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Männliche Gewalt: Ein strukturelles Problem

Дата публикации: 05-07-2026 13:00:25

Die Sozialisierung als Mann kann Gewalt begünstigen. Viele scheinen das noch immer nicht wahrhaben zu wollen. Gerade deshalb braucht es mehr frühzeitige Prävention – doch Deutschland spart am Fundament.

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Gewalt hat ein Geschlecht – und es ist meist männlich

Die Sozialisierung als Mann kann Gewalt begünstigen. Viele scheinen das noch immer nicht wahrhaben zu wollen. Gerade deshalb braucht es mehr frühzeitige Prävention.

Der Ausschnitt der unteren rechten Gesichtspartie eines unbekannten Mannes im Schatten vor weißem Hintergrund.

Männliche Gewalt ist ein strukturelles Problem. Damit frühzeitige Prävention funktioniert muss es gesamtgesellschaftlich als solches anerkannt werden.

Am vergangenen Montag sorgte die Tat in Stade, bei der sechs Sozialarbeiterïnnen in einer Mutter-Kind-Einrichtung getötet wurden, bundesweit für Entsetzen. Der mutmaßliche Täter ist ein 45 Jahre alter Mann, dessen Motiv ein Sorgerechtsstreit um seine drei Monate alte Tochter gewesen sein soll, die sich zum Tatzeitpunkt mit ihrer Mutter in der Einrichtung befand.

In einer Trauerandacht für die Opfer in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade am Dienstagabend sagte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD): „Das Böse“ dürfe niemals siegen. Damit wählte Lies eine Formulierung, die ein wenig so klingt, als würde es sich dabei um eine unsichtbare Macht handeln, die überraschend von jedem und jeder Besitz ergreifen könnte. Dabei scheint sie doch in der Realität auffallend oft in männlicher Gestalt aufzutreten.

Davon wissen wollen einige Geschlechtsgenossen jedoch noch immer nichts, wie etwa kürzlich der Komiker Dieter Nuhr bei einem Auftritt in seiner ARD-Sendung bewies. Die Wahrscheinlichkeit, bei 300 bis 350 Femiziden pro Jahr auf einen Frauenmörder zu treffen sei „praktisch null“, sagte er. Rein mathematisch betrachtet richtig. Noch unwahrscheinlicher ist es allerdings als Mann von einer Frau getötet zu werden. Allein das sollte ausreichen, um die männliche Gewalt als strukturelles Problem anzuerkennen.

Und obwohl es sich bei dem Fall in Stade nicht um einen Femizid gehandelt haben mag, offenbart doch auch diese Tat einmal mehr die ungleiche Verteilung des „Bösen“ und die patriarchale Prägung, die männlicher Gewalt zugrunde liegt: ein starkes Kontrollverlangen, das Gefühl über allem zu stehen, das Ausblenden von Konsequenzen und eine unregulierte Reaktion auf eine Situation, die als Unrecht wahrgenommen wird.

Vielleicht aber hätte Nuhrs Aussage gar nicht für so viel Aufruhr gesorgt, wenn er nicht die Empfehlung nachgeschoben hätte, dass es für Frauen „zur Sicherheit nicht schlecht wäre, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“ Das ist nicht nur Victim Blaming, es ist auch realitätsfern, wenn man bedenkt, dass eine Trennung der häufigste Auslöser von Femiziden ist.

Doch in den beiden Aussagen versteckt sich auch ein Widerspruch. So wird die Verantwortung einerseits vom Täter weg argumentiert und damit eine stärkere Identifikation mit ihm als mit dem Opfer suggeriert. Mit dem Hinweis auf die Unwahrscheinlichkeit einem frauenmordenden Mann zu begegnen, wird wiederum versucht, sich stärker vom Täter im nahen Umfeld abzugrenzen. Hauptsache es entstehen weder mit dem Opfer noch mit dem Täter Berührungspunkte oder gar eine Solidarität.

In anderer Form begegnet uns dieser Abgrenzungsmechanismus häufig, wenn krampfhaft nach anderen ausschlaggebenden Merkmalen als dem Geschlecht gesucht wird, vorzugsweise Herkunft, Migrationshintergrund oder politische Einstellung.

Es erscheint nachvollziehbar, keine Gemeinsamkeiten mit einem Täter aufweisen zu wollen. Besonders, wo doch das Dasein als weißer Mann lange kaum andere Gemeinsamkeiten kannte als Führungskompetenz, Körperkraft und eine Vorliebe für Autos.

Nun, wo es nicht mehr nur vorteilhaft ist, ein Mann zu sein, wollen einige von männlichen Gemeinsamkeiten nichts mehr wissen. Wer jedoch in dieser Gesellschaft aufwächst, wird zwangsläufig auch weniger positive Gemeinsamkeiten, so klein sie auch sein mögen, mit Menschen finden, die im gleichen Geschlecht sozialisiert wurden.

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