Auf einer Pressekonferenz klärten die Behörden über die Bluttat von Stade auf, bei der sechs Mitarbeiter einer Jugendeinrichtung starben. Doch zentrale Fragen bleiben dabei offen.
Auf einer Pressekonferenz klärten die Behörden über die Bluttat von Stade auf, bei der sechs Mitarbeiter einer Jugendeinrichtung starben. Doch zentrale Fragen bleiben dabei offen.
Es ist ein rätselhafter Fall, zu dem Innenministerin, Staatsanwaltschaft und Polizeiführung am Abend in einer Pressekonferenz kurz Auskunft geben. Aber es ist auch erst wenige Stunden nach der Tat – und das Wenige, was bislang bekannt ist, wirft nur noch weitere Fragen auf. Klar ist an diesem Montagabend in Stade nur: Ein 45-Jähriger aus Hannover hatte einen Termin in der Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße. Dort lebten seine drei Monate alte Tochter und deren 34-jährige Mutter in einer Mutter-Kind-Wohngruppe, nachdem das Kind zuvor aus der Familie genommen worden war und unter Auflagen zurück zur Mutter durfte – aber nur in die Kinder- und Jugendeinrichtung.
Der mutmaßliche Täter wurde in Deutschland geboren, habe türkische Wurzeln und sei polizeibekannt wegen Bedrohungsdelikten. Er galt den Behörden aber nicht als besonders gewalttätig. Ein Sorgerechtsfall also, der nach ersten Angaben der Polizei in eine „Familientragödie“ mündet. Am Ende sind sechs Menschen tot. Aber keiner von ihnen gehörte zur Familie. Bei den Opfern handelt es sich nach Auskunft der Polizeiführung ausschließlich um Mitarbeitende des privaten Trägers der Jugendhilfeeinrichtung und des Jugendamtes.
Wie die Tat konkret ausgeführt wurde – und vor allem, mit welcher Waffe, dazu äußert sich die Polizei auch auf Nachfrage nicht. Dabei könnte die Art der Waffe nicht nur Rückschlüsse geben auf den Ablauf der Tat, sondern vielleicht auch auf das Milieu, in dem die Waffe erworben wurde. Einen Waffenschein soll der 45-Jährige jedenfalls nicht besessen haben. Zwischenzeitlich berichteten NDR und WDR über eine Verbindung des mutmaßlichen Täters zum Miri-Clan.
Das aber weisen sowohl die Innenministerin Daniela Behrens (SPD) als auch die Polizeichefin Kathrin Schuol entschieden zurück: „Ein singulärer Fall“ sei das, keine Verbindung ins Clanmilieu. Doch die Frage bleibt.
Auch weil gerade Stade in den vergangenen Jahren immer wieder in den Schlagzeilen war,: „Döner-Killer“, „Shisha-Krieg“, die Familien Miri und Al-Zein. Damit aber, so versichern Ermittler und Ministerin nachdrücklich, habe dieser Fall nichts zu tun. Unklarheit besteht auch über die Frau, die den Mercedes fuhr, mit dem der mutmaßliche Täter zum Termin kam: 55 Jahre alt und eine Familienangehörige des Mannes, mehr ist nicht zu erfahren.
Nach den Schüssen in der Dankersstraße versuchten beide mit dem Auto zu fliehen, die Polizei schoss auf die Reifen und konnte den Mercedes schließlich auf der Bundesstraße stoppen. Auch die 55-Jährige ist in Gewahrsam – ebenso wie die 34-jährige Mutter des Kindes. Auch sie werde von der Polizei befragt. Die Tat werde die Stadt „lange beschäftigen“ und „Spuren hinterlassen“, sagt Innenministerin Behrens noch. Und die Ermittlungen zu den Hintergründen: haben gerade erst begonnen.
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