In „College Football 27“ kann man Fortschritt in den Einzelspieler-Modi mit echtem Geld kaufen – eine Möglichkeit, die EA klammheimlich eingeschleust hat.
In „College Football 27“ lässt sich der Spielfortschritt in den Einzelspieler-Modi Dynasty und Road to Glory mit echtem Geld beschleunigen, berichtet das US-Spielemagazin Insider Gaming. EA hat die Mikrotransaktionen demnach ohne Vorankündigung eingebaut, sodass weder Fans noch die Influencer aus dem hauseigenen Creator-Programm vorab davon wussten. Damit hat EA nicht nur Käufer, sondern auch das Netzwerk an Werbebotschaftern auf YouTube und Co. gegen sich aufgebracht.
Konkret können Spieler ihren Trainer im Dynasty-Karrieremodus oder ihren Athleten in der Spielerkarriere Road to Glory gegen Bezahlung aufwerten, statt sie durch Spielen hochzuleveln. Wer seinen Trainer sofort auf die maximale Stufe 100 hieven will, muss 100 US-Dollar zahlen, rechnet Insider Gaming vor. Das ist mehr als der Preis des Spiels selbst.
Derweil wurde der Spielfortschritt ohne Bezahlung wohl ausgebremst. In „College Football 25“ und „College Football 26“ konnten Spieler über Regler einstellen, wie schnell sie Erfahrungspunkte sammeln. In „College Football 27“ fehlen die schnelleren Stufen dieser Regler, berichtet GameSpot. Zügigen Fortschritt gibt es damit faktisch nur noch gegen Bezahlung. Wie langwierig die Alternative ohne Bezahlung ausfällt, zeigt eine von GameSpot zitierte Community-Rechnung: Stufe 100 erfordere rund 2,5 Millionen Erfahrungspunkte, ein komplett gewonnenes Meisterschaftsjahr bringe nur gut 16.000 Punkte.
Fortschritts-Booster sind in der Spielebranche unbeliebt und werden von den Communitys bestenfalls geduldet. In Offline-Modi für Solospieler bleiben solche Geschäftspraktiken besonders verpönt. Pikant ist EAs Vorgehen auch, weil ausgerechnet die eigenen Werbepartner vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. In den Versionen, die von EA gesponserte Content Creators auf YouTube ihren Zuschauern zeigten, war von den Einzelspieler-Mikrotransaktionen offenbar noch keine Spur. EA blamiert die Influencer also gegenüber ihrem eigenen Publikum, das sich nun hintergangen und belogen fühlt.
Mehrere Content Creator, die im Rahmen von EAs Creator-Programm mit dem Publisher zusammenarbeiten, kritisierten die Mikrotransaktionen laut Insider Gaming nun öffentlich in dem Versuch, ihren Ruf zu retten. Der YouTuber Bordeaux, der in den vergangenen Jahren wiederholt in Werbekampagnen für EAs „College Football“-Titel mitmischte, brachte den Hashtag #CFBPlayDontPay in Umlauf, der es in den USA bis auf Platz 9 der Twitter-Trends schaffte. „Man kann nicht einfach Mikrotransaktionen einschmuggeln, uns Creator ganz aufgeregt das Spiel spielen lassen, in Chicago kein Wort darüber verlieren und dann erwarten, dass alles in Ordnung ist“, sagte Bordeaux laut Insider Gaming mit Blick auf ein EA-Preview-Event im Juni.
EA hat sich bislang nicht öffentlich geäußert, laut Insider Gaming haben die Entwickler den wachsenden Protest aber registriert. Von Insider Gaming zitierte anonyme Entwickler rechnen allerdings nicht mit echtem Einlenken von Publisher EA: Der Protest werde wohl ausgesessen – er sei einkalkuliert. „Leider spielt es keine Rolle, wie laut der Protest ist“, sagte ein anonymer Mitarbeiter dem Spielemagazin. „Kurzfristig wird man vielleicht eine Übergangslösung präsentieren, um die Leute zufriedenzustellen. Langfristig werden den Spielern jedoch zusätzliche Kosten auferlegt.“
EA wird von einem Konsortium um den saudi-arabischen Staatsfonds PIF, Silver Lake und Affinity Partners übernommen und von der Börse genommen. Von der Übernahmesumme von 55 Milliarden US-Dollar entfallen 20 Milliarden auf Schulden, die EA aufnimmt. Laut Insider Gaming sucht EA vor diesem Hintergrund nach neuen Monetarisierungswegen quer durch sein Portfolio – von bezahlten Erweiterungen für „UFC 6“ bis zu mehr Käufen in „Madden 27“. Selbst künftige reine Einzelspieler-Titel sollen mehr Kaufoptionen bekommen.
Die „College Football“-Reihe ist in den USA ein Schwergewicht: „College Football 25“ wurde 2024 zum meistverkauften Sportspiel aller Zeiten in den USA. Ein Millionenpublikum ist also direkt betroffen, wenn EA an der Fortschrittsschraube dreht. Zudem könnte das Vorgehen ein Fingerzeig für EAs Strategiewandel sein, der auch den hierzulande beliebten „FIFA“-Nachfolger EA Sports FC direkt treffen könnte.
Eine zusätzliche Einnahmequelle sieht EA offenbar in Werbung: Das US-Unternehmen hat kürzlich die Werbeplattform EA Advertising angekündigt, über die Werbung direkt ins Spielgeschehen von Sportspielen eingebunden wird.
(dahe)
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