Ein Job in Rettung oder Pflege ist hart. Bei Hitze ist er noch härter. Viele Betroffene fragen sich: Muss das so sein?
Nein, die Kleidung sei nicht das Problem, sagt Luis Teichmann. Er arbeitet als Rettungssanitäter. "Das hat schon seine Richtigkeit, dass wir unsere Kleidung tragen - die ist ja auch dafür da, dass sie uns schützt", erklärt er im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler. Luis Teichmann macht als Content Creator und Buchautor immer wieder auf die Probleme im Gesundheitswesen aufmerksam - zum Beispiel auch die fehlende Klimatisierung der Gebäude: "Ich verstehe nicht - wir bauen neue Rettungswachen, neue Feuerwachen, die haben alle eine Heizung, aber keine Klimatisierung." Mit solchen Botschaften erreicht der Rettungssanitäter Hunderttausende.
Die Hitze sorge dafür, dass in den Schlafräumen teils Temperaturwerte von 30 bis 40 Grad herrschten. Unter diesen Bedingungen könne niemand ruhen, so "dass man sich einfach nur wünscht, dass man einen Einsatz fährt, damit man einfach mal rauskommt, weil es unerträglich ist. Das Problem der Hitzewellen trete Jahr um Jahr auf, aber es geschehe nichts. "Nach dem Motto: Eine geht ja noch, bis wir etwas tun müssen", klagt Teichmann.
Da fühlt man sich tatsächlich nicht wertgeschätzt.
Der Rettungssanitäter fordert verbindliche Vorgaben für den Bau sicherheitsrelevanter Infrastruktur. Ein gewisser Prozentsatz der Fläche müsse klimatisiert sein - analog zu Notstrom- oder Brandschutzvorgaben.
HITZE UND ALLE MACHEN MIT!?
In einer Bilanz der Juni-Hitzewelle hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) einen deutlichen Anstieg von Rettungseinsätzen in Teilen Baden-Württembergs verzeichnet. Betroffen waren demnach städtische Gebiete. Rund 50 Prozent mehr Einsätze seien es in dieser Zeit in der Stadt Mannheim gewesen, 40 Prozent mehr in und um Freiburg, knapp 35 Prozent mehr in der Region Karlsruhe - alles im Vergleich zur Vorjahreswoche. Die Steigerungen seien eindeutig auf die Hitze zurückzuführen. Das Stadtgebiet Stuttgart schlug nach DRK-Angaben mit 20 Prozent mehr Einsätzen zu Buche. Die Zahlen beziehen sich auf Einsätze aller Hilfsorganisationen. In neun Rettungsdienstbereichen ist laut DRK außerdem eine außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen worden.
Angesichts dieser Entwicklung haben zwei Drittel der Deutschen Angst, dass der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen zerstört. Nach der jüngsten Hitzewelle erwarten sie, dass die Politik sich mehr kümmert und vorsorgt. Laut dem neuen ARD-Deutschlandtrend verlangen neun von zehn Befragten, dass mehr Geld in den Hitzeschutz gesteckt wird, beispielsweise in Schulen, Krankenhäusern oder im Bahnnetz.
Auch in Krisenzeiten sollte Klimaschutz nicht vernachlässigt werden, finden vor allem die Anhänger der Parteien Bündnis 90/Die Grünen sowie der Partei "Die Linke". Nur bei den Anhängern der AfD gibt es eine deutliche Mehrheit von mehr als 70 Prozent, die sich für Abstriche beim Klimaschutz ausspricht.
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