Eigentlich wollte sie nur ein System analysieren. Doch dabei entdeckte eine Sicherheitsforscherin einen Fehler mit potenziell großer Tragweite.
Nach Angaben einer Sicherheitsexpertin war der WM-Livestream über ein FIFA-Portal von außen erreichbar.
Foto: Nicolò Campo / Getty Images
Eigentlich wollte sie nur ein System analysieren. Doch dabei entdeckte eine Sicherheitsforscherin einen Fehler mit potenziell großer Tragweite.
Eine Sicherheitsforscherin hat nach eigenen Angaben eine Schwachstelle in den Systemen der FIFA entdeckt. Über ein offizielles Portal für Partner und Agenten soll sie Zugang zu Bereichen erhalten haben, die eigentlich nicht für normale Nutzerinnen und Nutzer bestimmt sind. Nach ihrer Einschätzung hätten die Folgen gravierend sein können.
Die unter dem Namen "
BobDaHacker" bekannte Forscherin registrierte sich nach eigenen Angaben regulär auf einem FIFA-Portal. Während ihrer Analyse bemerkte sie jedoch, dass die vergebenen Zugriffsrechte offenbar nicht überall korrekt eingerichtet waren. Dadurch konnte sie auf interne Anwendungen und Verwaltungsoberflächen zugreifen. Solche Fehler zählen zu den häufigsten Sicherheitsproblemen im Netz. In diesem Fall spricht man von "Broken Access Control", also unzureichend geschützten Zugriffsrechten. Bei genauerer Untersuchung erkannte sie das Ausmaß der Schwachstelle. Sie stieß demnach auf Systeme, die für die Verteilung und Verwaltung offizieller FIFA-Übertragungen zuständig sind.
Nach Einschätzung der Forscherin hätte ein Angreifer nicht nur einzelne Livestreams beeinflussen können. Auch Kamerafeeds, Einblendungen oder andere Inhalte der weltweiten TV-Übertragung wären manipulierbar gewesen. In ihrem Blogbeitrag schreibt sie, dass theoretisch sogar alle Kameras gleichzeitig hätten übernommen werden können. Sie selbst beschränkte sich nach eigenen Angaben darauf, die Schwachstelle zu dokumentieren und der
FIFAzu melden. Dabei formulierte sie auch eine scherzhafte Warnung: "Ich hätte die gesamte FIFA-Weltmeisterschaft 'rickrollen' können." Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer hätten dann statt der eigentlichen Übertragung plötzlich das bekannte
Musikvideovon Rick Astley gesehen. Ob ein Angreifer tatsächlich die vollständige Kontrolle über die Übertragungen hätte erlangen können, lässt sich von außen allerdings nicht unabhängig bestätigen.
Neben der Sicherheitslücke kritisiert die Expertin auch den Umgang mit ihrer Meldung. In ihrem Blogbeitrag berichtet sie, zehn Versuche unternommen zu haben, die
FIFAüber verschiedene Wege zu informieren. Da sie nach eigenen Angaben zunächst keine Reaktion erhielt, wandte sie sich schließlich an das FBI und die US-Cybersicherheitsbehörde CISA. Erst danach kam Bewegung in die Sache. Bereits am folgenden Tag sei die Schwachstelle geschlossen worden. Eine direkte Antwort der FIFA habe sie dennoch nicht erhalten. Entsprechend deutlich fällt ihre Kritik an den Fußballbund aus: "Wenn ein Forscher die CISA und das FBI anrufen muss, um euch zu erreichen, läuft etwas schief."
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