Getrennt als Paar, doch eng verbunden als Eltern: Zwei Ex-Partnerinnen wohnen in Belgien direkt nebeneinander. Ihr Modell erleichtert die Betreuung – und setzt klare Grenzen für neue Beziehungen.
Getrennt als Paar, doch eng verbunden als Eltern: Zwei Ex-Partnerinnen wohnen in Belgien direkt nebeneinander. Ihr Modell erleichtert die Betreuung – und setzt klare Grenzen für neue Beziehungen.
Die Belgierinnen Freya (50) und Lieve (45) sind seit 13 Jahren geschieden – und leben in Merksem bei Antwerpen trotzdem Tür an Tür. Wie die belgische Tageszeitung „De Morgen“ berichtet, können ihre drei Töchter Marie (19), Lies (17) und Eva (15) frei zwischen den Häusern wechseln, seit die Mauer zwischen den Gärten entfernt wurde.
Kennengelernt haben sich Freya und Lieve 2000, als beide im Katechismusunterricht einer lokalen Pfarrei tätig waren. 2006 heirateten sie dann, schreibt „De Morgen“. Nach zehn guten und drei eher mageren Jahren endete die Beziehung. Lieve vermutet heute, dass sie damals eine Depression hatte: „Psychisch ging es mir sehr schlecht. Während Freya am Wochenende alles Mögliche mit den Kindern unternehmen wollte, kam ich kaum noch aus dem Bett.“
Zugleich begann Freya, ihre seit der Kindheit empfundene Transidentität vorsichtig auszudrücken. Verbitterung gab es nach der Trennung allerdings nicht. Während der Scheidung entstand die Idee, nah beieinander zu wohnen – konkret wurde sie, als Freya in ihr Elternhaus in Merksem zurückkehren konnte und Lieve das Nachbarhaus von Freyas Bruder übernehmen konnte.
,regionOfInterest=(1678,906)&hash=06be72c7ceb79c88ee13c10e0893fa76cd64b96f2794c95cb68f7a9e191dbade)
Seither läuft das Familienleben ungewöhnlich eng weiter: gemeinsame Geburtstage, fast immer gemeinsames Essen und bald auch gemeinsamer Urlaub. Durch die abgerissene Mauer seien die zwei Häuser für die Kinder wie ein großes Haus, sagen die beiden zu „De Morgen“. Auch Lieves Hund pendelt inzwischen zwischen beiden Haushalten hin und her.
Eva und Lies haben ihre festen Zimmer bei Freya, während Marie bei Lieve wohnt. Einen engen Draht zu beiden Elternteilen haben dennoch alle drei Töchter. Neue Partner müssten das Modell akzeptieren: „Unsere Kinder stehen an erster Stelle. Solange sie zu Hause wohnen, bleibt das auch so. Wenn ein Partner dafür kein Verständnis hat, dann wird die Beziehung schlichtweg nicht funktionieren.“
Freya und Lieve zeigen, dass Familienleben nicht mehr zwingend an das klassische Ehemodell gebunden ist. Wie stark sich dieses Verständnis verändert hat, zeigt auch der Blick nach Deutschland, wo die Ehe weiter an Gewicht verliert: 2024 wurden laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) hierzulande 349.200 Ehen geschlossen – so wenige wie seit 1950 nicht mehr. Während 1995 noch 60 Prozent aller erwachsenen Personen verheiratet waren, war es Ende 2024 nur noch jede zweite erwachsene Person.
Wer heute heiratet, tut das laut Destatis außerdem später im Leben als früher: Frauen waren bei der ersten Ehe 2024 im Schnitt 32,9, Männer 35,3 Jahre alt – das sind rund sechs Altersjahre mehr als im Jahr 1994. Allerdings halten Ehen heute länger als früher: Bis zur Scheidung vergingen 2024 im Mittel 14,7 Jahre. Insgesamt wurden gut 129.300 Ehen geschieden.