Ein Finanzexperte gab einen sicheren Spitzenjob auf, um auf seinen Newsletter zu setzen. Heute erzielt sein Medienunternehmen Millionenumsätze.
CJ Gustafson
Dieser Erfahrungsbericht basiert auf einem Gespräch mit CJ Gustafson, Gründer von Mostly Metrics und CEO von Mostly Media. Der Text wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit bearbeitet.
Wenn ich eine Bäckerei betrete, überlege ich nicht, welches Gebäck ich haben möchte. Stattdessen denke ich darüber nach, wie viele Muffins sie verkaufen müssen, um die Lichter anzulassen. So war ich schon immer gestrickt. Ich schrieb auch gerne, aber ich ging in die Finanzbranche, weil ich Geld verdienen wollte.
Ich landete in der Startup-Welt und half dabei, Tech-Unternehmen zu skalieren. Ich war derjenige, der für den Rest der Organisation das Budget aufstellte und herausfand, wie viel Umsatz und wie viele Neueinstellungen wir brauchten, um unseren operativen Plan zu verwirklichen. Ich lernte, dass es neben den traditionell verwendeten GAAP-Kennzahlen noch andere Wege gibt, den Erfolg eines Unternehmens zu messen.
Es gab damals online kaum Informationen, die andere Wege zur Erfolgsmessung verständlich aufbereiteten. Das wurde mir im Winter 2020 klar, während ich mich auf Cape Cod in Quarantäne befand. Es war kalt und dunkel, also begann ich, rein zum Spaß einen Substack-Newsletter zu schreiben, meistens spätnachts auf der Couch mit meinem Hund.
Ich wusste, dass ich auf etwas gestoßen war, als bekannte Namen aus der Finanzwelt meinen Newsletter abonnierten. Es fällt mir schwer, das zuzugeben, aber ich hatte in meinem E-Mail-Postfach einen Ordner namens „Big Baller Folder“ – und wenn Leute, die in dieser Branche weiter waren als ich, den Newsletter abonnierten oder kommentierten, speicherte ich ihre E-Mails darin.
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Mein Newsletter wuchs, blieb aber noch klein: etwa 4000 Abonnenten. Ich hatte ihn noch nicht monetarisiert. Trotzdem stellte mich das Unternehmen, für das ich arbeitete, vor ein Ultimatum: entweder am Newsletter arbeiten oder bei ihnen bleiben.
Zu kündigen bedeutete, meine Firmenanteile aufzugeben, die auf dem Papier rund 876.000 Euro wert waren. Mein erstes Kind war gerade einmal drei Monate zuvor geboren worden. Und trotzdem ermutigte mich meine Frau, zu gehen. Sie sah, wie sehr mich der Substack-Newsletter beflügelte, und dass er das Potenzial hatte, wirklich groß zu werden.
CJ Gustafson
Etwa zu dieser Zeit wurde mir über einen Kontakt aus meiner Substack-Community eine Stelle als Chief Financial Officer (CFO) angeboten. Das Timing war ein glücklicher Zufall. Ich war erst 31, was sehr jung für einen CFO-Posten ist, und ich hatte ein ausgeprägtes Hochstapler-Syndrom. Ich hatte mir diesen Raum selbst erschrieben, und ich wusste, dass ich es nicht vermasseln durfte.
Es war mir wichtig, in dieser Rolle erfolgreich zu sein, um meine Glaubwürdigkeit in der Branche zu zeigen. Ich half dabei, das Unternehmen innerhalb von zweieinhalb Jahren um das Fünffache zu skalieren. Als wir das Unternehmen verkauften, verdiente ich einige Millionen. Noch wertvoller war jedoch, dass ich mich als CFO bewiesen hatte: Ich konnte ein Unternehmen von A nach B bringen und einen erfolgreichen Exit ermöglichen.
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Während ich in der CFO-Rolle war, baute ich Mostly Metrics weiter aus und erweiterte es schließlich um Podcasts. Etwa zweieinhalb Jahre nach dem Start monetarisierte ich die Inhalte. Ich stellte fest, dass Abonnements nicht der beste Weg waren, also konzentrierte ich mich stattdessen auf Werbung. Meine Leser (und inzwischen auch Hörer) sind die Entscheidungsträger in ihren Unternehmen, weshalb Werbekunden bereit sind, einen Aufpreis zu zahlen, um sie zu erreichen.
Im letzten Jahr, in dem ich noch CFO war, verdiente ich mit Mostly Metrics mehr als mit meinem CFO-Gehalt – rund 1,31 Millionen Euro. Als wir das Unternehmen verkauften, wurde mir klar, dass ich eine Wahl hatte: Ich konnte eine weitere CFO-Stelle annehmen, bei der ich ein Gehalt von etwa 440.000 Euro und etwa ein Prozent des Unternehmenswerts bei einem Verkauf verdient hätte. Das ist ein großartiges Einkommen, aber es ist gedeckelt.
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Oder ich konnte auf mich selbst setzen. Erfolg oder Misserfolg würden ganz an mir hängen, aber das Potenzial war unbegrenzt. Im Februar 2025 machte ich Mostly Media zu meinem Vollzeitjob. Es war die richtige Entscheidung: Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von etwa 3,15 Millionen Euro.
Das ist der beste Job, den ich haben könnte – aber es ist trotzdem ein Job und nicht mehr nur Spaß und Kreativität. Ich gehe mit meinem Hund laufen, um nachzudenken, und lege vor 13 Uhr keine Termine, weil der Morgen für Recherche und Schreiben reserviert ist. Ich habe sogar eine „No-Machine“ in Claude gebaut und nutze die KI, um Einladungen höflich abzusagen.
Ich hoffe, dass mein finanzieller Erfolg meinen drei Kindern die Chance gibt, etwas zu finden, für das sie brennen. Man kann dem Geld hinterherjagen – oder man setzt auf sich selbst und arbeitet an etwas, das einen inspiriert und mit Energie versorgt.
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