Über 10.000 Zuschauer werden in Aalen erwartet: Die besten Sprinter fahren beim Mountainbike-Weltcup um den Sieg. Veranstalter Steffen Thum im Interview.
Stand: 09.07.2026, 21:49 Uhr
Von: Alexander Haag

Über 10.000 Zuschauer werden in Aalen erwartet: Die besten Sprinter fahren beim Mountainbike-Weltcup um den Sieg. Veranstalter Steffen Thum im Interview.
Aalen. Die weltbesten Mountainbiker reisen an, und die wollen Tausenden Zuschauern ein Spektakel bieten. Bereits zum fünften Mal duellieren sich die Sprinter am Samstag (11. Juli) in den schmalen Gassen der Aalener Innenstadt. Zu den Favoriten gehören erneut die Fahrer des Aalener Racingteam. Steffen Thum ist sowohl dessen Teamchef als auch Veranstalter des Radrennens. Im Interview spricht der 41-Jährige über den Weltcup, neue Hindernisse und darüber, dass „wir hier nicht nur ein Rennen für Profis veranstalten“.
Herr Thum, Sie sagten vor knapp einem Jahr, dass „es nicht reicht, immer nur einen Abklatsch des Vorjahres zu machen“. Bietet der Weltcup am Wochenende Neues?
Steffen Thum: Ja, definitiv. Stillstand war noch nie mein Anspruch. Seit über 20 Jahren treibt mich der Wunsch an, Dinge zu bewegen und weiterzuentwickeln. Früher als Profi, heute als Eventveranstalter und ganz grundsätzlich als Mensch. Wer nur kopiert, bleibt stehen. Deshalb hinterfragen wir uns jedes Jahr und entwickeln den Weltcup konsequent weiter. Das gelingt allerdings nur gemeinsam. Große Erfolge entstehen als #oneTEAM, in dem jeder Einzelne zählt und seinen Beitrag einbringt.
Was haben Sie und Ihr Team für den fünften Weltcup in Aalen verändert?
Thum: Den im vergangenen Jahr veränderten Streckenverlauf behalten wir bei, er hat sich bewährt. Auf der Strecke gibt es aber einige Neuerungen, gerade am Gmünder Torplatz. Dort gibt es neue Videowände, extra Bereiche für die Fanclubs der Fahrer. Und ein neues, spektakuläres Hindernis: der sogenannte ID-Jump.
Auf wie viele Hindernisse dürfen sich die Zuschauer am Samstag freuen?
Thum: Insgesamt sind es auf der 680 Meter langen Strecke in der Innenstadt fünf Hindernisse aufgebaut: Das „Kratky-Stadion“ beim Marktbrunnen, die „Geiger-Welle“ und das „USA-Hindernis“ beim Gaulbad, der „ID-Jump“ in der Kreissparkassen-Arena beim Gmünder Torplatz und die „Lotto-Wellen“ bei der Jäger-Apotheke.
Es gibt immer wieder Kritik an einem Radrennen mitten in den engen Gassen der Innenstadt.
Thum:Ja, aber wir machen hier keinen Weltcup nur für die Profis. Ich verfolge einen anderen Ansatz: Ich möchte in Aalen etwas bewegen, und das schaffen wir nicht, wenn wir durch die Bäume am Aalbäumle fahren. Wir bringen den Radsport zu den Menschen. Und der Erfolg gibt uns recht. Wir haben es geschafft, dass legale Trails rund um Aalen gebaut wurden. Wir haben Mobilitätshaltestellen realisiert, den Ostalb-Giro ins Leben gerufen. Und wir haben es geschafft, dass Schulen hier das Fahrradfahren in den ganz normalen Lehrplan aufgenommen haben. Und das ist nicht alles.
Was haben Sie sonst in den vergangenen Jahren erreicht?
Thum:Wir haben Forst-Baden-Württemberg ins Boot geholt, das keineswegs selbstverständlich. Und wir bringen am Tag vor dem Weltcup rund 700 Kinder aufs Fahrrad.
Beim „Kids-Day“ zum Weltcup. Wie wichtig ist Ihnen dieses Event am Vortrag?
