Die AfD verspricht Sachsen-Anhalt einen radikalen Neustart. Doch ihr 100-Tage-Programm bietet für die konkreten Probleme des Landes kaum Lösungen.
Das 100-Tage-Programm der AfD in Sachsen-Anhalt soll nach Tatkraft klingen. Nach Aufbruch. Nach dem großen Schnitt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will den Eindruck vermitteln: Ein Regierungswechsel reicht, und das Land funktioniert wieder.
So einfach ist es nicht.
Die AfD will Rundfunkstaatsverträge kündigen, Abschiebungen forcieren, Asylbewerber zur Arbeit verpflichten, Förderprogramme streichen und Regenbogenflaggen aus Schulen verbannen. Aus „#moderndenken“ soll „#deutschdenken“ werden. Das Deutsche Reich und das 19. Jahrhundert sollen im Geschichtsunterricht mehr Raum bekommen.
Das Programm trägt deutliche nationalistische Züge. Die Botschaft ist ziemlich eindeutig: Das Land müsse sich vor allem auf das vermeintlich Eigene besinnen, dann werde vieles besser. Nur was genau?
Kein Bus fährt häufiger, wenn Sachsen-Anhalt künftig unter dem Slogan „#deutschdenken“ vermarktet wird. Keine Schule findet einen zusätzlichen Lehrer, weil dort keine Regenbogenflagge mehr hängen darf. Und kein mittelständischer Betrieb besetzt eine freie Stelle, weil Schüler mehr über das Deutsche Reich lernen.
Sachsen-Anhalt hat andere Probleme. Das Land verliert Einwohner und Fachkräfte. Viele Kommunen kämpfen mit knappen Kassen. Die Wege zur Arbeit, zum Arzt oder zur Berufsschule sind lang. Junge Menschen kehren dem Bundesland den Rücken, weil sie anderswo bessere Chancen sehen.