Ein Porsche im Dorf und Bier für drei Mark – das sorgte für Gesprächsstoff. Kurt Schuwer feiert nun sein 50. Jubiläum als Wirt des traditionsreichen Familienrestaurants in Aßweiler. Was sein Erfolgsgeheimnis ist – und warum er noch lange nicht aufhören will.
Blieskastel-Aßweiler · Ein Porsche im Dorf und Bier für drei Mark – das sorgte für Gesprächsstoff. Kurt Schuwer feiert nun sein 50. Jubiläum als Wirt des traditionsreichen Familienrestaurants in Aßweiler. Was sein Erfolgsgeheimnis ist – und warum er noch lange nicht aufhören will.
Er träumte schon immer von Biergläsern, auf denen sein Name steht. Jetzt hat er sie. Kurt Schuwer ist seit einem halben Jahrhundert Wirt im „Schuwer“.
Foto: Peter GaschottVor 138 Jahren wurde in der Aßweiler Ortsmitte das „Gasthaus Schuwer“ gegründet. Seither betreibt es die Familie Schuwer. Der aktuelle Wirt, Kurt Schuwer, feiert in wenigen Tagen sein fünfzigstes Jubiläum als Gastwirt und Inhaber. Kurt Schuwer denkt nicht ans Aufhören. Nach wie vor steht er täglich zwölf bis 15 Stunden für seinen Betrieb auf den Beinen. Kleine Fluchten aus dem Wirtealltag gönnt er sich dennoch. Sie sorgen in Aßweiler für Gesprächsstoff – dazu später.
Etwas anderes zu werden als Gastwirt, das war für Schuwer nie ein Thema. „Man kommt mit dem Namen Schuwer auf die Welt, dann ist klar: Der wird Wirt“, blickt er zurück. Ausbildung als Koch, das war der Einstieg ins Metier. Dann ging der damals 20-Jährige für einen kurzen Aufenthalt nach Hamburg ins Schulauer Fährhaus. Dort war er einer von 76 Köchen, hundert Kellner gab es. Da gewann Kurt schon einen Einblick in den Umgang mit großen Gästezahlen.
Wer fünfzig Jahre jeden Tag ackert, kann sich auch mal etwas leisten – so sieht es Kurt Schuwer, der sich jetzt mit 72 Jahren einen Porsche gekauft hat.
Foto: Peter GaschottSchuwer in Aßweiler ist eines der größten Restaurants im Saarland
1976 setzte sich Kurts Vater zur Ruhe, der Sohn rückte nach. Kurt wurde verantwortlicher Inhaber des Gasthauses „Schuwer". Heute, fünfzig Jahre später, zieht er Bilanz. Geändert hat sich wenig. Der „Schuwer“ ist heute wie damals eine gastronomische Landmarke – mit über 300 Plätzen eines der größten saarländischen Restaurants. Jedes Jahr renoviert und modernisiert Schuwer. Aber behutsam: Der Charakter des Traditionshauses muss erhalten bleiben. Einen großen Schritt gab es dennoch: der neue Biergarten mit eigenem Schankhäuschen. Vorher lag der Biergarten klein zwischen Gasthaus und Landstraße. Dann schuf die Stadt in Abstimmung mit Schuwer den neuen Dorfplatz für Aßweiler. Der Platz gehört der Stadt, Schuwer konnte ihn mieten. Die örtlichen Vereine haben ihr Zeitfenster für eigene Veranstaltungen. 2014 war der Dorfplatz mit seinen 140 Sitzplätzen fertig. Wo früher der Biergarten war, legte Schuwer einen Kinderspielplatz an.
Ein weiterer großer Schritt begann mit einem Rückschlag. In der Coronazeit musste Schuwer wie alle Gastronomen im Saarland schließen. „Hätte nicht schon damals meine Nachfolge festgestanden, wir hätten wohl nicht mehr aufgemacht“, blickt er zurück. Die Töchter Angela und Katja standen damals schon in den Startlöchern. Katja ist mittlerweile verstorben, ihre Tochter Kim übernahm deren Position im Gasthaus. So sind sie heute zu dritt, wenn sie über Profil und Zukunft des Familienunternehmens diskutieren. Kurt lässt keinen Zweifel: Er ist der Mann am Steuer. Er macht den Einkauf, ist im Betrieb allgegenwärtig und das Gesicht des Restaurants.
