Die sechs Frauen des britischen Königs Heinrich VIII. treten zu einem kuriosen Wettbewerb an: Wer hat die schlimmste Ehe hinter sich? Mit Bubblegum-Pop und Stimmgewalt wurde die Düsseldorfer Premiere von „Six“ zum Spektakel.
Düsseldorf · Die sechs Frauen des britischen Königs Heinrich VIII. treten zu einem kuriosen Wettbewerb an: Wer hat die schlimmste Ehe hinter sich? Mit Bubblegum-Pop und Stimmgewalt wurde die Düsseldorfer Premiere von „Six“ zum Spektakel.
Höfische Cembaloklänge perlen aus den Lautsprechern, als sich das Capitol-Theater füllt. Gut vier Fünftel des Publikums sind Frauen, die meisten jung. Einige tragen stachelige Krönchen. Die sanfte Einstimmung ist trügerisch und schnell vergessen. Denn jetzt stürmen sechs energiegeladene Ladies die Bühne, fetzen los und bringen den Saal zum Beben. Nebel umwabert sie, Lichter funkeln. Vom ersten Moment an geht das Publikum mit. 80 temporeiche Minuten lang wird es bei der englischsprachigen Aufführung jubeln, klatschen, lachen. So gerät die Düsseldorfer Premiere von „Six“ zum Spektakel.
Ein Musical, wenn auch nicht im herkömmlichen Sinn. Eher eine Pop-Party. Roby Marlow und Lucy Moss haben sich die Geschichte während ihres Studiums an der University of Cambridge ausgedacht. Was für eine Idee: Es erscheinen die sechs Frauen des britischen Königs Heinrich VIII. und treten zu einem kuriosen Wettbewerb an. Wer hat die schlimmste Ehe mit ihm hinter sich? Die Siegerin wird dann als wahre Königin respektiert und darf die Girlband künftig anführen.
Kennt man sie eigentlich noch, die historische Reihenfolge der Königinnen und ihr Schicksal an der Seite des berüchtigten Herrschers? Hier wird sie einem einleuchtend vor Augen geführt: „Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt“. Jede will gewinnen, jede erzählt von ihrer Zeit am Hof in einer brillant gesungenen Solo-Nummer, stets begleitet von der Truppe. Da ist die verstoßene Catherine of Aragon (LaSasha Aldredge). Anne Boleyn (Abi Atchison), die Heinrich köpfen ließ. Jane Seymour (Emily Dawson), die einzige von Heinrichs Frauen, die einen Sohn zur Welt brachte und während der Ehe eines natürlichen Todes starb. Anna of Cleves wurde schnell wieder abserviert, als der enttäuschte Gatte erkannte, dass ihr von Hans Holbein gemaltes Bildnis nicht der Realität entsprach. Sie war ihm schlicht zu unattraktiv. Glück gehabt, vielleicht blieb ihr dadurch ein schlimmeres Dasein erspart.
Im Capitol wird ihre kraftvolle Darstellerin Millie Readshaw zum Publikumsliebling. Anna folgte die kokette Katherine Howard (Sammy Timbers) auf den Thron, enthauptet wegen ihrer zahlreichen Affären. Und schließlich, als sechste und letzte Ehefrau, Catherine Parr (Layla Chivandire). Ihr gelang es, Heinrich VIII. (1491-1547) zu überleben.
„Six“ entfacht ein Feuerwerk aus Pop-Songs, deren Interpretation eine Hommage an Stars wie Beyoncé, Adele oder Avril Lavigne ist. Bei den Kostümen dominieren eckige Schultern, kesse Minis und glitzernde Stiefel. Man fühlt sich bisweilen an „Starlight Express“ erinnert. Beim Bubblegum-Pop von Katherine Howard mit pinkem Pferdeschwanz flackert Ariane Grande auf.
Stimmgewalt, grandiose tänzerische Leistungen und ein wie am Schnürchen funktionierendes Ensemble machen das Musical zum Vergnügen. Der Soundtrack überzeugt mit starken Nummern, darunter das emotionale „No Way“ von Catherine of Aragon, das freche „Don’t Lose Ur Head“ von Anne Boleyn oder das intensive „Get Down“ von Anna of Cleves. Alle zusammen performen den Elektrobeat-Song „House of Holbein“. Geballte Frauenpower, auch die perfekt geölte Band ist rein weiblich besetzt. Mag die Handlung auch über einige historische Fakten großzügig hinwegsehen – egal. Wir sind in keinem Geschichtsseminar, sondern auf einer Party.
Und wer wird nun zur Siegerin gekrönt? Keine. Am Schluss raufen sich die Königinnen zusammen. Eine Entscheidung der Vernunft und der Versöhnung. „Jede von uns war eine von sechs“, singen sie. Ihr Leben sollte nicht dadurch definiert werden, dass sie mit Heinrich verheiratet waren. Eigenständig und stark wollen sie sein. Das bringen sie im rockigen Finale „Megasix“ zum Ausdruck.
Es verwundert nicht, dass diese hochprofessionelle Show in aller Welt Triumphe feierte, ausgehend vom Musical-Mekka im Londoner Westend und dem New Yorker Broadway. Mit 35 internationalen Preisen darf sich „Six“ schmücken. 2026 kehrte die britische Originalversion nach Deutschland zurück.
It’s Partytime in Düsseldorf.