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Riesige Umstrukturierung bei VW? Der Chef Oliver Blume tritt vor den Aufsichtsrat – und in ganz Deutschland protestieren die Arbeitnehmer

Дата публикации: 09-07-2026 18:26:31

Einmal mehr richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die Autoindustrie: Volkswagen will in Deutschland offenbar 100 000 Stellen streichen und vier Werke schliessen. Eine Sitzung des Aufsichtsrats bringt bislang keine neuen Infos.

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Riesige Umstrukturierung bei VW? Der Chef Oliver Blume tritt vor den Aufsichtsrat – und in ganz Deutschland protestieren die Arbeitnehmer

Einmal mehr richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die Autoindustrie: Volkswagen will in Deutschland offenbar 100 000 Stellen streichen und vier Werke schliessen. Eine Sitzung des Aufsichtsrats bringt bislang keine neuen Infos.

Der grösste Autokonzern Deutschlands dürfte sich in den kommenden Jahren stark verändern.

Der grösste Autokonzern Deutschlands dürfte sich in den kommenden Jahren stark verändern.

Julian Stratenschulte / DPA

Bis zu 100 000 Stellen könnten wegfallen, vier Werke in Deutschland sollen schliessen, ein Konzernumbau droht: Das sind die Eckdaten, die Ende Juni über eine Umstrukturierung des deutschen Autokonzerns Volkswagen an die Öffentlichkeit drangen. Das «Manager-Magazin» hatte zuerst berichtet. Offenbar handelt es sich um ein internes Konzept der Konzernführung um Oliver Blume. VW selbst hat sich bislang nicht zu den Gerüchten geäussert, sondern nur bestätigt, dass der Vorstand «intensiv an einem Plan für die Zukunft» arbeite. Sind die Gerüchte wahr, ist das der radikalste Umbau in der Geschichte der deutschen Autoindustrie.

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Am Donnerstagnachmittag tagte nun in Wolfsburg der VW-Aufsichtsrat. Namentlich die Familien Porsche und Piëch, Repräsentanten aus Katar, die grosse Anteile am Konzern halten, die Arbeitnehmer sowie das Land Niedersachsen. Der Rat wird sich wohl die Ideen des Chefs Oliver Blume angehört und über ihre Umsetzung diskutiert haben. Ein VW-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, es gehe darum, «Überkapazitäten abzubauen». In deutschen Medien war die Rede von der «Woche der Wahrheit».

Auch am Donnerstagabend lieferte der VW-Konzern keine Auskunft über den Ausgang der Sitzung. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Aufsichtsrat aufgrund des grossen Diskussionsbedarfs noch keine definitiven Entscheidungen getroffen hat. Der Fokus richtet sich damit auf die nächste Sitzung des Gremiums, die im September stattfindet.

Oliver Blume.

Oliver Blume.

Reuters

Widerstand im Aufsichtsrat

So oder so steht fest: Für die Angestellten ist die Unsicherheit riesig. Laut den Gerüchten könnte VW in den kommenden Jahren in Deutschland vier Werke schliessen: die VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. In den vier Werken sind insgesamt zirka 40 000 Mitarbeitende beschäftigt. Laut Informationen des «Spiegels» sollen bereits Anfang 2030 die ersten Werke geschlossen werden. VW würde den Werken dann möglichst bald keine neuen Modelle mehr für die Produktion zuweisen, so die Berichte. Ein langsames Ableben also.

Die Gewerkschaft IG Metall rief am Donnerstag anlässlich der Aufsichtsratssitzung zum Protesttag im ganzen Land auf. «Das ist ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!», teilte die IG-Metall-Chefin Christiane Benner mit. An mindestens fünfzehn Konzernstandorten im ganzen Land kam es zu Protestaktionen, auch beim Audi-Werk in Neckarsulm. Die IG Metall macht indes klar, es handle sich um eine «Informations- und Protestveranstaltung», Arbeitsniederlegungen seien keine geplant. Unter anderem in Osnabrück, Neckarsulm, Braunschweig, Stuttgart, Emden, Hannover, Leipzig, München oder Dresden versammelten sich je Dutzende bis mehrere hundert Beschäftigte.

