Bereits zum 45. Mal findet in diesem Jahr die Oderrundfahrt statt. Das Radrennen ist gerade für junge und ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer attraktiv und führt diese durch drei Brandenburger Landkreise - sogar bis nach Polen.
45. Oderrundfahrt Die "Hölle des Ostens" wartet
Während sich die besten Radfahrer der Welt aktuell bei der Tour de France über die Pyrenäen kämpfen, macht sich auch der Osten Brandenburgs bereit für einen Radsportklassiker. Zum 45. Mal startet am Mittwoch in Frankfurt die Oderrundfahrt.
Klar, mit dem Spektakel rund um Tadej Pogačar, Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz kann das Radrennen an der Grenze zu Polen zwar nicht ganz mithalten und doch hat das Event seinen festen Platz. Schließlich wurde hier schon der ein oder andere Star von morgen geboren, wie Organisator Dan Radtke erzählt. "Da fahren die Sportler, die mal richtige Rennfahrer werden wollen. Sie nutzen das als Sprungbrett."
Marcel Kittel, John Degenkolb oder Rüdiger Selig sind zu Beginn ihrer Karrieren bei der Oderrundfahrt an den Start gegangen. Für junge und ambitionierte Sportler sei es äußerst attraktiv, mal fünf Tage hintereinander Radrennen zu fahren, sagt Radtke, und sie hätten in Deutschland sonst keine Möglichkeit dazu.
"Früher hatte jedes Bundesland eine eigene Rundfahrt. Dann ist eine nach der anderen gestorben und die Einzige, die bis heute überlebt hat, ist die Oderrundfahrt", erklärt der Organisator. Der Ansturm ist dementsprechend groß: Etwa 230 Fahrerinnen und Fahrer aus insgesamt 12 verschiedenen Nationen gehen in diesem Jahr an den Start.
Besonders freut sich Radtke über die 18 Frauen-Teams, die sich für diese Ausgabe gemeldet haben. "Das ist nicht üblich. Es zeigt, dass die Rundfahrt gut angenommen wird und die jungen Radfahrerinnen die Wettkampfkilometer suchen", erklärt er.
Die Etappen der 45. Oderrundfahrt (rbb)
Doch hinter dem Erfolg steckt eine Menge Arbeit. Mit kleinem Budget und mehr als 100 freiwilligen Helfern stellen Radtke und der Frankfurter Radsportclub FRC 90 das Etappenrennen Jahr für Jahr auf die Beine.
Besonders das Beantragen der Straßensperrungen ist kompliziert. Anders als beispielsweise bei der Tour de France müssen die Rundkurse für den ganzen Tag gesperrt werden. Schließlich nehmen an der Oderrundfahrt sowohl Männer als auch Frauen und Schüler unterschiedlicher Altersklassen teil, die nacheinander auf die Strecke gehen.
Anwohner, ansässige Firmen und Verkehrsämter mussten in die Planungen mit einbezogen werden und zustimmen. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen. Beim Prolog führt die Strecke die Fahrerinnen und Fahrer über die Grenzbrücke nach Slubice und wieder zurück. "Auch dort mussten wir natürlich die entsprechenden Anträge stellen. Und das ist teilweise noch komplizierter als in Deutschland", sagt Radtke lachend.
Und doch sei er auch in der polnischen Nachbargemeinde auf viel Sympathie für das Radrennen gestoßen. "Das Event steht für die Verbindung beider Städte, sowohl in der Kultur als auch beim Sport. Es ist für beide Städte ein Erfolg und beide Bürgermeister:innen stehen voll dahinter." Auch eine ganze Etappe in Polen sei künftig denkbar, so Radtke.
In diesem Jahr wird neben Frankfurt (Oder) und Slubice allerdings erstmal nur in den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland gefahren. Nach dem Prolog geht es am Donnerstag nach Güldendorf, am Freitag nach Podelzig, am Samstag nach Eisenhüttenstadt und am Sonntag schließlich zum Abschluss nach Seelow [die Routen im Überblick, PDF, oderrundfahrt.de].
Besonders die zweite Etappe ist immer ein großes Highlight. "Wir nennen Podelzig nur die Hölle des Ostens", sagt Radtke. Hier erwarten die Fahrerinnen und Fahrer nicht nur schmale Straßen, sondern auch ein Berg mit bis zu 18 Prozent Steigung – und das auch noch auf Kopfsteinpflaster.
"Wenn es dann auch noch regnen sollte, dann stehen viele quer und schieben ihr Rad am Ende da hoch. Das haben wir in den letzten Jahren immer mal wieder erlebt", sagt der Rundfahrtleiter. Wer im Sattel bleibt, dem winkt am Ende ein Anteil von den insgesamt 15.000 Euro an Preisgeldern, die bei der Oderrundfahrt ausgeschüttet werden.
Und eventuell fällt auf dem Pflasterberg von Podelzig am Ende auch der Startschuss für eine große Karriere, die bis auf die Pyrenäen bei der Tour de France führt.
Sendung: rbb|24, 07.07.2026, 06:05 Uhr
Audio: rbb|24, 07.07.2026, Lukas Witte im Gespräch mit Dan Radtke
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