Die Schweichhauserstraße in Tholey ist ein Beispiel für die chaotischen Verhältnisse beim Glasfaserausbau in der Gemeinde. Wann die Schäden behoben werden, steht in den Sternen. Bürgermeister Maldener kündigt an, jetzt selbst zu handeln.
Tholey · Die Schweichhauserstraße in Tholey ist ein Beispiel für die chaotischen Verhältnisse beim Glasfaserausbau in der Gemeinde. Wann die Schäden behoben werden, steht in den Sternen. Bürgermeister Maldener kündigt an, jetzt selbst zu handeln.
Blick in die Schweichhauserstraße in Tholey, wo auf beiden Seiten Schotter eingebracht wurde, statt ordnungsgemäß zu asphaltieren.
Foto: Evelyn SchneiderWenn Patrick Grenner aus seinem Haus heraustritt, findet er einen intakten Gehweg und eine ebensolche Straße vor. Doch das können nicht alle Anwohner in der Schweichhauserstraße in Tholey von sich behaupten. Wenige Häuser weiter unten sind deutliche Spuren einer Baustelle sichtbar, welche schnelles Internet in die Wohnsiedlung bringen soll. Die Arbeiter sind längst verschwunden. Nach Auskunft der Deutschen Glasfaser hätte im vergangenen November asphaltiert werden sollen. Doch stattdessen wurde lediglich Schotter aufgebracht. Seit sieben Monaten ruht die Baustelle, leben die Menschen mit den Mängeln. Inzwischen sei der Schotter so abgefahren, dass sich zentimetertiefe Gräben gebildet haben. Grenner spricht von einer untragbaren Situation. Sieht die Gefahr, dass Fußgänger stürzen, Fahrzeuge beschädigt werden.
Letzteres sei bereits geschehen, wie Tholeys Ortsvorsteherin Christine Schuler während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates zu berichten weiß. Sie fahre täglich durch die Straße. Neben deren Zustand kritisiert sie auch die Gehwege. Auch hier sei nicht sorgfältig gearbeitet worden. Es gebe Stolperfallen. Darüber hinaus hätten die Arbeiter auch die Privatgrundstücke nicht ordentlich hinterlassen. Regelmäßig würden Beschwerden an die Ortsvorsteherin gerichtet.
Und nicht nur an sie. Wie Bürgermeister Andreas Maldener (CDU) betont, vergehe kein Tag, an dem nicht auch er selbst und die Mitarbeiter der Verwaltung mit Vorwürfen konfrontiert würden. Daher hat er Vertreter der Deutschen Glasfaser zu der Sitzung eingeladen. Übrigens nicht das erste Mal. Wobei es stets wechselnde Zuständige sind, die im Plenum Platz nehmen. „Das Frustrierendste ist der Zeitraum, über den nichts passiert ist. Nichts im Sinne von: kein Ausbau, keine Ausbesserung von Schadstellen, keine Kommunikation“, sagt der Verwaltungschef sichtlich verärgert.
Kommuniziert wird nun im Gremium. Doch bleiben viele Fragen offen. Eine der drängendsten betrifft unter anderem jene „Schweichhauserstraße, die auf beiden Seiten der Fahrbahn aus Schotter besteht. Wenn mir da ein Radfahrer stürzt, geht das nicht mit mir nach Hause. Kann uns irgendjemand sagen, wann diese Schäden beseitigt werden?“ Das kann Hogir Acar, Projektleiter bei der Deutschen Glasfaser, ehrlicherweise nicht. Und die ebenfalls zur Sitzung eingeladenen Vertreter des Bauunternehmens Geodesia, das für die Deutsche Glasfaser tätig ist und wiederum mit Subunternehmen zusammenarbeitet, glänzen mit Abwesenheit. Zur Erklärung: Zwischen der Gemeinde Tholey besteht – wie bei anderen Kommunen auch – kein direktes Vertragsverhältnis zu den tätigen Tiefbaufirmen. Diese sind im Auftrag der Deutschen Glasfaser tätig.
Maldener macht deutlich, dass das Beseitigen der Schäden nicht noch länger hinausgezögert werden kann. „Mir fehlt die Geduld, so etwas in der Gemeinde zuzulassen. So hat noch niemand eine Baustelle verlassen, der hier gearbeitet hat.“ Daher kündigt der Bürgermeister sogenannte Ersatzvornahmen an. Das bedeutet, dass die Gemeinde Tholey selbst Aufträge an qualifizierte Unternehmen gibt, um bestimmte Maßnahmen wie die Asphaltierung der offenen Gräben in der Schweichhauserstraße durchführen zu lassen. Die Kosten dafür werden an den Verursacher weitergereicht. Wobei der Verwaltungschef Zweifel äußert, ob diese zeitnah erstattet werden.
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Diese Zweifel teilt Acar: „Der Baupartner hat Geldprobleme. Wenn Gefahr im Verzug ist, können sie das machen lassen. Aber es wird wahrscheinlich schwierig werden, das Geld wiederzubekommen.“ Sein Kollege Dirk Peschel, der seit April für Rheinland-Pfalz und das Saarland als Ansprechpartner für die Kommunen zuständig ist, zeigt Verständnis für den Unmut der Anwesenden. „Das war so nicht geplant. Wir zollen nun den Tribut an Umstände wie den explodierenden Baukosten. Wie haben uns auf die Baupartner verlassen, die uns dann irgendwie verlassen haben.“ Auf all das habe die Deutsche Glasfaser mit einer neuen Strategie reagiert. Zunächst würden nun die begonnenen Projekte vollendet.
Derzeit, so zeigt Acar anhand von Tabellen auf, ist der Baufortschritt in den einzelnen Ortsteilen unterschiedlich. Was allerdings überall gleich ist: Kein Kunde wurde bislang aktiviert. Wobei der Projektleiter in Aussicht stellt, dass beispielsweise einige Kunden in Theley schon früher als geplant ans Netz gehen könnten. Wobei eine finale Entscheidung hier noch ausstünde.
Im Nachgang der Sitzung zieht Tholeys Bürgermeister ein ernüchterndes Fazit: „Der Auftritt der Deutschen Glasfaser hat zunächst allen Mitgliedern des Gemeinderates die Hoffnung auf eine schnelle Lösung geraubt. Entsprechend groß war das Unverständnis. Als Gemeinde Tholey werden wir daher die Gespräche zur Suche potenzieller Alternativen zur Deutschen Glasfaser weiter vorantreiben. Aber auch wir wissen, wie schwierig dies in der aktuellen Zeit ist. Aber wir bleiben dran.“ (sara)