Ein Familienunternehmen aus Niedersachsen setzt auf das Saarland. In Tholey eröffnete Fricke ein hochmodernes Logistikzentrum. Wie viele Arbeitsplätze entstehen sollen.
Tholey · Ein Familienunternehmen aus Niedersachsen setzt auf das Saarland. In Tholey eröffnete Fricke ein hochmodernes Logistikzentrum. Wie viele Arbeitsplätze entstehen sollen.
160 Millionen Euro investiert – Fricke eröffnet neues Logistik-Zentrum in Theley
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Rote Laser schießen durch die Halle und formen auf einer Leinwand den Schriftzug „Tholey Grow with us“. Auf der Bühne, die vor mehreren brandneuen Wendelrutschen aufgebaut ist, führt mit bester Laune Profi-Moderatorin Ruth Moschner, bekannt aus dem Fernsehen und vom roten Teppich, durch das Programm. In einem Video erzählt der mit künstlicher Intelligenz zurück ins Leben gerufene Firmengründer Dietrich Fricke, wie alles begann, damals 1923 in einer Schmiede im niedersächsischen Heeslingen. Was sich nach einer Unterhaltungsshow der etwas anderen Art anhört, fand am Donnerstag im Gewerbegebiet neben der A1 in Tholey statt.
Der Landmaschinenersatzteilhersteller Fricke hatte zur großen Eröffnung seines neuen Logistikzentrums geladen und daraus regelrecht ein Event für die geladenen Gäste aus Politik und der Landmaschinenzulieferbranche gemacht. Das Familienunternehmen Fricke wisse, wie eine gute Feier auszusehen hat, war an diesem Tag mehrfach in der Menschenmenge zu hören.
Der Landmaschinenhersteller Fricke hat in Tholey ein neues Logistikzentrum eröffnet. Im sogenannten „Schuhkarton“ verbirgt sich das Herzsstück des Lagers, ein hochmodernes automatisches Kleinteilelager.
Foto: Lea KasseckertGefeiert wurde die erfolgreiche Ansiedlung des niedersächsischen Familienunternehmens im Saarland. 160 Millionen Euro hat die Fricke-Gruppe in den Aufbau des Standorts investiert und sei damit „exakt im Budget“ geblieben, betont Geschäftsführer Hans-Peter Fricke. So viel Geld zu investieren sei „ein großer Schritt für das Unternehmen gewesen“. In zwei Jahren Bauzeit ist nach Angaben des Unternehmens eines der modernsten Logistikzentren Europas entstanden. Gelagert, verpackt und von Tholey aus verschickt werden nun sämtliche Ersatzteile für Land-, Bau- und Gartenmaschinen sowie für Hydraulik und Industriemaschinen.
Herzstück des Logistikzentrums – nach dem am Firmensitz in Heeslingen das zweite in Deutschland – ist das sogenannte automatische Kleinteilelager. „Schuhkarton“ wird dieser Teil des Firmenkomplexes auch genannt, wie einer der Mitarbeiter am Rande einer Führung durch das Logistikzentrum erklärt. 100 Meter lang und 32 Meter hoch misst der fensterlose Bau mit dem roten Firmennamen an der Außenfassade, der bestens von der Autobahn aus zu sehen ist. Im Inneren verfügt der „Schuhkarton“ über 335.000 Lagerplätze. Dort lagern ausschließlich kleine Ersatzteile, Schrauben etwa, oder auch Glühlampen, Muttern und Rücklichter.
Vollautomatisch werden die Lagerboxen in den gigantischen Regalen angesteuert und über Rollbänder an die jeweiligen Packstationen geschickt. Erst dort übernehmen dann die Mitarbeiter den weiteren Prozess, packen die bestellten Teile ein und schicken die Pakete auf den Weg. Darüber hinaus gibt es weitere 15.000 Lagerplätze für Gefahrgüter und einen sogenannten manuellen Bereich, in dem größere Waren wie Batterien oder Ersatzscheiben für Traktoren auf ihren Einsatz warten.
Rund 100 Menschen arbeiten bereits in dem neuen Logistikzentrum, der Großteil von ihnen sind Lageristen und Fachkräfte für Wareneingang und -ausgang. Bis Ende des Jahres soll sich die Mitarbeiterzahl verdoppeln. Dann, so plant das Unternehmen, sollen rund 10.000 Pakete täglich gepackt und überwiegend in den süddeutschen Raum sowie Südeuropa verschickt werden. Denn die Nähe zu Frankreich, der Schweiz und auch Spanien war einer der Gründe, weshalb sich Fricke für ein Logistikzentrum im Saarland entschieden hat. „Mit dem Ausbau unserer Logistik schaffen wir die Voraussetzung, unser Wachstum langfristig abzusichern und die Leistungsfähigkeit unseres Netzwerks zu erhöhen“, so der Geschäftsführer.
Perspektivisch soll der saarländische Standort noch weiter wachsen und bis zu 600 Arbeitsplätze in der Region schaffen. In die Planung über einen möglichen Ausbau will das Unternehmen noch in diesem Jahr einsteigen. Die SPD-geführte Landesregierung sei „hocherfreut“ über die Ansiedlung der Fricke-Gruppe. Gerade für das ländliche Saarland sei die Ansiedlung ein „großer Gewinn“, führte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) bei der Feier aus. Und auch Hans-Peter Fricke war voll des Lobes für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Tholey sowie dem Land. Das Saarland könne durchaus als Vorbild für andere Bundesländer dienen, wenn es um Ansiedlungspolitik und die dabei geforderte Schnelligkeit gehe, betonte Fricke sichtlich zufrieden.