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„Ziehen den Gästen Schnitzel vom Teller”: Kölner Gastronomen klagen über Bettler in der Innenstadt

Дата публикации: 13-07-2026 16:47:00

Kölner Gastronomen beklagen eine zunehmende Belastung durch aufdringliches Betteln vor Restaurants. Eine Gastronomin berichtet, dass Gäste „20, 30 Mal an einem Abend” angesprochen werden.

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Kölner Gastronomen beklagen eine zunehmende Belastung durch aufdringliches Betteln vor Restaurants. Eine Gastronomin berichtet, dass Gäste „20, 30 Mal an einem Abend” angesprochen werden.

Dortmund will Betteln vor Restaurants verbieten. In Köln eskaliert die Lage: Gastronomen beklagen eine zunehmende Verwahrlosung und immer dreistere Bettelei.

Bei „Oma Kleinmann“ ist es mittlerweile ein tägliches Drama: Bettelnde, die Gäste direkt am Tisch beim Speisen ansprechen. Maureen Wolf, die Chefin des Lokals im Zülpicher Viertel, schildert die Situation gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ so: „War es früher so, dass zweimal am Abend gebettelt wurde, passiert das mittlerweile 20, 30 Mal an einem Abend, dass unsere Gäste angesprochen werden: Das sind stark alkoholisierte Menschen, kranke Menschen, die sehr dreckig sind und sehr penetrant.“

„Bleiben lange stehen“: Lokal-Chefin über Bettler vor Restaurants

„Sie gehen nicht nur vorbei und fragen kurz, sondern bleiben lange stehen, ziehen den Gästen ein Schnitzel vom Teller. Darunter gibt es auch professionalisierte Bettler und solche mit Musikinstrumenten, die große Freude daran haben, zu nerven und auf Konfrontationskurs zu gehen“, erklärt Wolf weiter. Sie wisse natürlich, dass so etwas in einer Metropole zu einem gewissen Teil normal sei.

Einem Verbot für Bettelei im Fünf-Meter-Radius um Außenbereiche, wie es in Dortmund für ein Testjahr angedacht ist, sieht Wolf mit Skepsis. Vor allem bei der praktischen Durchsetzung. Ein solches Verbot ist für Kölner Terrassen aktuell nicht vorgesehen, obwohl aufdringliches Betteln laut Stadtordnung schon lange verboten ist. „Ich weiß nicht, wie man das kontrollieren sollte“, meint Wolf. Sie ist überzeugt, dass vereinzelte Kontrollen nicht ausreichen würden, da sie einen „massiven Anstieg“ von Bettelnden in der Umgebung ihres Restaurants feststellt.

Maureen Wolf engagiert sich für Obdachlose

Die Zumutbarkeitsgrenze sei aber definitiv überschritten, wenn wohnungslose Menschen nachts auf ihrer Terrasse lagern, Exkremente zurücklassen und die Kundschaft während des Betriebs belästigen. „Diese Menschen haben offenkundig massive Probleme. Wenn ich schon mal etwas Essen herausgebe oder Getränke, was wir zuletzt gemacht haben, als es so heiß war, dann kommen sehr viele Bedürftige.“ Sie engagiert sich sogar, indem sie monatlich für Obdachlose am Hauptbahnhof eine Mahlzeit zubereitet.

Als Wirtin sehe sie sich jedoch in erster Linie in der Verantwortung, ihre Kundschaft zu beschützen. „Wenn ich die Bettler darum bitte, zu gehen, ist das den Gästen häufig sichtlich unangenehm. Sie sind meistens bemüht und mitleidig. Meine Sorge ist, dass so ein Erlebnis nachwirkt und sie nächstes Mal woanders hingehen zum Essen.“

Die Lage sei ebenfalls für das Personal eine große Last. „Mittlerweile besprechen wir vor Dienstbeginn, wer heute zuständig ist und wer sich kümmert, wenn aggressiv gebettelt wird. Nicht alle trauen sich zu, einzugreifen und zu deeskalieren. Manche möchten das nicht machen.“

Drogenszene in Köln verschiebt sich

Wolf hat von anderen Wirten aus Ehrenfeld erfahren, dass die Drogenszene sich teilweise dorthin verschoben hat. Die vom Neumarkt abgewanderte Drogenproblematik macht sich auch am Friesenplatz für die Gastronomiebetriebe stark bemerkbar. So leide zum Beispiel das „Kaffeesaurus“ extrem unter den Abhängigen, berichtet Maike Block von der Interessengemeinschaft Gastronomie. Laut Block ist das Betteln schon seit langer Zeit ein Gesprächsthema bei den Wirten.

„Mittlerweile haben wir alle sieben Minuten einen Bettler“

Auch der Gastwirt Geert Dilien stellt eine massive Zuspitzung der Situation fest. Er führt das „Gilden im Zims“ sowie das „Servus Alpinia“ in der Altstadt und ist zudem Gesellschafter im „Gumo“ an der Limburger Straße beim Friesenplatz. „In den letzten drei Monaten ist das Problem am Friesenplatz extrem gewachsen. Durch den Zirkus Roncalli und das Weinfest am Neumarkt hat sich die Drogenszene verlagert. Das sind suchtkranke Menschen, die Teil unserer Gesellschaft sind, die kann man nicht ausradieren“, so Dilien.

Lediglich in Deutz sei dieses Problem nicht vorhanden. “Am Friesenplatz haben wir aber sehr gute Unterstützung durch die Polizei, die regelmäßig vorbeikommt. Nur deswegen haben wir darauf verzichtet, extra einen Sicherheitsdienst zu beauftragen.“ Dilien ist kein Befürworter von Geldstrafen. „Diese Menschen haben nichts, das würde sie nicht abschrecken.“

Früher sei am Heumarkt vielleicht einmal pro Stunde an den Tischen um Geld gebeten worden. „Mittlerweile haben wir alle sieben Minuten einen Bettler. Wir sind sehr streng und bitten sie weiterzugehen oder sagen, dass die Gäste Angst haben. Zum Glück sind sie selten aggressiv.“ Der Anblick von teilweise stark verdreckten Personen, mitunter mit offenen, entzündeten Beinen, sei für die Gäste zudem abstoßend.

Organisierte Bettelei: Altstadt-Wirtin berichtet von dreisten Maschen

Auf ihrer Terrasse seien weniger Drogenabhängige und Obdachlose das Problem, sondern vielmehr Bettelnde, die vorgeben, taubstumm zu sein oder Rosen anbieten – und dafür dann eine Gegenleistung fordern, erzählt die Wirtin Sylvia Fehn-Madaus vom „Em Krützche“ in der Altstadt. „Am Wochenende und an Feiertagen ist die Bettelei extrem. Manche verteilen Figürchen, und als ich einmal eines von einem unserer Tische heruntergeworfen habe, reagierte der Bettler ziemlich aggressiv“, berichtet Fehn-Madaus.

Die Schwierigkeiten treten vor allem in der wärmeren Jahreszeit auf, wenn die Außenbereiche voll sind und zahlreiche Touristen die Stadt besuchen. „Einige Gäste haben ein großes Herz und geben was, andere sehen nicht ein, dass sie damit die organisierten Strukturen nähren. Dass Wohnungslose vom Bahnhof hierhin kommen, ist aber seltener.“

Seitdem die Halbstunden-Regelung für Straßenmusiker existiert, habe sich die Situation mit den Musik-Combos etwas gebessert, so die Gastronomin.

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