Vor weniger als drei Jahren kam Nikita Nikolaev ohne Französischkenntnisse nach Frankreich. Jetzt hat der 18-Jährige sein Abitur mit außergewöhnlichen Ergebnissen bestanden und sorgt damit landesweit für Aufmerksamkeit.
Vor weniger als drei Jahren kam Nikita Nikolaev ohne Französischkenntnisse nach Frankreich. Jetzt hat der 18-Jährige sein Abitur mit außergewöhnlichen Ergebnissen bestanden und sorgt damit landesweit für Aufmerksamkeit.
Der 18-jährige Nikita Nikolaev kam vor weniger als drei Jahren aus Russland nach Perpignan im Süden Frankreichs. Als er an seiner neuen Schule ankam, sprach er nach Angaben der französischen Regionalzeitung „L’Indépendant“ „kein Wort Französisch“.
Zunächst besuchte er am Lycée Picasso einen speziellen Sprachkurs für ausländische Schüler, bevor er später in die regulären Klassen des Lycée Arago wechselte. Gegenüber „L’Indépendant“ erinnert er sich: „Im zweiten Jahr habe ich noch gar nichts verstanden.“
Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten gelang Nikita eine bemerkenswerte Entwicklung. Um sich schulisch und sozial zu integrieren, konzentrierte er sich intensiv auf das Erlernen der Sprache, berichtet „L’Indépendant“.
Nach nur wenigen Jahren erreichte er im französischen Abitur einen Durchschnitt von 19,08 Punkten und erzielte in allen allgemeinen Prüfungen die Bestnote 20 von 20 Punkten. Besonders bemerkenswert: Im mündlichen Französisch erhielt er die Höchstpunktzahl, im schriftlichen Teil 15 von 20 Punkten.
Heute möchte Nikita im Bereich internationale Beziehungen arbeiten. „Warum nicht bei der UN?“, sagt der 18-Jährige gegenüber „L’Indépendant“. Er entschied sich nach dem Abitur für ein Studium an der Sciences Po Grenoble, nachdem es für Sciences Po Paris trotz seiner hervorragenden Leistungen nicht gereicht hatte.
Rückblickend zeigt sich Nikita bescheiden: Seine Erfolge seien „nichts Außergewöhnliches“, betont er gegenüber „L’Indépendant“.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hatten im Jahr 2024 rund 29 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte. Als Einwanderungsgeschichte gilt, wenn die Person selbst oder beide Elternteile seit dem Jahr 1950 nach Deutschland eingewandert sind. Weitere zwölf Prozent der Schüler hatten ein eingewandertes Elternteil, während 59 Prozent keine Einwanderungsgeschichte aufwiesen.
Der Anteil an Schülerin mit Einwanderungsgeschichte ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: 2019 lag er noch bei 26 Prozent, innerhalb von fünf Jahren nahm er damit um drei Prozentpunkte zu. Deutlich geringer ist der Anteil bei den Lehrkräften. Hier hatten elf Prozent im Jahr 2024 eine Einwanderungsgeschichte, 2019 waren es noch neun Prozent.