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Die Abnehmpille im Überblick: Wirkung, Studien und Risiken

Дата публикации: 03-07-2026 04:25:24

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat die Abnehmpille mit Semaglutid genehmigt. Erfahren Sie, wie das Medikament wirkt, welche Nebenwirkungen auftreten können und welche Fragen noch ungeklärt sind.

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Was sich hinter der Abnehmpille verbirgt

Krankhaftes Übergewicht gilt längst als großes Problem in Deutschland. Welche Chancen liegen in der sogenannten Abnehmpille? Wie wirkt sie, was unterscheidet sie von der Abnehmspritze und was sind mögliche Nebenwirkungen? Ein RiffReporter-FAQ.

Hand vor schwarzem Hintergrund: Zeigefinger und Daumen halten Tablette in der Hand.

Zur Abnehmspritze könnte es in der EU bald eine Alternative geben – eine Tablette

Was ist die Abnehmpille und wie wirkt sie?

Bei der Behandlung von Adipositas mit der sogenannten Abnehmspritze Wegovy setzt man auf den Wirkstoff Semaglutid. Doch nicht jeder möchte sich regelmäßig eine Spritze geben. Deshalb haben Hersteller an einer Tablettenform des Wirkstoffs gearbeitet, die das Abnehmen künftig einfacher machen könnte.

Zwar gibt es Semaglutid schon länger in Tablettenform, allerdings wird es hierzulande bisher zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt. Die auf Diabetiker:innen abgestimmte Tablette enthält den Wirkstoff in niedrigeren Dosierungen. Zwar verlieren auch Patient:innen unter der Diabetestherapie Gewicht, dieser Effekt ist jedoch geringer als in den Studien mit den neuen, höher dosierten Tabletten zur Behandlung von Adipositas.

In Studien zur oralen Semaglutid-Form zur Behandlung von Adipositas wurde eine tägliche Dosis von bis zu 50 mg untersucht und enthielt damit deutlich mehr Wirkstoff als die wöchentliche Injektion mit 2,4 mg. Über eine Woche summiert sich das auf 350 mg Semaglutid – gegenüber 2,4 mg. Der scheinbare Widerspruch ist leicht zu erklären: bei einer Tablette kann nur ein kleiner Teil des Wirkstoffs über den Darm aufgenommen werden. Die höhere Dosierung gleicht diese geringe Bioverfügbarkeit aus.

Semaglutid ist ein Arzneistoff, der das körpereigene Darmhormon GLP-1 nachahmt. Er sorgt dafür, dass man sich länger satt fühlt und weniger Hunger hat. Dadurch fällt es vielen Menschen leichter, weniger zu essen.

Wann ist das Medikament in Deutschland verfügbar?

Die Abnehmpille des dänischen Herstellers Novo Nordisk könnte bald in der EU verfügbar sein. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich am 22. Mai 2026 für eine Zulassung des Medikamentes ausgesprochen. Nun muss die Europäische Kommission innerhalb von 67 Tagen die offizielle EU-Zulassung erteilen.

Sobald diese vorliegt, entscheiden die einzelnen Mitgliedstaaten über die nationalen Details wie etwa Markteinführung und Preisgestaltung. Mit einem Verkaufsstart in deutschen Apotheken wird noch im Jahr 2026 gerechnet. In den USA ist die Semaglutid-Tablette zur Behandlung von Adipositas unter dem Markennamen Wegovy seit Anfang Januar 2026 erhältlich. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hatte das Präparat Ende Dezember 2025 zugelassen.

Gibt es bald weitere Tabletten zum Abnehmen auf dem Markt?

Für das US-amerikanische Produkt Foundayo des Herstellers Eli Lilly läuft derzeit das europäische Prüfverfahren. Der Wirkstoff hier ist Orforglipron, ein nicht-peptidischer GLP-1-Rezeptoragonist. Anders als orales Semaglutid braucht es keinen Zusatzstoff, der die Aufnahme im Körper verbessert. Zudem scheint die Einnahme für Patient:innen einfacher zu sein: Nach bisherigen Studien muss es nicht nüchtern eingenommen werden.

In klinischen Studien zeigte Orforglipron bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas – je nach Dosierung – eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von etwa 9 bis 12 Prozent. Zum Vergleich: Orales Semaglutid wird derzeit in Deutschland ausschließlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt und führt dort ebenfalls zu einer Gewichtsabnahme, allerdings in geringerem Ausmaß. Ein direkter Vergleich zwischen beiden Präparaten ist jedoch nur eingeschränkt möglich, da sich die Studien hinsichtlich Patientengruppen, Dosierungen und Behandlungsziel unterscheiden.

Für wen ist die Abnehmpille geeignet?