Mitglieder der Gewerkschaft IG Metall protestieren vor dem VW-Hauptsitz in Wolfsburg.

Mitglieder der Gewerkschaft IG Metall protestieren vor dem VW-Hauptsitz in Wolfsburg.

Lisi Niesner / EPA

Am VW-Hauptsitz in Wolfsburg in Niedersachsen kamen Arbeitnehmer vor dem Hochhaus zusammen, wo die VW-Unternehmensführung sitzt. Ob die Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräte am Nachmittag die Angestellten von dort oben beobachten?

Klar ist jedenfalls: Auch an der Aufsichtsratssitzung dürfte es zu grossen Auseinandersetzungen gekommen sein. Denn die Arbeitnehmer sind dort gut vertreten. Und nicht nur die Aufsichtsratsmitglieder der IG Metall sowie die VW-Betriebsräte haben Widerstand gegen die geplante Umstrukturierung angekündigt. Auch das Bundesland Niedersachsen, das mit zwei Sitzen im Aufsichtsrat vertreten ist, lehnt laut Berichten die Werkschliessungen ab. Hinzu kommt, dass die Kapitalseite zurzeit nur mit neun statt zehn Mitgliedern vertreten ist. Die Aufsichtsrätin Susanne Wiegand hatte das Gremium im Juni überraschend verlassen.

Laut deutschen Medien soll Blume im Rahmen des Sparprogramms die Marke VW aus dem Konzernverbund ausgliedern und als eigenständige Marke führen wollen. Eine Ausgliederung würde das Mitspracherecht Niedersachsens bei VW aushebeln. Doch ohne Niedersachsens Zustimmung im Aufsichtsrat wird Blume diese Pläne nicht durchsetzen können. Kommentiert hat der Konzern diese Berichte bis jetzt nicht.

Doppelt so viele Stellen könnten wegfallen

In einer Vereinbarung von Volkswagen mit den Arbeitnehmern von Ende 2024 ist festgehalten, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausgeschlossen würden. Die Vereinbarung garantiert ausserdem den Erhalt der grösseren Werke in Deutschland. Wahrscheinlich ist, dass sich die Gewerkschaft in den Diskussionen auf diese Vereinbarung stützt. Die IG-Metall-Präsidentin Christiane Benner teilte diese Woche mit, dass sich die Gewerkschaft vehement gegen Werkschliessungen wehre. Sie forderte, dass der Konzern und die Politik Ideen vorlegten, um die volle Auslastung der Werke zu sichern.

Dass der Volkswagen-Konzern sparen muss, ist schon lange bekannt. Wie die anderen deutschen Autobauer ist auch VW mit mehreren Problemen gleichzeitig konfrontiert: dem drohenden Verbrenner-Aus in der EU, Trumps Zöllen, der grossen Konkurrenz aus China. Im Jahr 2025 hat sich der operative Gewinn von Volkswagen beinahe halbiert.

Volkswagen hatte deshalb schon im März umfangreiche Massnahmen angekündigt. 50 000 Stellen wollte man bis im Jahr 2030 abgebaut haben, darunter auch Tausende bei den Tochterfirmen Porsche und Audi. Damals hatte Blume gesagt, man werde «jeden Stein umdrehen». Was das bedeuten könnte, ist in den vergangenen Wochen häppchenweise an die Öffentlichkeit gelangt.

Bis Ende 2025 hatte Blume auch die VW-Tochter Porsche geleitet, mit wenig Erfolg. An der Börse stürzte der Konzern ab. Schliesslich gab Blume die Leitung ab, um sich auf die Herausforderungen bei VW zu konzentrieren. Aber auch bei Porsche allein läuft es weiterhin schlecht: Wie der Konzern am Donnerstag mitteilt, sind die Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 16 Prozent eingebrochen. In China sanken die Verkaufszahlen gar um 32 Prozent. Bei Porsche verhandeln deshalb gerade Betriebsrat, Arbeitnehmervertreter und Vorstand über Massnahmen für die Zukunft. Laut Medienberichten könnte es zu einem Abbau von mehreren tausend Stellen kommen.

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