Die Stationierung von Atomwaffen im Weltraum ist untersagt, kontrollieren lässt sich das aber nicht. Nun gibt es einen Vorschlag, wie das geändert werden kann.
Ein Nuklearwissenschaftler und Ingenieur aus den USA hat angeblich eine Methode gefunden, mit der sich herausfinden lässt, ob ein Satellit eine Atomwaffe an Bord hat. Das berichtet das Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo Areg Danagoulian forscht. Demnach basiert das Konzept auf einem Sensor der Größe einer „großen Enzyklopädie“, der Satelliten etwa eine Woche aus einer Entfernung von maximal 4000 Metern ins Visier nehmen müsse. Dann könne er mit 99-prozentiger Sicherheit ermitteln, ob die eine Atombombe an Bord haben. Aus einer Distanz von maximal 1000 Metern würde die nötige Beobachtungszeit sogar auf eine Stunde sinken, meint er. Mit solch einem Instrument könnte man endlich die Einhaltung des Weltraumvertrags überprüfen.
Der von Danagoulian vorgeschlagene Sensor soll nach Neutronen suchen, die frei werden, wenn ein energiereiches Proton auf ein Element mit einer hohen Ordnungszahl trifft, also beispielsweise Uran oder Plutonium. Jedes einzelne Proton würde dabei rund 40 Neutronen freisetzen, erklärt er. In der Summe wären das ganz andere Größenordnungen an Neutronen als bei herkömmlichen Satelliten ohne Nuklearwaffen. Die Herausforderung liegt demnach in der Konstruktion des Sensors, der die Neutronen nachweisen und Protonen möglichst ignorieren soll. Zudem muss er die harschen Bedingungen im Weltraum aushalten. Danagoulian hält das aber für lösbar, seine Arbeit sei jedoch lediglich eine Machbarkeitsstudie. Das Konzept müsste noch getestet werden.
Die Stationierung von Atomwaffen im Weltraum ist laut dem Weltraumvertrag verboten, zuletzt gab es aber immer wieder Hinweise darauf, dass Staaten daran arbeiten. Anfang 2024 hat die US-Regierung das Parlament und Verbündete in Europa über russische Fortschritte bei der Entwicklung einer Atomwaffe für den Einsatz im Weltraum informiert. Das MIT verweist zudem auf den russischen Satelliten Kosmos 2553, der 2022 gestartet wurde. Der soll laut Russland Aufklärung aus dem Weltraum betreiben, US-Behörden würden aber davon ausgehen, dass er Komponenten für eine Nuklearwaffe an Bord hat. Die könnte für den Einsatz gegen Satelliten gedacht sein.
Mit der Zündung einer Atomwaffe im Orbit könnte man auf einen Schlag zahlreiche Satelliten zerstören. Damit könnte man nicht nur das Netz aus Starlink-Satelliten schwer beschädigen, das die Erdoberfläche mit Internet versorgt und vor allem im Krieg in der Ukraine seinen enormen strategischen Wert gezeigt hat. Auch Kommunikations- und Aufklärungssatelliten könnten auf diesem Weg aus dem Verkehr gezogen werden. Gleichzeitig würde solch eine Attacke dafür sorgen, dass Teile des Orbits nicht mehr genutzt werden können, die Folgen wären katastrophal. Auch deshalb ist die Stationierung von Atomwaffen untersagt, eine Verschärfung dieser Regeln hatte Russland 2024 aber mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat verhindert.
Danagoulian erinnert noch daran, dass die USA 1962 in 400 km Höhe eine Atombombe gezündet haben, woraufhin viele der damals eingesetzten Satelliten beschädigt wurden oder ausfielen. Sollte es seine Technik ermöglichen, die Einhaltung des Weltraumvertrags zu verifizieren, „wird das Druck auf Staaten ausüben, das Abkommen einzuhalten oder öffentlich zu machen, was sie tun“, gibt er sich überzeugt. Immerhin wüssten sie dann, dass „wir es herausfinden, wenn sie dagegen verstoßen“. Deshalb hoffe er darauf, dass das Konzept sich als durchführbar erweist und umgesetzt werden wird. Die Einzelheiten erklärt er in einem Fachartikel im Forschungsmagazin Nature.
(mho)
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