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Scamcenter-Mitarbeiter – entführt und zum Betrug gezwungen

Дата публикации: 11-06-2026 07:50:00

Die asiatische Scam-Mafia verschleppt Menschen und zwingt sie in Betrugszentren, wo sie weltweit Opfer abzocken müssen – darunter auch viele deutsche.

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Betrugszentren in Myanmar und Kambodscha

In Scamcentern werden Entführungsopfer dazu gezwungen, andere Menschen im Internet zu betrügen.

Foto: STR/Getty Images

Die asiatische Scam-Mafia verschleppt Menschen und zwingt sie in Betrugszentren, wo sie weltweit Opfer abzocken müssen – darunter auch viele deutsche.

Wer an Internetbetrug denkt, hat oft das Bild eines skrupellosen Cyberkriminellen vor Augen, der sich mit seinen fiesen Maschen bereichert. Tatsächlich steckt hinter vielen Betrugsnetzwerken jedoch eine weit düsterere Realität: Etliche Menschen werden entführt oder unter falschen Versprechen angeworben und anschließend mit Gewalt, Drohungen und Hunger dazu gezwungen, selbst Betrügereien zu begehen. Die kriminellen Organisationen dahinter verdienen damit Milliarden. In riesigen Anlagen, den sogenannten Scamcentern, arbeiten oft Zehntausende Personen unter Zwang und müssen den Anweisungen der Hintermänner folgen.

Angelockt mit Jobversprechen

Die Geschichten der zum Betrug gezwungenen Frauen und Männer beginnen alle ähnlich: Am Anfang steht ein gut bezahltes Jobangebot, etwa als Bürokraft. Noch beim Vorstellungsgespräch werden sie verschleppt – in ein Scamcenter in Myanmar oder Kambodscha. Die Pässe nehmen die Schlepper ihnen ab, damit sie nicht mehr aus dem Land kommen, falls sie fliehen können. In kurzen Workshops wird den Opfern eingebläut, wie man Menschen über das Internet mit miesen Tricks um ihr Erspartes bringt.

Gesichert wie ein Gefängnis

Die Arbeit im Scamcenter hat mit einem Bürojob nichts gemein: Die Gebäudekomplexe sind mit Stacheldraht umzäunt und mit Überwachungskameras ausgestattet. Überall stehen bewaffnete, gewaltbereite Gefängniswächter, die wie Soldaten aussehen. Ihre Aufgabe: um jeden Preis verhindern, dass jemand flieht.

Die Menschenrechtsorganisation

Amnesty International

hat mit Opfern gesprochen, denen die Flucht von einem solchen Ort gelungen ist. Lisa etwa wurde mit 18 Jahren gekidnappt. Sie versuchte zu fliehen, doch die Männer fassten sie und quälten sie, indem sie mit Metallstäben auf ihre Fußsohlen schlugen.

Betrug mit System

Teilweise befinden sich in den Scamcentern so viele Waffen wie bei einer kleinen Armee. Wer dort eingekerkert ist, kommt allein nicht mehr heraus. Die Gekidnappten müssen bis zu 16 Stunden am Tag Menschen auf der ganzen Welt betrügen. Etwa mit sogenannten Romance-Scams, bei denen die Entführten über lange Zeit eine Online-Beziehung zu den Betrugsopfern aufbauen und nach und nach Geld erschleichen. Oder mit Investmentbetrug. Die Entführten versprechen den Opfern hohe Gewinne, aber am Ende stehlen sie die investierten Summen. Häufig geht es auch um illegales Glücksspiel, bei dem am Ende immer die Scammer gewinnen. Die zum Betrug Gezwungenen leben unter unmenschlichen Bedingungen und müssen Ziele erfüllen – mehrere Tausend Euro pro Woche müssen sie "erwirtschaften". Wer das nicht schafft, kommt in sogenannte Dark Rooms. Opfer berichten von Räumen ohne Licht, in denen sie geschlagen und ohne Essen eingesperrt worden sind. Die Wärter drohen, Organe zu entnehmen und zu verkaufen, falls das Soll weiterhin nicht erfüllt werde.

Eine Billion US-Dollar Schaden

Der weltweite Schaden durch Betrug ist enorm: Die

Global Anti-Scam Alliance

gibt mehr als eine Billion US-Dollar pro Jahr als Schadenssumme durch Betrug an. Das wird nicht allein von Scamcentern verursacht, aber die kriminellen Zentren haben einen hohen Anteil daran.

