Skifahren auf einer Müllverbrennungsanlage - das gibt es nur in Kopenhagen. Steffen Trumpf/dpa
Wenn die Kopenhagener Skilaufen möchten, müssen sie seit 2019 nicht mehr weit reisen. Vom Copenhill, mit 124 Metern höchster künstlicher Skihügel der Welt, kann man die Kirchtürme der Hauptstadt sehen. Die zum Freizeitpark umgebaute modernste Müllverbrennungsanlage der Welt mit ihren Graspisten ist nur eines von vielen spektakulären Architekturprojekten, die Kopenhagen zu einer der lebenswertesten und nachhaltigsten Metropolen der Welt und 2023 zur Unesco-Welthauptstadt der Architektur machen.
Aber was ist das Erfolgsrezept der 700.000-Einwohner-Metropole? Ganz einfach: „Wir denken zuerst daran, was die Menschen brauchen“, sagt Ulrich Pohl vom renommierten Architekturbüro Cobe. „Kindergärten, Promenaden, helle Wohnungen mit Balkonen, eine gute Anbindung an Metro, Radwege – das ist das Wichtigste.“ Viele Gründe, die den Deutschen Pohl vor Jahren überzeugten, nach Dänemark auszuwandern.
Aus einem Silo im Kopenhagener Stadtteil Nordhavn wurde ein Wohnhaus und auf dem Dach eines Parkhauses entstand ein Spielplatz mit Blick auf den Öresund. Anke Geffers
Kopenhagen macht vieles besser als andere Städte. Aus dem Industriestandort mit kaum Grün und viel Autoverkehr ist in den letzten Jahren eine lebenswerte Stadt mit breiten Holzpromenaden rund um den Hafen, Radwegen und Parks geworden.Es gibt den grünen Ring, einen Radweg fern von Straßen und zugleich mitten in der Stadt. Es gibt öffentliche Gebäude wie den schwarzen Diamanten mit glitzernder facettenreicher Fassade, Sitz der Nationalbibliothek. Hohe Fensterfronten geben den Blick aufs Wasser frei.
Brücken nur für Radfahrer und Fußgänger machen die Stadt lebenswert. VisitCopenhagen hfr
Mehrfach für Küche und Design ausgezeichnet: das Restaurant Høst. VisitCopenhagen hfr
Es gibt die pyramidenförmigen, optisch an die Speicher eines ehemaligen Papierlagers angelehnten Wohnhäuser, die die neue Silhouette von „Paper Island“ bestimmten. Es gibt Brücken, die nur für Radfahrer gebaut wurden. Im Architektur-Jahr 2023 sollen weitere entstehen. Und es gibt Architekten und Architektinnen wie Katrine Goldstein vom Büro Norm, die Restaurants entwerfen wie das für Design und Küche mehrfach ausgezeichnete „Høst“.
„Gäste sollen sich mitten in der Stadt wie auf einer Farm fühlen, gemütlich und stylish zugleich“, sagt sie. Holztische, Pflanzen, viel Weiß, angenehmes Licht und exzellentes Essen. Klar, dass jeden Abend ausgebucht ist.
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Ein ähnliches Konzept verfolgen die Macher der „Hart Brød & Bar“. Tagsüber Bäckerei, abends Weinlokal. Schwellenangst braucht auch hier niemand zu haben – es geht leger, offen, freundlich zu. Während die Touristen die typischen Attraktionen wie Nyhavn mit seinen bunten Häusern, Schloss Amalienborg oder den Vergnügungspark Tivoli besuchen, entwickelt sich Nordhavn zum neuen Szeneviertel
Nur ein paar Minuten dauert die Fahrt mit der blitzsauberen, modernen und selbstfahrenden Metro zum Orientkaj. Die Bahn fährt im zwei-Minuten-Takt, auch ein Grund für viele, das Auto stehen zu lassen.
Nordhavn war früher Hafengebiet, heute gibt es hier viel Platz für Freizeit und Wohnen. Anke Geffers
Weltweit einmalig. Der Copenhill ist Müllverbrennungsanlage und künstliche Skipiste zugleich. VisitCopenhagen hfr
Früher ein Industriehafen, ist Nordhavn heute Wohnviertel am Öresund mit umgebauten Silos (Tipp: Das Restaurant „The Silo“ im 17. Stockwerk), mit Radwegen und so gut wie autofrei. Von breiten Holzstegen springen Dänen hier auch im Winter ins Wasser und im Sommer sowieso. Am Horizont ist der Copenhill zu sehen. Wie ein schräger, dampfender Berg ragt er in den Himmel. Während die Zukunft in anderen Städten noch auf sich warten lässt, hat sie in Kopenhagen längst begonnen.
Info:
Nach Rio de Janeiro 2022 und vor Barcelona 2024 ist Kopenhagen 2023 die UNESCO-Weltarchitekturhauptstadt. Veranstaltungsort für Themen wie klimafreundliche Stadtentwicklung, Design und Nachhaltigkeit ist das Danish Architekture Center DAC im Blox-Gebäude am Hafen. Das komplette Programm: www.dac.dk/arkitekturhovedstad-2023 Anreise: In viereinhalb Stunden mit der Bahn von Hamburg nach Kopenhagen.
Tipp: Die Copenhagen-Card ab ca. 60 Euro bietet für einen Erwachsenen und zwei Kinder bis 11 Jahre freien Eintritt für 89 Attraktionen und freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: www.copenhagencard.com
Übernachten: Zum Beispiel im „25hours Hotel Indre By“ in einer ehemaligen Porzellanfabrik: www.25hours-hotels.com
Essen: Smørrebrød mit Blick aufs Wasser im „Aamans Replik“ im Skuespilhuset, dem neuen Schauspielhaus
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