Nach dem aufsehenerregenden Rotorblatt-Absturz im Windpark Aalen-Waldhausen stehen alle Windräder still. Was die Experten jetzt herausfinden wollen.
Stand: 07.07.2026, 07:41 Uhr
Von: Bea Wiese

Nach dem aufsehenerregenden Rotorblatt-Absturz im Windpark Aalen-Waldhausen stehen alle Windräder still. Was die Experten jetzt herausfinden wollen.
Aalen-Waldhausen. Die Windräder bei Waldhausen stehen still. Am Sonntag hat sich dort ein seltener Vorfall ereignet: Gegen 14 Uhr löste sich einer von drei „Flügeln“ eines Windrads in 100 Metern Nabenhöhe und stürzte direkt neben dem Stahlturm in die Tiefe. Verletzt wurde niemand.

Sämtliche Zufahrtswege zum sieben Anlagen großen Windpark sind abgesperrt. „Die Sicherheit der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität“, heißt es von der Betreiberfirma Statkraft in Düsseldorf. Statkraft habe sofort nach Bekanntwerden den Technischen Betriebsführer zum Anlagenstandort geschickt, um die Situation vor Ort und erforderliche Maßnahmen zu prüfen, berichtet Statkraft-Pressesprecher Roman Goodarzi.
Die Polizei, die Ortschaftsverwaltung Waldhausen, Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting und das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde seien informiert worden. Am Montagmorgen ist ein Team aus Technikern vor Ort. Sie sammeln Glasfasersplitter ein, die auf dem Gelände verstreut sind und beginnen mit der Prüfung der Ursache für die Havarie.

Alle sieben Windräder stehen still. Sechs Räder – inklusive des beschädigten – wurden am Sonntag direkt nach dem Vorfall aus Sicherheitsgründen vorsorglich automatisch abgeschaltet. Das siebte Rad kann aus technischen Gründen laut Statkraft nicht ferngesteuert werden, sondern wurde manuell am Montag gegen 11 Uhr aus dem Betrieb genommen.
Ein Team aus Gutachterinnen und Gutachtern eines unabhängigen Ingenieurbüros, ein Sachverständiger für Windkraft und Vertreter des Landratsamtes betreiben Ursachenforschung. War es Materialermüdung? Oder ein technischer Defekt? Oder gab es einen anderen Grund, der dazu führte, dass sich das Rotorblatt an dem 19 Jahre alten Windrad löste? Zum jetzigen Zeitpunkt könne man keine Angaben machen; es sei eine komplexe Prüfung und bis zum Abschlussgutachten werde es wohl mehrere Wochen dauern, so Pressesprecher Goodarzi. „Wir werden gesicherte Erkenntnisse kommunizieren, sobald sie uns vorliegen.“
Die Firma Statkraft hat den Windpark im Jahr 2021 übernommen. Die Windenergieanlagen unterlägen einem „strikten Wartungsplan nach Herstellervorgaben und den gesetzlichen Bestimmungen“. „Zwei Mal im Jahr führen zertifizierte Fachfirmen eine Wartung durch, und alle zwei Jahre werden Gutachten zur Standsicherheit, zu Material, Struktur und zum allgemeinen Zustand erstellt“, beschreibt Pressesprecher Goodarzi. Am 21. Januar 2026 sei das jüngste sogenannte "Weiterbetriebsgutachten" erstellt worden, das die Standsicherheit und Materialtauglichkeit der Anlagen im Windpark nachgewiesen habe.
Waldhausens Ortsvorsteher Patriz Gentner hat am Montag aus der Ortschaftsverwaltung von dem Vorfall erfahren. Anfragen aus der Bürgerschaft gab es bis dahin nicht. Die Aussage von Statkraft, dass die Anlagen regelmäßig gewartet und überprüft würden, halte er für vertrauenswürdig und verlässlich, sagte Gentner sinngemäß der Redaktion. Seines Wissens nach seien in den letzten Jahren "keine Mängel festgestellt worden".
Statkraft betreibt nach eigenen Angaben mehr als 50 Windparks unterschiedlicher Größe in ganz Deutschland. Dass sich ein Rotorblatt löst – „so etwas ist bei uns noch nie vorgekommen“, sagt der Pressesprecher. Es gebe Windenergieanlagen in Deutschland, „die laufen weit über 30 Jahre“.
Die sieben Windräder bei Aalen-Waldhausen wurden 2006/2007 gebaut. Rechnerisch liefern sie 14 Megawatt Strom für 6000 Haushalte. Im Jahr 2024 hatte Statkraft im Ortschaftsrat Waldhausen Pläne für eine Erneuerung im Sinne einer Modernisierung – im Jargon heißt es „Repowering“ - vorgestellt. Dazu müssten die Windräder komplett, inklusive Fundament, abgerissen werden; Statkraft spricht von „geordnetem Rückbau“ und neuem Aufbau bis etwa 2029. Mit sechs statt sieben neuen, zeitgemäßen Windrädern könnten dann 43 Megawatt Strom erzeugt und 25.000 Haushalte versorgt werden. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht.
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