„Der Ruhetag ist uns heilig“
Wie man es schafft, einen Betrieb so lange erfolgreich zu betreiben – auf diese Frage hat Kurt Schuwer eine klare Antwort: „Alle saisonalen Möglichkeiten nutzen – bei uns gibt es Spargel, Pfifferlinge, Wild, Fisch und vieles mehr, stets frisch zu seiner Zeit.“ Ebenso wichtig sei gute Qualität zu vernünftigen Preisen. „Familien sollen essen gehen können ohne ein schlechtes Gefühl wegen hoher Preise“, sagt Schuwer. „Das ist bei Schuwer Tradition, das hat uns zur stabilen Größe gemacht. Und natürlich ein tolles Team.“ Da spricht Kurt von insgesamt 25 Mitarbeitern in Küche und Service. Dass sie nach der Corona-Zeit auf das Mittagsgeschäft während der Woche verzichteten, das sei ein guter Schritt gewesen. „So haben wir und vor allem auch unser Personal ein wenig Luft zum Atmen gewonnen. Um weiterhin mittags geöffnet zu halten, da müsste ich eine zweite Schicht aufbauen, dazu findet sich kein Personal“, so Schuwer. „Wir haben jetzt sonntags über Mittag geöffnet, ansonsten nur abends. Auch der Ruhetag am Donnerstag ist uns heilig, auch an Feiertagen.“
Wie lange er so noch weitermachen will? „Solange es mir Spaß macht“, lässt er für sich alle Möglichkeiten offen. Bloß, mit 72 Jahren, da sollte man ein wenig an sich selbst denken, das werde ihm immer wieder gesagt, und da sei ja auch nichts Falsches dran, sagt er nachdenklich. Aber für Hobbys, da hat er einfach noch keine Zeit. Sicher, er hat sein Häuschen in Todtnauberg, wo er gleich in mehreren Vereinen ehrenamtlich tätig ist. Dann liebt er die Pfalz, dort kann er herrliche Ausflüge machen und gleichzeitig immer wieder neue Weine für sein Restaurant entdecken. Und dann hat er ein neues Hobby, bei dem er eine Zeitlang brauchte, um selbstbewusst damit umzugehen. Kurt hat sich einen Porsche gekauft, und das wird Dorfgespräch. Aber er steht dazu. Weil er schon über siebzig ist, weil er sein Leben lang geackert hat. „Ich denke, wenn man fünfzig Jahre täglich zwischen zwölf und 15 Stunden arbeitet und den entsprechenden Erfolg verbuchen kann, braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich etwas für sich selbst leistet.“ Jetzt geht’s im Porsche in die Pfalz, und gearbeitet wird wie eh und je.
Zuvor steht allerdings das runde Jubiläum an. Drei Wochen im August wird der „Schuwer“ eine Wochenkarte anbieten mit Gerichten aus der Anfangszeit von Kurts Tätigkeit. Da gibt es dann „Strammer Max“, Russische Eier, aber auch ein Restaurationsbrot, das heute kaum noch jemand kennt. An einem Tag wird dann ganz groß gefeiert – dann, so Kurt, „gibt es ein 0,4er Bier für drei Euro oder für drei D-Mark, ganz egal“. Die genauen Tage und Zeiten dieser Aktion wird er im Gasthaus bekanntmachen.
Restaurant Schuwer, Saar-Pfalz-Straße 47, 66440 Blieskastel Aßweiler, Telefon (6803) 99 1 88, www.restaurant-schuwer.de; geöffnet Montag bis Samstag von 17 bis 23 Uhr, sonntags von 11 bis 14 und 17 bis 21.30 Uhr. Donnerstag Ruhetag. Das Restaurant ist barrierefrei ausgebaut.