Das palästinensische Dorf Taybeh ist offenbar durch den möglichen Bau eines israelischen Siedlungsaußenpostens bedroht – das berichtet der Ortspfarrer Bashar Fawadleh gegenüber Vatican News.
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Das palästinensische Dorf Taybeh ist offenbar durch den möglichen Bau eines israelischen Siedlungsaußenpostens bedroht – das berichtet der Ortspfarrer Bashar Fawadleh gegenüber Vatican News.
Beatrice Guarrera – Vatikanstadt
„Taybeh, das letzte vollständig christliche palästinensische Dorf im Westjordanland, sieht sich einer beispiellosen Bedrohung für sein Land, seine Bevölkerung und seine historische christliche Präsenz gegenüber“, schlägt Pater Bashar Fawadleh, Pfarrer in Taybeh, Alarm. Nach den mehrfachen Appellen und den von dem Priester in den vergangenen Monaten angeprangerten Gewalttaten droht dem kleinen palästinensischen Dorf nun eine neue Gefahr: Augenzeugenberichten und Beobachtungen zufolge soll seit Tagen in Jabal Al-Massis, einem zur Stadt gehörenden Berggebiet, der Bau eines neuen illegalen Außenpostens durch israelische Siedler im Gange sein.
„Unsere Leute haben Angst“, erklärt Pater Fawadleh. „Wenn nur wenige Meter von unseren Häusern entfernt ein Siedlungsaußenposten errichtet wird, werden unsere Familien jeden Tag in Angst leben. Die Kinder werden unter ständiger Einschüchterung aufwachsen. Auch die Landwirte werden Angst haben, ihre Felder und Hühnerzuchtbetriebe im östlichen Teil der Region zu erreichen.“ Laut dem Pfarrer handelt es sich „um den Versuch, vor den Augen der internationalen Gemeinschaft gewaltsam eine neue Realität durchzusetzen“ und „Druck auf die Bevölkerung von Taybeh auszuüben, um sie zur Auswanderung zu zwingen“.
Der Bau eines neuen Außenpostens, der in der Regel dem Bau einer neuen Siedlung vorausgeht, ist ein Akt, der bei der lokalen Bevölkerung noch mehr Unsicherheit schürt. „Und das ist nicht akzeptabel“, so der Pfarrer von Taybeh. Der Priester erinnert daran, dass das betreffende Gelände zur Zone B der Osloer Abkommen gehört und somit der zivilen Verwaltung der palästinensischen Regierung sowie der gemeinsamen Sicherheitsverantwortung der palästinensischen Polizei und der israelischen Militärbehörden untersteht.
„Seit Monaten haben wir unsere Stimme erhoben. Wir haben Botschafter, Ratsmitglieder, religiöse Führer und internationale Delegationen empfangen“, so der Pfarrer. „Wir haben Berichte, Fotos, Videos und Augenzeugenberichte weitergegeben. Und doch gehen diese Übergriffe weiter, nicht nur in der Gegend von Jabal Al-Massis, sondern auch im westlichen Teil, wo die Siedler seit letzter Woche die Arbeiter der Zementfabrik vertreiben.“
Angesichts des möglichen Baus des Außenpostens, der das Dorf umgibt, entsteht der Eindruck, man wolle die Bevölkerung „in einem großen Gefängnis“ einsperren. Die Verzweiflung der Einwohner nimmt laut dem Pfarrer zu: „Unweigerlich haben die Menschen begonnen, sich zu fragen, ob das Völkerrecht noch einen wirklichen Wert hat und ob die wiederholten Appelle überhaupt etwas bewirken können. Wir fordern, ohne Angst auf unserem Land bleiben zu dürfen.“
Pater Fawadleh appelliert erneut an die Institutionen und alle Menschen guten Willens, sich für den Erhalt der christlichen Präsenz in der Region einzusetzen: „Das Heilige Land lässt sich nicht allein mit Worten bewahren. Es muss durch konkrete Maßnahmen geschützt werden. Wenn die Welt die Errichtung eines weiteren Außenpostens hier zulässt, wird die Botschaft an unser Volk verheerend sein: seine Sicherheit, seine Rechte und seine Zukunft werden nicht mehr geschützt sein. Wartet nicht, bis es zu spät ist. Wartet nicht, bis sich eine weitere unumkehrbare Realität durchsetzt. Jetzt ist der Moment zum Handeln.“
Ein Jahr nach den Bränden, die von einer Gruppe von Siedlern in der Nähe des Stadtfriedhofs und der alten Kirche von Al-Khader (St. Georg) gelegt wurden, fühlen sich die Christen vor Ort weiterhin in Gefahr. Trotz allem geht das Leben jedoch weiter, und auch die seelsorgerischen Aktivitäten werden fortgesetzt. So hat zum Beispiel am Montag ein Sommercamp für die Kinder in dem Dorf mit 161 Teilnehmern begonnen, das von einem Priesterkomitee der drei dort ansässigen christlichen Gemeinschaften – der griechisch-orthodoxen, der melkitisch-katholischen und der lateinisch-katholischen – koordiniert wird.
Das Vertrauen habe in dieser schwierigen Zeit sehr gelitten, so Pater Fawadleh, „aber wir glauben an Gott und wir glauben an die Kirche“, die Halt geben könne, fährt er fort. „Ich bitte euch, Taybeh nicht zu vergessen. Sprecht über uns. Betet für uns. Wenn Taybeh seine Menschen verliert, dann verliert die Welt nicht nur ein Dorf, sondern eine lebendige christliche Gemeinschaft.“
(vatican news – pr)
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