Regierungen sehen weg

Die Regierungen in Myanmar und Kambodscha ignorieren die Scamcenter oder arbeiten sogar mit ihnen zusammen. In Myanmar herrscht seit Langem Bürgerkrieg, und in Südostasien ist Korruption weitverbreitet. Die Scam-Mafia investiert einen Teil der Gewinne in Bestechung und hat so fast freie Hand. Das macht es für Strafverfolger und andere Länder umso schwieriger, etwas gegen die Scamcenter zu unternehmen. Zwar wurden 2025 ein paar Erfolge vermeldet, bei denen Scamcenter zerschlagen und die Gefangenen befreit wurden, aber Schätzungen zufolge gelingt das nur bei maximal zehn Prozent der Betrugszentren. Zudem ist unklar, ob die Hintermänner danach nicht einfach an einem anderen Ort neu anfangen und das nächste Zentrum hochziehen. Einige Scamcenter sind mittlerweile so groß wie eine Kleinstadt.

Promi-Entführung in China

Dass es kürzlich überhaupt Razzien gab, lag vor allem daran, dass ein chinesischer Schauspieler in die Fänge der Entführer geraten war. Wang Xing wurde mit einem attraktiven Filmauftrag nach Thailand gelockt und dort entführt. Die Kriminellen verschleppten ihn dann nach Myanmar in das Scamcenter KK Park und zwangen ihn zum Betrug. Seine Freundin postete den Vorfall in den sozialen Medien. Der Beitrag ging viral und setzte China unter Druck. Die Behörden protestierten bei der thailändischen Regierung. Es wurden Strom- und Internetkabel, die nach Myanmar führten, gekappt und die Grenzkontrollen verschärft. Drei Tage später gab es eine Razzia in dem Scamcenter, in dem Xing einsaß. Er hatte Glück und wurde befreit. Mittlerweile haben die meisten Scamcenter aufgerüstet. Sie arbeiten mit Starlink, Elon Musks Satelliteninternet, sowie Generatoren – und sind damit unabhängig von der lokalen Infrastruktur.

Die Scamcenter-Problematik erlangte durch den Vorfall mit Wang Xing und die Befreiungsaktion, bei der mehr als 7.000 Gefangene aufgefunden wurden, internationale Aufmerksamkeit. Thailand hat seitdem weitere Razzien durchgeführt, auch in Kambodscha. Schätzungen zufolge arbeiten allein in Myawaddy, einer Grenzstadt in Myanmar, mehr als 300.000 Menschen in Scamcentern. Die Befreiungsaktionen sind bisher also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Bosse sind kaum zu fassen

Hinter den Scamcentern steckt eine Mafia, deren Bosse aus China stammen und teilweise von dort aus operieren. Das punktuelle Ausheben ihrer Basen ändert am grundsätzlich florierenden Geschäft kaum etwas. Um es auszutrocknen, wäre deutlich mehr erforderlich. Anstelle der Statthalter müssten die Hintermänner ermittelt werden und Staaten grenzübergreifend zusammenarbeiten. Das ist in Asien sehr kompliziert. Und so wächst die Zahl der Scamcenter munter weiter. Laut Amnesty International sind mindestens 50 in Südostasien bekannt, an weiteren 40 Orten gibt es verdächtige Aktivitäten.

Weltweites Phänomen

Scamcenter sind ein globales Problem. In reichen Ländern treiben sie Menschen in den finanziellen Ruin, in armen Staaten landen viele Menschen in Zwangsarbeit. Doch obwohl das Problem erkannt ist, ändert das nichts an der Realität des Ermittlungsalltags. Auf Betrüger in Asien etwa haben deutsche Behörden keinen Zugriff. Es bräuchte eine weltweite Taskforce, bei der Europa, die USA, China und Südostasien zusammenarbeiten.

So schützen Sie sich

Damit Sie nicht auf die Betrugsmaschen im Internet hereinfallen, hat COMPUTER BILD einen Ratgeber, der Ihnen die gängigsten

Phishing- und Betrugsmaschen

erklärt. Wenn Sie die kennen, fallen Sie auch nicht mehr darauf herein. Allgemein sollten Sie im Internet immer skeptisch sein und niemandem, den Sie nicht kennen, Geld oder Zugangsdaten schicken.

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