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Hockey-Nationalspieler Prinz: "Wir sind da, wenn es drauf ankommt"

Дата публикации: 26-06-2026 18:27:00

Aktuell laufen die letzten Spieltage der Hockey Pro League in Berlin - und im August steht die nächste Weltmeisterschaft an. Im Interview spricht der Berliner Thies Prinz über die deutsche Turnierstärke, "hockeyverrückte" Niederlande und zwei bevorstehende Hitze-Schlachten gegen Argentinien und Spanien.


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Interview Hockey-Nationalspieler Thies Prinz "Um uns mache ich mir nicht so große Sorgen, eher um die Zuschauer"

Hockey-Nationalspieler Thies Prinz (Quelle: IMAGO / Focus Images)
Hockey-Nationalspieler Thies Prinz (Quelle: IMAGO / Focus Images)

An den letzten Spieltagen der FIH Pro League (23. bis 28. Juni) misst sich die Hockey-Weltspitze auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld in Berlin. Die deutschen Männer haben zwar keine Chance mehr auf den ersten Platz und das damit verbundene Ticket für die Olympischen Spiele 2028. In Vorbereitung auf die kommende Weltmeisterschaft in Belgien und den Niederlanden (15. bis 30. August) sind die Spiele aber dennoch von großer Bedeutung.

Im Interview spricht der Berliner Thies Prinz über die Turnierstärke des deutschen Teams, sein Leben in den "hockeyverrückten" Niederlanden und die zwei bevorstehenden Hitze-Schlachten gegen Argentinien und Spanien.

rbb|24: Thies Prinz, wie schon im Vorjahr finden die letzten Spiele der Hockey Pro League in Berlin statt. Können Sie diese Tage in Ihrer Heimatstadt gerade besonders genießen?

Thies Prinz: Ja, auf jeden Fall. Es ist für mich immer sehr cool, Länderspiele in Berlin spielen zu dürfen. Mir macht das unglaublich Spaß – es kommen immer viele Freunde und meine Familie ist natürlich auch am Start. Ich glaube, meine Mom freut sich auf kein Event so sehr wie auf dieses. (lacht)

Zur Person

Thies Prinz im Trikot des niederländischen Hockey-Erstligisten Pinoké (Quelle: IMAGO / Pro Shots)

Thies Prinz wurde am 7. Juli 1998 in Berlin geboren. Mit der deutschen Feldhockey-Nationalmannschaft gewann er 2023 die Weltmeisterschaft, 2024 Olympia-Silber und 2025 die Europameisterschaft. Insgesamt absolvierte Prinz bislang schon mehr als 100 Länderspiele.

Nach Stationen bei den Zehlendorfer Wespen und beim TC Blau-Weiss wechselte er 2018 zu Rot-Weiss Köln und gewann vier Deutsche Meistertitel. Seit 2025 spielt er für den niederländischen Erstligisten Pinoké.

rbb|24: Zum Auftakt hat die deutsche Auswahl am Mittwoch mit 2:1 gegen Argentinien gewonnen. Am Donnerstagabend folgte ein 6:4-Sieg nach Penaltyschießen gegen Spanien. Bundestrainer André Henning sagte nach dem Spiel, dieser zweite Sieg werde dem Prozess Ihres Teams guttun. Wie stark ist die deutsche Hockey-Nationalmannschaft im Sommer 2026?

Prinz: Ich würde sagen, wir sind auf einem guten Weg. Die beiden Siege zum Start haben uns gutgetan. Ich würde uns nicht direkt zu den Favoriten auf Titel zählen, weil wir in den letzten Jahren einen krassen Umbruch hatten. Im Vergleich zu anderen Mannschaften sind wir noch eher unerfahren und jung.

Die letzten Turniere haben aber gezeigt, dass wir absolut da sind und auf den Punkt genau Leistung zeigen, wenn es drauf ankommt [Deutschland ist amtierender Welt- und Europameister und gewann 2024 in Paris die Silbermedaille; Anm. d. Red.]. Dementsprechend haben wir auf jeden Fall Chancen, bei der anstehenden WM weit zu kommen. Es muss in den nächsten Wochen noch was passieren; ein bisschen Zeit, Trainingscamps und Spiele haben wir aber auch noch.