Auch wenn der Hype in den sozialen Medien etwas anderes vermuten lässt: Medikamente zur Gewichtsreduktion sind keine Lifestyle-Medikamente. Sollte die Abnehmpille zugelassen werden, wird sie voraussichtlich – ähnlich wie die bereits verfügbaren Abnehmspritzen – für Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²) oder mit Übergewicht (BMI ≥ 27 kg/m²) und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung infrage kommen. Die endgültigen Anwendungsgebiete ergeben sich jedoch erst aus der behördlichen Zulassung. Anders als die Spritze, die ab 12 Jahren erhältlich ist, sind die verschreibungspflichtigen Tabletten nur Erwachsenen vorbehalten.

Die Abnehmpille ersetzt keinen gesunden Lebensstil. Sie ist wie die Spritze als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und regelmäßiger Bewegung gedacht und entfaltet ihre Wirkung am besten im Rahmen eines umfassenden Behandlungsprogramms. Zur Behandlung von Adipositas wurden die Semaglutid-Tabletten in großen Studien ausdrücklich zusammen mit Lebensstilinterventionen getestet.

Welche Vorteile haben Semaglutid-Tabletten?

Semaglutid-Tabletten bieten vor allem den Vorteil, dass keine wöchentliche Selbstinjektion erforderlich ist. Damit könnte die Therapie für mehr adipöse Personen als zuvor in Frage kommen. Die Einnahmeregeln sind im Vergleich zur Spritze strikter: Patient:innen müssen die Tablette jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen auf nüchternen Magen einnehmen. Sie dürfen erst 30 Minuten später etwas essen oder trinken. Die Injektion wird nur einmal wöchentlich verabreicht. Dadurch steigt bei den Semaglutid-Tabletten das Risiko, die Einnahme im stressigen Alltag schlichtweg zu vergessen und damit den Medikationsplan nicht einzuhalten.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Wie die Abnehmspritze können auch Semaglutid-Tabletten Nebenwirkungen verursachen. Am häufigsten treten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder Erbrechen auf – insbesondere zu Beginn der Behandlung oder während der schrittweisen Dosiserhöhung. Das Sicherheitsprofil von Semaglutid in Tablettenform ist insgesamt vergleichbar mit der Injektion, da beide denselben Wirkstoff nutzen.

In klinischen Studien zur Abnehmspritze traten bei etwa 70 bis 75 % der Teilnehmenden mindestens eine gastrointestinale Nebenwirkung auf, wobei die Werte je nach Studie und Definition leicht variieren. Besonders häufig waren Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Bei der wöchentlichen Injektion (2,4 mg Semaglutid) berichteten in großen Zulassungsstudien etwa 44 % der Teilnehmenden über Übelkeit, bei der oralen hochdosierten Form lagen die Raten in ähnlichen Bereichen.

In beiden Fällen waren die Beschwerden meist mild bis moderat und traten überwiegend während der Dosissteigerung auf. Zu anderen Effekten lassen sich laut Forschenden derzeit noch keine Aussagen treffen. Viel Studien laufen noch, die Langzeiteffekte, -wirksamkeit und -sicherheit sind daher noch unklar.

Wie aussagekräftig sind die Studien – und wer übernimmt die Kosten?

Die Autor:innen des sogenannten Cochrane-Reviews bewerten die Evidenz zur Gewichtsabnahme mit Semaglutid grundsätzlich als überzeugend. Gleichzeitig weisen sie auf folgende Einschränkungen hin: Die Mehrzahl der ausgewerteten Studien wurden vom Hersteller des Medikaments finanziert oder mit durchgeführt, was das Risiko von Interessenkonflikten erhöht. Zudem stammen die Teilnehmenden überwiegend aus Ländern mit mittleren oder hohen Einkommen und waren meist weißer oder asiatischer Herkunft. Daher ist aktuell unklar, ob sich die Ergebnisse uneingeschränkt auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen.

Ein weiterer Punkt könnte in Zukunft interessant werden: Tabletten sind langfristig einfacher und kostengünstiger herzustellen sowie zu lagern als Injektionspens. Ob sich dies tatsächlich in niedrigeren Preisen für die Patient:innen niederschlägt, ist derzeit jedoch offen.

In Deutschland werden Medikamente zur Gewichtsreduktion von den gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich nicht erstattet (§ 34 SGB V), auch wenn sie verschreibungspflichtig sind. Ein Gericht bestätigte dieses Jahr erst wieder die Rechtsauffassung der Kassen und sieht die Abnehmspritze als „Lifestyle-Medikament“ – und das nicht zum ersten Mal. Ob dies künftig auch für Semaglutid-Tabletten gelten wird, hängt von der jeweiligen Zulassung und den geltenden Erstattungsregelungen ab.

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