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Bilanz des Nato-Gipfels mit Trump: Love is in the air – das müssen die Europäer nutzen

Дата публикации: 09-07-2026 12:41:44

Die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kommt beim Treffen in Ankara ausnahmsweise der Allianz und der Ukraine zugute. Offen bleibt aber, wie lange auf Trumps neue Zuneigung Verlass ist.

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Das einzig Verlässliche an Donald Trump ist sein Wankelmut. Das hat der Nato-Gipfel in Ankara erneut bestätigt.

Diesmal freilich mit einer tröstlichen Pointe. Seine Sprunghaftigkeit ging bei diesem Treffen nicht zulasten der Alliierten. Sie kam den Verbündeten und der Ukraine zugute.

Die Tomahawk-Marschflugkörper kommen nun doch. Und die Ukraine erhält die Lizenz, Patriot-Luftabwehr zu produzieren: ein ,Game changer’ im Krieg gegen Russland.

Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion

Trumps Unmut richtete sich gegen den Iran. Und gegen Spanien, weil es sich weigert, die vereinbarten höheren Investitionen in die Sicherheit Europas mitzutragen.

Die angedrohten Handelsstrafen werden in der Praxis wenig Wirkung haben. Spanien ist Teil des EU-Binnenmarkts. Da lassen sich Sanktionen gegen ein Land nur schwer zielgenau durchsetzen.

Trumps zwei Gesichter

Ansonsten galt, wie Kanzler Friedrich Merz berichtete: Love is in the air. In den sozialen Netzwerken mochte Trump weiter poltern. Im Kreis der Partner zeigte er sich kooperativ.

Mehr noch: Er bekräftigte die Bündniszusage und nahm die Drohungen eines Ausscherens der USA explizit zurück: „Wir wollen bei Euch bleiben.“

Das ist nicht zu unterschätzen, gerade mit Blick auf Wladimir Putin. Von dessen Einschätzung des tatsächlichen Verhaltens der USA im Fall eines Falles hängt ab, ob er einen Angriff auf die Ostflanke der Nato wagt oder nicht. Verlässliche Abschreckung bietet heute und auf absehbare Zeit nur die Militärmacht der USA.

Die Streitkräfte der europäischen Nato-Staaten können Putin in ihrem heutigen Zustand nicht abschrecken. Es wird Jahre dauern, bis die beschlossenen höheren Verteidigungsausgaben zu deutlich größeren militärischen Fähigkeiten führen.

Im Iran-Krieg haben die USA Waffen und Munition so schnell verbraucht, dass ihre Vorräte nach einigen Wochen zur Neige gingen. Europa fehlt der Nachschub.

Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion

Diese Transformation wird in Zusammenarbeit mit den USA besser und schneller gelingen als in einem Zerwürfnis. Gerade in der Übergangszeit ist eine kooperative Beziehung mit dem US-Präsidenten entscheidend. Der heißt bis Januar 2029 Donald Trump.

Rüstungskooperation steht im Mittelpunkt

Im Fokus des Nato-Gipfels 2025 lag die Höhe der Verteidigungsausgaben. 2026 rückt die Rüstungskooperation in den Mittelpunkt. Das betrifft einerseits Großprojekte der Europäer, nachdem das deutsch-französische Vorhaben eines gemeinsamen Kampfjet-Systems (FCAS) gescheitert ist.

Andererseits die Lizenzproduktion von US-Waffen. Die Vereinigten Staaten haben fertige Systeme, stellen aber nicht genug her, um die europäischen Bedürfnisse zügig mit abzudecken. Die Erfahrungen mit dem Iran-Krieg haben dieses Problem nochmals drastisch verschärft.

Im Iran-Krieg stoßen die USA an ihre Grenzen

In Europa stellt man sich die US-Rüstungsindustrie gerne als einen überdimensionierten Moloch vor. Doch im Iran-Krieg, der im globalen Maßstab ein begrenzter regionaler Konflikt ist, haben die USA Waffen und Munition in so hohem Tempo verbraucht, dass ihre Vorräte nach einigen Wochen zur Neige gingen. Das gefährdet auch den Nachschub für Europa.

Die USA sind eine Friedenswirtschaft. Nur Russland praktiziert bereits Kriegswirtschaft und produziert in ähnlicher Dimension Rüstungsgüter, wie es sie in der Ukraine verschießt.

Das bekam das angegriffene Land zu spüren. Es bekam kaum noch Nachschub an Patriot-Luftabwehr. Kiew und andere Großstädte sind russischen Luftangriffen seit Monaten nahezu schutzlos ausgeliefert.

Patriot-Lizenzproduktion in Bayern und der Ukraine

Trumps Ankündigung, dass die Ukraine eine Lizenz zur Patriot-Produktion erhält, ist ein „Game changer“. Klar, das wird dauern. Die Fabriken kann man nicht über Nacht aus dem Boden stampfen.

Für Deutschland wird das jedoch ein interessanter Wettbewerb. Die Genehmigung zum Lizenzbau in Schrobenhausen haben die USA einem deutsch-britischen Konsortium schon länger erteilt. Spatenstich war Ende 2024. Die Produktion soll Ende 2026 beginnen, die Auslieferung 2027.

Die Ukraine ist dafür bekannt, dass sie unter dem Druck des Krieges in atemberaubendem Tempo vorgeht. Wird sie den deutschen Zeitplan übertreffen?

Trump liefert nun doch Tomahawks

Ein anderer für Deutschland bedrohlicher Zwist mit Trump wurde beigelegt: die Verteidigungslücke bei Abstandswaffen. Deutschland bekommt nun doch die Tomahawk-Marschflugkörper, die Joe Biden Olaf Scholz nach monatelangem Betteln zugesagt und die Trump nach dem Streit mit Merz über den Iran-Krieg verweigert hatte.

Die Warnung bleibt also bestehen: Nichts ist beständiger als Trumps Unbeständigkeit. Deutschland, Europa und die Ukraine müssen den aktuellen Hauch von Zuneigung nutzen, solange Love in the air ist. Trump kommt früher oder später auf die Themen zurück, die ihn frustrieren. Seinen Anspruch auf Grönland hat er nicht aufgegeben.

So gesehen hat das Geschenk, das Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan seinen Gästen machte – eine Pistole mit scharfer Munition – seinen tieferen Sinn, auch wenn manche Westeuropäer mit Belustigung reagierten. Ein Militärbündnis muss sich für Konflikte wappnen. Zuvorderst äußere Konflikte. Aber inzwischen auch mehr als früher für innere Konflikte.

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