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Das große Ziel ist es, bei der WM eine Top-Performance abzuliefern.

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Thies Prinz über die deutsche Hockey-Nationalmannschaft

rbb|24: Sie haben mittlerweile mehr als 100 A-Länderspiele auf dem Buckel, werden im Juli 28 und zählen also langsam, aber sicher zu den erfahrenen Akteuren im DHB-Team. Was macht das mit Ihnen?

Prinz: Es ist schon sehr schnell gegangen, muss ich sagen. Auch wenn ich schon viele Länderspiele absolviert habe, habe ich mein erstes Turnier erst mit 24 gespielt. Nur gut drei Jahre später bin ich jetzt schon einer der erfahrensten und ältesten Spieler.

Mir macht es total Spaß und ich habe die Aufgabe [als Vize-Kapitän; Anm. d. Red.], glaube ich, ganz gut angenommen: Ich bin gerne im Führungsteam dabei und nehme in der Zusammenarbeit mit den jüngeren Spielern eine gewisse Vorbildrolle ein. An dieser Aufgabe muss ich aber noch weiterwachsen – das ist, gerade auf internationaler Ebene, neues Terrain für mich.

rbb|24: Insgesamt lief die Pro League für die DHB-Auswahl durchwachsen. Mit fünf Siegen aus den ersten 14 Spielen stehen Sie auf dem sechsten Platz. Das Olympia-Ticket werden Sie auf anderem Wege buchen müssen. Im August haben Sie bei der Weltmeisterschaft die Chance zur Titelverteidigung. Richtet sich der Fokus schon jetzt komplett auf die WM?

Prinz: Absolut. Das große Ziel ist es, bei der WM eine Top-Performance abzuliefern. Dafür helfen Länderspiele auf hohem Niveau – und dafür ist die Pro League top, gerade so kurz vor einer WM.

Trotzdem herrscht bei solchen Spielen ein gewisser Nominierungsdruck. Da muss man Rücksicht haben, dass noch nicht alles perfekt laufen kann, weil ein Großteil der Mannschaft noch gar nicht weiß, ob er bei der WM dabei sein wird. Dadurch ist es auch schwierig, Routinen einzuspielen, weil wir pro Spiel mit sechs, sieben Leuten rotieren. Der Fokus liegt also erstmal noch auf der Entwicklung innerhalb der Mannschaft. Sobald die Pro League vorbei ist, geht der Fokus klar Richtung WM und dann wird sich auch herauskristallisieren, wer da spielen wird.

rbb|24: Auf Vereinsebene sind Sie vor einem Jahr - nach sieben Spielzeiten bei Rot-Weiss Köln und vier Meistertiteln - zum niederländischen Erstligisten Pinoké gewechselt. Die Niederländer sind nicht nur hochgradig fußballverrückt, wie sie dieser Tage wieder rund um die WM unter Beweis stellen, sondern haben auch viel Liebe und Wertschätzung für Hockey übrig. Wie haben Sie das in Ihrer ersten Saison in Amsterdam wahrgenommen?

Prinz: Es war wirklich richtig cool – genau das, worauf ich Bock hatte. Es ist völlig verrückt, wie viele Leute mit ihren Hockeyschlägern auf Hollandrädern durch Amsterdam fahren. Alle sind total hockeyverrückt. Der Club ist sonntags von morgens bis abends voll mit Leuten, die entweder spielen und danach bleiben oder früher kommen und später spielen. (lacht)

Sowohl meine Mannschaftskameraden als auch die sportliche Führung haben uns super aufgenommen – da kann ich für Teo Hinrichs [Nationalspieler aus Mannheim; Anm. d. Red.] mitsprechen, der ja mit mir dorthin gewechselt ist. Das ist einfach eine coole, neue Aufgabe für uns. Der Stellenwert [von Hockey; Anm. d. Red.] ist unglaublich hoch, jedes Spiel ist immens wichtig. Das ist eine extremere Variante als in Deutschland.

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Hockey ist Nationalsport. Gefühlt haben neun von zehn Jungs und Mädels, die da groß werden, in irgendeiner Art und Weise mal in einem Hockeyclub gespielt. Das ist absurd, wie viele Leute da Hockey spielen.

