kein Kaffee, kein Red Bull. Ganz einfach sei es trotzdem nicht, Familienleben mit dem Beruf zu kombinieren. Vor allem bei seiner siebenjährigen Tochter stößt es oft auf Unverständnis, warum der Papa oft müde ist oder früh ins Bett muss.
Auch deshalb geht Wieser – anders als viele andere Zusteller – nach seiner Schicht nicht sofort schlafen. Er bleibt wach, wartet das Ende seiner Bereitschaft als "Springer" um 5.30 Uhr ab, macht seine Tochter für die Schule fertig und kümmert sich anschließend um das, was sonst noch im alltäglichen Leben anfällt. An diesem Tag steht zum Beispiel der Reifenwechsel an. Gegen 19 Uhr geht er ins Bett. Doch das klappt nicht immer. "Schwierig wird das, wenn der VfB spielt", sagt er lachend.
Mehr Wertschätzung für den Beruf des ZustellersWas er sich wünscht? Mehr Wertschätzung für seinen Beruf. Häufig komme es vor, dass sich Menschen beschweren, wenn die Zeitung ein bisschen später als sonst im Briefkasten landet.
Dabei arbeiten Zusteller bei Wind und Wetter. Im Winter mit Spikes, im Hochsommer in kurzer Hose. Die Vorweihnachtszeit ist die Phase, in der er gelegentlich an seinem Beruf zweifelt. Hier werden besonders viele Briefe verschickt, und Zusteller werden stark gefordert – auch das Wetter erschwert die Arbeit in der kalten Jahreszeit.
Das wichtigste Arbeitsutensil von Andreas Wieser sind "gute Schuhe". Ein Paar Salomon-Schuhe hält bei ihm etwa vier Monate. Das ideale Wetter seien zehn Grad und kein Regen – so wie an diesem Tag im Mai, an dem Wieser um 3.53 Uhr die letzte Zeitung in Waldstetten in den Briefkasten wirft.
Noch liegt Schwäbisch Gmünd im Dunkeln. Der Mond steht über den Straßen, vereinzelt fahren die ersten Autos durch die Stadt. Feierabend. Oder im Fall von Andreas Wieser: Feiermorgen.
Zahlen und Fakten: Die Zustellung der Gmünder Tagespost und Schwäbischen PostGmünder Tagespost
● Bezirke: ca. 200
● Zusteller: ca. 120
● Zugestellte Print-Auflagen pro Tag: ca. 6000
Schwäbische Post:
● Bezirke: ca. 400
● Zusteller: ca. 350
● Zugestellte Print-Auflagen pro Tag: ca. 14.000
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Vom Anwaltsbüro ins Revier: Martin Lang über seine Jagd | 0 | 8.1 | 24-07-2026 |
| 2 | Der Morgen, an dem Weinfelden nicht schlief | 2 | 3 | 09-07-2026 |
| 3 | ‘Barranquillita’, el centurión de la noche que trabaja cuando todos duermen: historias desde el mercado de abastos más popular de la ciudad | 0 | 5 | 27-06-2026 |
| 4 | Каждый второй россиянин работает сверхурочно, лидеры по количеству переработок — медицинский персонал, педагоги и курьеры | 0 | 7 | 01-07-2026 |
| 5 | Опрос: почти 40% фрилансеров в России без опыта готовы работать 40 часов в неделю | 0 | 0 | 14-09-2020 |
| 6 | A surgeon’s paradoxical lesson for journalists to survive the news | 0 | 5 | 26-06-2026 |
| 7 | Schlafen und Wachen | 0 | 2 | 18-04-2026 |
| 8 | Эксперты рассказали, представители каких профессий чаще меняют место работы | 0 | 0 | 15-09-2020 |
| 9 | Bed Rotting: Ab wann gammeln im Bett ungesund wird | 0 | 5 | 05-05-2026 |