In der Luft birst das Fenster einer Ryanair-Maschine auf dem Weg von Thessaloniki nach Memmingen. Der Kopf eines Passagiers ragt zeitweise heraus. Nun schildert eine Augenzeugin den Vorfall.
In der Luft birst das Fenster einer Ryanair-Maschine auf dem Weg von Thessaloniki nach Memmingen. Der Kopf eines Passagiers ragt zeitweise heraus. Nun schildert eine Augenzeugin den Vorfall.
Durch den plötzlichen Druckabfall wurden Kopf und Oberkörper des auf dem Fensterplatz sitzenden Passagiers teilweise aus der Öffnung gesogen. Nach Angaben griechischer Medien klammerte sich seine Ehefrau rund fünf Minuten lang an seinen Beinen fest und verhinderte so, dass er vollständig aus der Boeing 737 gerissen wurde.
Erst mithilfe mehrerer umsitzender Passagiere gelang es ihr, ihren Mann zurück in die Kabine zu ziehen. Zeitgleich fielen automatisch die Sauerstoffmasken aus der Decke.
Sabrina bekam den ganzen Vorfall hautnah mit. Die Frau aus Augsburg flog mit ihrer Mutter in dem Flieger mit. „Plötzlich gab es einen riesigen Knall“, schildert sie gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“. „Ich habe erst gar nicht realisiert, was dann passiert ist, bis alle zu dem Mann gerannt sind.“ Sabrina saß nur wenige Reihen von dem Mann entfernt.
Nachdem er wieder ins Flugzeug gezogen worden war, wurde er mindestens einmal ohnmächtig, erzählt die Augsburgerin. „Ich dachte, das war‘s jetzt. Ich konnte nicht einschätzen, wie schlimm die Situation ist.“
Der Pilot brach daraufhin den Flug nach Memmingen ab und flog zum Flughafen Thessaloniki zurück, berichtete die Passagierin. Der Rückflug habe nach dem Zwischenfall noch etwa 20 Minuten gedauert.
Am Flughafen dauerte es dann eine weitere Stunde, bis es neue Informationen gab, schildert Sabrina. „Wir haben nicht einmal Wasser bekommen und durften nicht gehen.“
Der Grund für den Vorfall ist noch nicht geklärt. Ryanair bestätigte auf dpa-Anfrage, dass sich während des Fluges nach Memmingen am Morgen kurz nach dem Start ein Passagierfenster gelöst habe. Die Maschine sei daraufhin nach Thessaloniki zurückgeflogen, die Passagiere seien dort ins Terminal zurückgekehrt. Ein Passagier habe vor Ort um medizinische Hilfe gebeten und diese auch erhalten.
Um die Verspätung so gering wie möglich zu halten, sei ein Ersatzflugzeug organisiert worden. Dieses sei um 9.53 Uhr Ortszeit in Thessaloniki gestartet, um die Passagiere nach Memmingen zu bringen. Wie es zu dem Zwischenfall gekommen ist, ging aus den Angaben nicht hervor.
Die Ersatzmaschine sei in Memmingen gelandet, teilte eine Flughafensprecherin auf dpa-Anfrage mit. „Für die betroffenen Passagiere standen vorsorglich Ansprechpartner bereit, diese Angebote wurden nach aktuellem Stand jedoch nicht in Anspruch genommen.“
Ryanair fliegt den Flughafen Memmingen aus diversen Teilen Europas sowie aus Jordanien und Marokko an. Nach und von Thessaloniki gibt es wöchentlich mehrere Direktverbindungen. Der Airport liegt rund 100 Kilometer westlich von München und knapp 120 Kilometer südöstlich von Stuttgart.
„Eigentlich kommt so etwas sehr selten vor“, sagte der emeritierte Professor für Luftfahrtelektronik, Harald Hanke, der Deutschen Presse-Agentur zu dem Zwischenfall. Der ehemalige Pilot erklärt das Phänomen mit dem großen Druckunterschied zwischen dem Kabineninnenbereich und dem Außenbereich des Flugzeugs. Die Passagierkabine werde im Flug auf einem für Menschen erträglichen Luftdruck gehalten, der in großer Höhe deutlich über dem der Umgebungsluft liegt. „Wenn in der Kabine nun plötzlich ein großes Loch entsteht, gleicht sich der Druck schlagartig aus“, sagt Hanke.
In der Folge werden Gegenstände oder auch nicht angeschnallte Passagiere durch die Öffnung angesaugt. „Je größer die Öffnung ist, desto schneller geschieht das.“ Mit dem Druckabfall verbunden ist das Herabfallen von Sauerstoffmasken in der Kabine, was den Zeugenaussagen zufolge auch geschehen ist.
Ryanair selbst äußerte sich gegenüber FOCUS online wie folgt:
Ein Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen kehrte am Freitagmorgen (10. Juli) kurz nach dem Start nach Thessaloniki zurück, nachdem sich während des Fluges ein Fenster eines Passagiersitzes gelöst hatte. Das Flugzeug landete planmäßig, und die Passagiere kehrten ins Terminal zurück. Ein Passagier bat nach der Landung in Thessaloniki um medizinische Hilfe und erhielt diese auch. Um die Verspätung so gering wie möglich zu halten, wurde ein Ersatzflugzeug organisiert, das die Passagiere nach Memmingen bringen sollte. Dieses startete am selben Morgen um 9:53 Uhr Ortszeit von Thessaloniki.
mit Material der dpa