Finanzchef Mehmet Deli spricht offen über Altlasten, neue Risiken und wie der Verein wirtschaftlich und sportlich weiter auf Kurs kommen will.
Stand: 24.07.2026, 19:30 Uhr
Von: Max Wanner

Finanzchef Mehmet Deli spricht offen über Altlasten, neue Risiken und wie der Verein wirtschaftlich und sportlich weiter auf Kurs kommen will.
Aalen. Nach bewegten Jahren und dem sportlichen Erfolg in der Oberliga blickt der VfR Aalen wieder optimistischer in die Zukunft. Doch mit dem Aufstieg des VfR Aalen in die Regionalliga wachsen auch die Anforderungen an Organisation und Finanzen. Im Interview spricht Finanzvorstand und Geschäftsführer Mehmet Deli über neue Herausforderungen, den Umgang mit Altlasten und warum der Verein auf nachhaltige Entwicklung statt schnelle Erfolge setzt.
Herr Deli, der VfR Aalen ist nach dem Meistertitel wieder in der Regionalliga Südwest. Wie bewerten Sie diesen Erfolg – auch mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Vereins?
Mehmet Deli: Der sportliche Aufstieg ist für uns ein ganz wichtiger Meilenstein nach einigen schwierigen Jahren. Er ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen, aber er bedeutet auch neue Herausforderungen – gerade finanziell. Wir sind in den vergangenen Monaten wirtschaftlich stabiler geworden, haben Altlasten reduziert und arbeiten daran, Rückstände weiter konsequent zu tilgen. Gleichzeitig steigen mit dem Aufstieg die Kosten in fast allen Bereichen. Das können wir nur bewältigen, weil sich viele Menschen – Ehrenamtliche, Mitarbeiter, Sponsoren, Fans – ganz konkret einbringen.
Können Sie das konkretisieren? Wie hat sich die finanzielle Situation verändert – und wie steht der Verein heute da?
Deli: Wir haben unser Sponsoring-Portfolio im letzten Jahr um rund 25 Prozent ausbauen können – das ist für einen Verein unserer Größenordnung ein echter Kraftakt. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich unser Gesamtbudget massiv erhöht hat. Wir haben vor allem auf breitere Schultern verteilt – das macht uns unabhängiger von einzelnen Großsponsoren und damit auch krisenfester. Unser Ziel bleibt, den Verein langfristig gesund aufzustellen. Stand heute sind wir unseren finanziellen Verpflichtungen nachgekommen, aber wir arbeiten weiter daran, Rücklagen zu bilden und die Liquidität zu sichern.
Wie hoch ist der aktuelle Schuldenstand? Gibt es noch offene Posten aus der Vergangenheit?
Deli: Wir sind – verglichen mit vor ein paar Jahren – deutlich besser aufgestellt. Aber es gibt weiterhin Altlasten, die wir Schritt für Schritt abbauen. Die genaue Höhe kommunizieren wir aus vertragsrechtlichen Gründen nicht öffentlich, aber wir sind mit allen Gläubigern in engem Austausch und haben keine akuten Rückstände. Es bleibt aber eine Aufgabe, die uns noch einige Zeit begleiten wird.
Der VfR Aalen hat mit Bediani einen neuen Namensgeber für die Arena. Wie kam der Kontakt zu dem Unternehmen mit Sitz in Georgien zu Stande?
Deli: Der erste Kontakt entstand im Rahmen unseres Trainingslagers in der Türkei im Februar. Dort haben wir die Verantwortlichen von Bediani kennengelernt, die mit ihrem georgischen Team FC Telavi ebenfalls vor Ort waren. Wir haben schnell festgestellt, dass die Chemie stimmt und beide Seiten ähnliche Vorstellungen von einer langfristigen Zusammenarbeit haben. Anschließend wurden die Gespräche intensiviert. Vertreter des VfR Aalen haben sich zudem die Gegebenheiten bei Bediani vor Ort angesehen und dadurch einen noch besseren Eindruck vom Unternehmen gewonnen. Auf dieser Basis ist Schritt für Schritt eine vertrauensvolle Partnerschaft entstanden. Hintergrund: Aalens Gemeinderat entscheidet über Stadionname
Warum ist Bediani der richtige Partner für den VfR Aalen?
Deli: Bediani passt hervorragend zum VfR, weil das Unternehmen langfristig denkt und sich bewusst für ein Engagement in unserer Region entschieden hat. Uns verbindet der Anspruch, nachhaltig zu wachsen und verlässlich zu handeln. Bediani versteht Sponsoring nicht als reine Werbemaßnahme, sondern möchte Teil der Entwicklung des Vereins sein und den Weg aktiv mitgestalten. Gleichzeitig eröffnet die internationale Ausrichtung des Unternehmens neue Impulse für unser Netzwerk und stärkt die Attraktivität des VfR Aalen als Partner für die regionale und überregionale Wirtschaft.
In der Vorbereitung musste das Stadion gesperrt werden, es konnte nicht in der Arena gespielt werden. Wie groß sind die wirtschaftlichen Auswirkungen – und wie ist das Verhältnis zur Stadt Aalen?
Deli: Die Stadionsperrung trifft uns natürlich wirtschaftlich, vor allem in der Vorbereitungsphase, in der Heimspiele nicht wie geplant stattfinden können. Das führt zu deutlichen Mindereinnahmen. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen, und nutzen die Situation auch, um unsere regionale Vernetzung zu stärken – etwa durch Spiele bei Nachbarvereinen, die davon profitieren.
Trotz aller Fortschritte: Welche Risiken sehen Sie aktuell für den VfR Aalen, sportlich wie wirtschaftlich?
Deli: Das größte Risiko bleibt die wirtschaftliche Basis. Ohne verlässliche Einnahmen und eine breite Sponsorenbasis ist ein Regionalligist schnell wieder in Schieflage. Auch sportlich ist der Sprung zwischen Oberliga und Regionalliga groß – wir müssen uns hier erst wieder etablieren. Ein weiterer Aufstieg steht momentan nicht im Vordergrund; wir setzen auf Konsolidierung, nachhaltiges Wachstum und darauf, die Strukturen weiter zu professionalisieren.
Zum Abschluss: Wo sehen Sie den VfR Aalen in drei bis fünf Jahren – und was wünschen Sie sich von Mitgliedern, Fans und Partnern?
Deli: In drei bis fünf Jahren wollen wir ein wirtschaftlich gesunder, sportlich konkurrenzfähiger Regionalligist sein, der für Verlässlichkeit, Zusammenhalt und Offenheit steht. Wir möchten die Menschen in der Region noch enger an uns binden – als Mitglieder, als Fans, als Sponsoren, als Ehrenamtliche. Und wir wollen ein Verein sein, bei dem jeder willkommen ist und sich einbringen kann, egal ob auf dem Platz, auf der Tribüne oder hinter den Kulissen.

Mehmet Deli, geboren am 29. November 1976 in Aalen, ist 49 Jahre alt und fungiert als Vorstand für Finanzen und Sponsoring sowie als Geschäftsführer des VfR Aalen.
Nach einer erfolgreich abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung und einer Ausbildung zum Versicherungsfachmann hat er sich als Unternehmer auf die Unternehmensentwicklung, den Aufbau nachhaltiger Strukturen sowie die strategische Weiterentwicklung von Organisationen und Geschäftsmodellen spezialisiert.
Beim VfR Aalen engagiert er sich besonders für die wirtschaftliche Stabilität und eine nachhaltige Zukunft des Vereins.
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