Thum: Für mich dieser Tag genauso spektakulär. Wir haben am Freitag (10. Juli) die Straße zwischen dem ZOB und dem Sparkassenplatz sperren lassen, damit die Kinder noch mehr Platz auf dem Übungsparcours mit den Hindernissen haben. Es gibt Food-Trucks, und im Anschluss spielt ein DJ.
Zurück zum Weltcup am Samstag: Sie sind nicht nur der Veranstalter, sondern auch Teamchef des Aalener Racingteams. Was erwarten Sie von Ihren Fahrern?
Thum: Dass sie einen sportlich fairen Wettkampf abliefern.
Bei allem Respekt: Damit allein sind Sie doch nicht zufrieden?
Thum: Ja, voll zufrieden bin ich, wenn wir bei den Männern und Frauen jeweils einen Fahrer aufs Podium bringen.
Bei den Frauen kann das nur Marion Fromberger sein.
Thum:Stimmt, sie ist unsere einzige Frau. Und ihr traue ich das natürlich zu. Marion ist eine absolute Siegfahrerin, sie ist top in Form und inzwischen sehr erwachsen. Wenn sie in Aalen den nächsten Erfolg einfährt, ist das auch ein weiterer Schritt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.
Das Racingteam hat zudem vier Männer am Start.
Thum: Allen voran unser Lokalmatador und Publikumsliebling Simon Gegenheimer. Ich sage nicht, dass er der Topfavorit am Samstag ist, aber er ist ein Siegfahrer und kann in Aalen gewinnen. Edvin Lindh ist eine Powermaschine. Ob er gewinnen kann, ist fraglich, weil der Kurs in Aalen sehr taktisch ist. Dann Noyola ist ein wilder Typ. Auch vom mexikanischen Meister können wir viel erwarten.
Bleibt noch Titouan Perrin-Ganier als amtierender Weltmeister.
Thum: Er ist aktuell unser hochkarätigster Fahrer, und er ist neben Jakob Klemencic sicherlich der Topfavorit fürs Rennen in Aalen. Ihm würde ich den Sieg besonders gönnen, weil er nie wieder Weltmeister werden kann. Und für alle Fans: Wer ein Selfie mit dem derzeit besten Mountainbiker machen will, der ist bei Titouan richtig.
● Freitag, 10. Juli:
ab 8.30 Uhr: Schüler auf der Strecke
ab 13.30 Uhr: Kinder auf der Strecke
17 Uhr: Pressekonferenz mit Autogrammstunde auf dem Kreissparkassenplatz
● Samstag, 11. Juli:
13.45 Uhr: Offizielles Training
ab 16.30 Uhr: Achtelfinals
ab 18.15 Uhr: Finals
ab 19 Uhr: After-Show-Party mit DJ auf dem Gmünder Torplatz
Wie meinen Sie das?
Thum: Für Titouan ist der Weltcup in Aalen das letzte große Rennen. Der siebenfache Weltmeister wird künftig nicht mehr auf höchstem Niveau Rennen fahren und seine große Karriere beenden.
Dann verlässt er auch das Aalener Team?
Thum: Nein, Titouan wird immer Teil von uns bleiben. Mit seiner Erfahrung kann er uns helfen, den Radsport weiterzuentwickeln. In welcher Position, das werden wir dann sehen.
Beim Weltcup am Samstag werden hochsommerliche Temperaturen um 30 Grad erwartet.
Thum:Die Fahrer sind Profis, die müssen damit zurechtkommen. Zumal wir sie ja auch in Abu Dhabi fahren lassen, da hat es tagsüber teilweise 46 Grad. Den Zuschauern empfehle ich, dass sie viel trinken. Wir haben auch viele Schirme und Sonnensegel. Der Sparkassenplatz ist fast vollständig im Schatten.
Sie sind auch vor dem fünften Weltcup in Aalen noch voller Tatendrang.
Thum: Natürlich. Ich möchte Aalen wieder eine große zweitägige Party bieten. Und ich kann jetzt schon sagen, dass es auch 2027 wieder einen Weltcup in Aalen geben wird.
Steffen Thum (41) ist Teamchef des Aalener Racingteams und Geschäftsführer der Firma LTE in Paris, die den Weltcup in Aalen veranstaltet. Als aktiver Mountainbiker war Steffen Thum zweimal Weltcup-Gesamtsieger (2012, 2015).
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