Nach 2023 und 2025 soll es im nächsten Jahr in Frauenfeld erneut ein Street Art Festival geben. Dafür erhalten die Organisatoren mehr Geld von der öffentlichen Hand. Geschäftsleiter Marco Niedermann erklärt, was damit geschieht und was 2027 auf die Stadt zukommt.

Bild: Andrea Tina Stalder
Frauenfeld erhält erneut mehr Farbe. Nach den beiden erfolgreichen Austragungen 2023 und 2025 kehrt das Internationale Street Art Festival Frauenfeld (ISAFF) im kommenden Jahr zurück in die Kantonshauptstadt. Das teilt der Stadtrat mit, der für die dritte ISAFF-Auflage vom 4. bis 6. Juni 2027 einen Beitrag von 120'000 Franken aus dem Kulturfonds spricht. Damit soll die «Vielgestaltigkeit des kulturellen Angebots erhöht sowie die Standortqualität und die positive Ausstrahlung der Stadt nachhaltig verbessert und gefördert werden», legitimiert der Stadtrat seinen Beschluss.
Weiteres Geld fürs ISAFF mit einem Budget von 640'000 Franken stammt aus dem kantonalen Lotteriefonds (120'000 Franken), aus Sponsorings, Stiftungen und weiteren Einnahmen, aber auch aus Eigenleistungen. Wegen Letzterem hat sich der städtische Beitrag von bisher 80'000 Franken um 50 Prozent erhöht. ISAFF-Geschäftsleiter Marco Niedermann spricht von unzähliger Freiwilligenarbeit, die selbst durch Gastronomie und Merchandise nicht aufgefangen werden konnte. «Das ist mega schwierig», sagt er, kündigt aber fürs nächste Jahr eine weitere Idee an, ohne mehr verraten zu wollen.

Bild: Olaf Kühne
Einen schwierigen Stand hatten anfänglich auch die Subventionen des Vereins Pro Street Art durch die Stadt, was auch auf politischer Ebene für Vorstösse sorgte . Zudem lösten erste Wandgemälde wie etwa die beiden Katzen beim Feuerwehrdepot eine kontroverse Diskussion in den sozialen Medien aus . Die Kritik sei mittlerweile abgeflacht, meint Niedermann und ergänzt: «Wir spüren eine breite Unterstützung, weit ins bürgerliche Lager hinein.» Schliesslich aber sei Kunst Geschmackssache.
Als grossen Vorteil beurteilen die Verantwortlichen das ISAFF als «niederschwelliges, barrierefreies Angebot, das die ganze Bevölkerung rund um die Uhr besichtigen kann», wie der Stadtrat schreibt. Das beobachtet auch Niedermann, der immer wieder Grüppli – teils auch fremdsprachige – in der Stadt sieht, die sich für die Kunstwerke interessieren. Auf der interaktiven Karte liesse sich diese Wirkung auch messen. «Die Leute informieren sich, das sehen wir klar», meint Niedermann.
2023 und 2025 lockte das ISAFF jeweils rund 25'000 Besuchende in die Stadt. Das soll auch im kommenden Jahr wieder erreicht werden. Welche Gebäude wo und von wem bemalt oder umgestaltet werden, steht bis jetzt nicht fest, oder ist bisher nicht spruchreif, wie Niedermann sagt und schmunzelt. Immerhin verrät er: «Es gibt sicher wieder ein grosses Mural.» So wie etwa jenes beim Alterszentrum Park (2023) oder jenes bei der Sia (2025). Letzteres befand sich dieses Jahr unter den Nominierten fürs beste Mural weltweit.
Seit der zweiten Durchführung kommen einerseits vermehrt Hausbesitzende auf die Initianten zu, und andererseits meldeten sich auch Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland. Die Gründe dafür sieht Niedermann in der grossen Reichweite, der Exklusivität durch wenige Street Art Festivals in der Schweiz und der Entlohnung. So bezahlt der Verein die Künstlerinnen und Künstler in Frauenfeld für ihre Arbeit.
Und was passiert mit den bestehenden Graffiti, Murals und sonstigen Kunstwerken? Die bleiben bestehen, so lange es keine baulichen Veränderungen gibt. Dafür tauscht sich Niedermann mit seinem Team stets mit den städtischen Stellen aus. Ein Ablaufdatum hat das Mural des Churer Künstlers Bane von 2023 an der Schlossmühlestrasse. Dort steht ein Umbau an, weshalb die Schneiderin auf dem Kunstwerk «Cut through history» (Schnitt durch die Geschichte) verschwinden wird.

Bild: Samuel Koch
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