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Thies Prinz über den Stellenwert von Hockey in den Niederlanden

rbb|24: Besonders bei den Frauen dominiert "Oranje" seit Jahren die weltweite Konkurrenz - egal, ob bei Olympischen Spielen, Welt- oder Europameisterschaften. Gemessen an der Einwohnerzahl ist die Talentdichte auffallend hoch. Was haben die Niederlande anderen Nationen im Hockey voraus?

Prinz: Hockey ist Nationalsport – das fällt auf. Gefühlt haben neun von zehn Jungs und Mädels, die da groß werden, in irgendeiner Art und Weise mal in einem Hockeyclub gespielt. Das ist absurd, wie viele Leute da Hockey spielen. Die Dichte an guten Spielern ist dadurch einfach nochmal höher als in anderen Ländern. Es gibt viel mehr Spieler, die den Weg in die Nationalmannschaft oder erste Liga schaffen können.

Wenn du in den Niederlanden über Hockey sprichst, weiß jeder, was gemeint ist. In Deutschland kennen in der Bubble, in der man sich bewegt, auch viele Hockey. Wenn ich das aber einem Fremden am Flughafen erzähle, ist die erste Frage: Eishockey? Wenn man in Holland sagt, dass man in einer Erstliga-Mannschaft spielt, flippen die Leute aus. Das Land ist verrückt nach diesem Sport.

rbb|24: Berlin ist zumindest ab der kommenden Saison auch bei den Männern im Feldhockey wieder erstklassig und zurück auf der Karte. Am letzten Spieltag sicherte sich der Berliner HC - unter anderem mit Ihrem guten Freund Luis Gill - den direkten Wiederaufstieg. Die Zehlendorfer Wespen, Ihr Jugend- und Ausbildungsverein, bleiben durch die Niederlage gegen den BHC in der 2. Bundesliga. Hand aufs Herz: Für wen waren Sie in diesem Entscheidungsspiel?

Prinz: Ich muss sagen, dass ich mehr für meine Freunde mitgefiebert habe, für die Jungs vom BHC. Paul Dösch und Tino Volkert spielen da ja auch noch. Mit den dreien bin ich seit zehn, fünfzehn Jahre sehr gut befreundet. Das hat überwogen.

Ich hätte den Wespen den Aufstieg nach mehreren guten Jahren aber natürlich auch gegönnt. Die Struktur stimmt bei den Wespen auf jeden Fall. Sie bringen jedes Jahr absolute Top-Talente hoch. Ich bin mir sicher, dass sie nächstes Jahr auch wieder eine Chance haben.

rbb|24: Zum Abschluss der Pro League stehen für Ihr Team am Samstag (13:30 Uhr) und Sonntag (12:30 Uhr, jeweils im "MagentaSport"-Livestream) noch zwei weitere Duelle gegen Argentinien und Spanien auf dem Programm [fih.hockey]. Was wird in diesen Hitze-Schlachten – bei Temperaturen um die 40 Grad - entscheidend sein?

Prinz: Man muss irgendwie mit dieser Hitze klarkommen. Wir hatten auch schon Spiele in Argentinien, wo es ähnlich warm war. Um uns mache ich mir nicht so große Sorgen, eher um die Zuschauer, die da stundenlang in der Sonne braten. Das stelle ich mir ein bisschen gefährlich vor. Ich hoffe natürlich, dass trotzdem viele Leute da sein werden.

Die Spiele werden brutal; vor allem das Sonntagsspiel, wenn man Samstag schon gespielt hat. Das könnte eine Erfahrung werden, die noch nicht jeder in seiner Karriere hatte. Die Mannschaften, die mit ihren Kräften besser haushalten können, werden einen Vorteil haben. Wenn man ein wildes Spiel anfängt – hoch und runter – könnte das den Mannschaften aus dem Süden besser liegen als uns. Wenn wir es schaffen, taktisch gut zu agieren, clever zu verteidigen und uns vorne festzusetzen, um selbst nicht so viel in der Defensive zu sein, dann haben wir eine gute Chance, auch diese beiden Spiele zu gewinnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Anton Fahl.

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine redigierte und gekürzte Fassung.

Sendung: rbb|24, 26.06.2026, 20:15 Uhr

Audio: rbb|24, 26.06.2026, Anton Fahl im Gespräch mit Thies Prinz

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