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Microsoft speichert sensible Daten – Sicherheitsexperte schlägt Alarm

Дата публикации: 10-02-2026 13:25:00

Windows 11 Recall filmt Bildschirme mit KI, speichert Daten bis 3 Monate. Filter versagen bei Passwörtern, Browser blocken, Angreifer lauern.

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Windows 11 Recall filmt Bildschirme mit KI, speichert Daten bis 3 Monate. Filter versagen bei Passwörtern, Browser blocken, Angreifer lauern.

Die umstrittene Screenshot-Funktion in Windows 11 sorgt weiter für Diskussionen. Unabhängige Tests zeigen: Trotz aller Nachbesserungen zeichnet „Recall“, das KI-Tool unter Umständen sensible Daten auf. Browser-Entwickler reagieren mit Schutzmaßnahmen.

Das Konzept: Nutzer können später in natürlicher Sprache nach Inhalten suchen, die sie irgendwann auf ihrem Bildschirm gesehen haben – seien es Dokumente, E-Mails, Webseiten oder Bilder. Das Problem: Auf dem Bildschirm erscheinen auch Passwörter, Bankdaten und Kreditkarteninformationen.

Hermann Sauer ist IT-Sicherheitsexperte engagiert sich seit über 20 Jahren für Datenschutz und Online-Anonymität. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Copilot+ PC: Hardware-Voraussetzungen und NPU-Anforderungen

Recall ist ausschließlich auf sogenannten Copilot+ PCs verfügbar. Dabei handelt es sich um eine neue Geräteklasse von Windows-11-Computern, die über spezielle KI-Hardware verfügen. Das Herzstück ist eine sogenannte NPU (Neural Processing Unit) – ein spezialisierter Chip für KI-Berechnungen.

Die technischen Mindestanforderungen für einen Copilot+ PC sind laut Microsoft: Eine NPU mit mindestens 40 TOPS (Billionen Operationen pro Sekunde), mindestens 16 GB Arbeitsspeicher (DDR5 oder LPDDR5), mindestens 256 GB SSD-Speicher und Windows 11 Version 24H2 oder neuer.

Für Recall selbst müssen zusätzlich mindestens 50 GB freier Festplattenspeicher verfügbar sein. Das Speichern von Momentaufnahmen wird automatisch pausiert, wenn weniger als 25 GB Speicherplatz übrig sind.

Derzeit erfüllen nur Prozessoren der neuesten Generation diese Anforderungen: AMD Ryzen AI 300 Serie, Intel Core Ultra 200V Serie (Lunar Lake) und Qualcomm Snapdragon X Serie. Ältere Prozessoren – auch solche mit NPU – erreichen die 40-TOPS-Schwelle nicht und sind daher nicht Copilot+-fähig.

Das bedeutet: Die große Mehrheit der existierenden Windows-PCs kann Recall gar nicht nutzen. Nur wer sich einen neuen Computer mit entsprechender Hardware kauft, kommt mit der Funktion in Berührung.

Tests zeigen unzuverlässige Filter bei sensiblen Daten

Microsoft hatte versprochen, dass sensible Daten automatisch erkannt und vom Screenshot-Prozess ausgeschlossen würden. Unabhängige Tests zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Das IT-Magazin „The Register“ testete Recall auf einem Lenovo Yoga Slim 7x Copilot+ PC. Im Test zeichnete Recall Kontostände auf, die am Bildschirm angezeigt wurden. Auch Kreditkartendaten wurden in manchen Fällen erfasst. Lediglich Passwörter bei der direkten Eingabe wurden nach Angaben der Tester zuverlässig erkannt – allerdings erstellte Recall Screenshots von Dateien, in denen Passwörter gespeichert waren.

„PC-WELT“ fasst zusammen: „Die Filterung sensibler Informationen ist gut, aber nicht gut genug.“

Wie lange speichert Recall Daten?

Recall speichert die gesammelten Screenshots und extrahierten Textdaten standardmäßig bis zu drei Monate lang auf dem lokalen Gerät. Laut Microsoft reichen etwa 25 GB Speicherplatz für diese Zeitspanne aus, wobei dies je nach Nutzungsintensität variieren kann.

Die Speicherdauer lässt sich in den Windows-Einstellungen konfigurieren. IT-Administratoren können Werte von 30, 60, 90 oder 180 Tagen festlegen. Wird kein Limit gesetzt, werden Screenshots erst gelöscht, wenn der zugewiesene Speicherplatz erschöpft ist – dabei werden die ältesten Aufnahmen zuerst entfernt.

Der maximal nutzbare Speicherplatz beträgt laut Dokumentation bis zu 150 GB, was theoretisch eine Speicherung über viele Monate ermöglichen würde. Nutzer können jederzeit alle gespeicherten Screenshots oder solche aus einem bestimmten Zeitraum (letzte Stunde, 24 Stunden, 7 oder 30 Tage) manuell löschen.

Risiken im Detail: Erleichterter Zugriff für Angreifer?

Die zentrale Sicherheitsfrage lautet: Verschafft Recall Angreifern, die bereits Zugang zu einem System erlangt haben, einen einfacheren Weg zu sensiblen Informationen?

Sicherheitsexperten sehen hier ein erhebliches Risiko. Kevin Beaumont, ein renommierter Cybersicherheits-Forscher, bezeichnete Recall als „im Grunde einen Infostealer, der standardmäßig in Windows eingebaut ist“. Er konnte nach eigenen Angaben ein Programm entwickeln, das die von Recall gesammelten Daten ausliest. Seine Einschätzung: Die Funktion schaffe einen zentralen Speicherort, an dem Monate an sensiblen Aktivitätsdaten gesammelt werden.

Das Grundproblem: Während vertrauliche Informationen wie Passwörter normalerweise durch separate Schutzmechanismen gesichert sind (Passwort-Manager, Zwei-Faktor-Authentifizierung), landen sie über Recall potenziell alle in einer einzigen Datenbank auf dem Gerät. Kaspersky beschreibt dies so: „Alle wichtigen Daten können auf einen Schlag gestohlen werden.“

Microsoft hat auf die Kritik reagiert und mehrere Sicherheitsverbesserungen implementiert. Die Recall-Daten werden nun verschlüsselt in einem sogenannten „VBS Enclave“ gespeichert – einer isolierten virtuellen Umgebung. Für jeden Zugriff ist eine Windows-Hello-Authentifizierung (Gesichtserkennung, Fingerabdruck oder PIN) erforderlich.

David Weston, Vizepräsident für Unternehmens- und Betriebssystemsicherheit bei Microsoft, erklärte gegenüber Windows Central: „Alle sensiblen Daten sind immer verschlüsselt. Microsoft könnte diese Daten nicht einmal entschlüsseln, selbst wenn wir wollten.“

Dennoch bleibt ein Restrisiko: Ist ein Angreifer auf einem entsperrten System aktiv, während der Nutzer angemeldet ist, könnte er theoretisch versuchen, auf die entschlüsselten Daten zuzugreifen. Microsoft gibt an, die Anzahl der Zugriffsversuche zu begrenzen, um Brute-Force-Angriffe zu erschweren.

Browser-Entwickler reagieren mit Schutzmaßnahmen

Die Bedenken der Sicherheits-Community haben zu konkreten Reaktionen geführt. Der Browser Brave blockiert Recall mittlerweile standardmäßig. Auch die Sicherheitssoftware AdGuard hat entsprechende Schutzfunktionen implementiert. Der Messenger-Dienst Signal hat ebenfalls Maßnahmen ergriffen, um Screenshots seiner App durch Recall zu verhindern.

Die Entwickler begründen dies mit dem Schutz der Privatsphäre ihrer Nutzer. Denn selbst wenn Recall auf dem eigenen Rechner deaktiviert ist – besucht man einen fremden PC mit aktiviertem Recall, werden die eigenen Aktivitäten dort möglicherweise aufgezeichnet.

Was Microsoft verbessert hat

Nach der massiven Kritik bei der ursprünglichen Ankündigung im Mai 2024 hat Microsoft mehrere Änderungen vorgenommen:

Recall ist nun standardmäßig deaktiviert und muss vom Nutzer aktiv eingeschaltet werden. Die gesamte Datenbank wird verschlüsselt gespeichert. Für jeden Zugriff auf die Recall-Daten ist eine biometrische Authentifizierung über Windows Hello erforderlich. Ein Filter soll Passwörter, Kreditkartennummern und Ausweisnummern automatisch erkennen und vom Screenshot-Prozess ausschließen.

Zudem können Nutzer Recall vollständig vom System entfernen, indem sie die Funktion über „Windows-Features aktivieren oder deaktivieren“ deinstallieren. In der Enterprise-Version von Windows 11 ist Recall nach Microsoft-Angaben gar nicht vorinstalliert.

Was Sie jetzt tun sollten

Für Nutzer eines Copilot+-PCs mit Windows 11 ergeben sich folgende Handlungsoptionen:

  • Wer Sicherheitsbedenken hat, sollte Recall bei der Ersteinrichtung des Rechners nicht aktivieren.
  • Wer Recall bereits eingeschaltet hat, kann die Funktion in den Windows-Einstellungen unter „Datenschutz & Sicherheit“ und „Recall & Momentaufnahmen“ wieder deaktivieren. Dort lassen sich auch bereits gespeicherte Screenshots löschen sowie einzelne Apps und Webseiten von der Aufzeichnung ausschließen.

Wichtig: Der private Modus in unterstützten Browsern (Microsoft Edge, Google Chrome, Firefox, Opera) wird laut Microsoft automatisch von der Aufzeichnung ausgeschlossen.

Fazit: Nutzen vs. Risiko bei Recall

Recall bietet eine innovative Funktion – die Möglichkeit, alles wiederzufinden, was man auf dem Computer gesehen hat. Die unabhängigen Tests zeigen jedoch, dass die Schutzfunktionen für sensible Daten nach aktuellem Stand nicht in allen Situationen zuverlässig greifen.

Microsoft hat auf die Kritik reagiert und erhebliche Sicherheitsverbesserungen implementiert. Ob diese ausreichen, werden weitere Tests und die Praxis zeigen müssen. Die Tatsache, dass etablierte Browser-Hersteller und App-Entwickler eigene Schutzmaßnahmen implementiert haben, deutet darauf hin, dass in der Sicherheits-Community weiterhin Skepsis besteht.

Nutzer sollten die Vor- und Nachteile individuell abwägen. Wer sensible Daten auf seinem Computer verarbeitet – etwa Bankgeschäfte, vertrauliche Dokumente oder geschäftliche Kommunikation – sollte die Aktivierung von Recall kritisch prüfen.

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