Die spalterische Rede Donald Trumps steht als Ausrufezeichen hinter einem würdelosen Spektakel zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Sie hatte nicht mehr Substanz als die Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus oder das geplante Autorennen durch die Hauptstadt.
Donald Trump bei seiner Rede auf der National Mall in Washington zu "Salute to America".
Foto: Alex Brandon/AP/dpa/Alex BrandonMeinung | Washington · Die spalterische Rede Donald Trumps steht als Ausrufezeichen hinter einem würdelosen Spektakel zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Sie hatte nicht mehr Substanz als die Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus oder das geplante Autorennen durch die Hauptstadt.
Statt den Moment zu nutzen und die Amerikaner mit einer überparteilichen Festtagsansprache zusammenzubringen, hielt Trump eine Wahlkampfrede, die er mit patriotischem Kitsch und historischen Klischees garnierte.
Als Kulmination inszenierte er sich als größten Präsidenten der USA seit Staatsgründer Washington. Trump möchte sich in Mount Rushmore verewigen lassen, druckt sein Ebenbild in Reisepässe und auf Banner, die von öffentlichen Gebäuden hängen, plant Geldscheine mit seiner Unterschrift und Institutionen mit seinem Namen zu versehen.
In seiner Erzählung lagen die USA am Boden, bevor er sie aufrichtete und in ein goldenes Zeitalter führte. Komisch nur, dass unter ihm so viele Amerikaner das Land verlassen wie zuletzt 1929 während der Großen Depression.
Der Präsident missbrauchte den Auftritt, um seine Gegner vier Monate vor den Kongresswahlen im November als „Kommunisten“ zu denunzieren. Ein absurder Vorwurf, der so wenig mit der Gegenwart zu tun hat wie Trumps Version der amerikanischen Geschichte.
Zur ganzen historischen Wahrheit gehört, dass die Unabhängigkeit der Kolonien von der britischen Krone vielen Ureinwohnern ihre Souveränität kostete und das Unrecht der Sklaverei ignorierte. Beides trägt bis heute zu der tiefen Spaltung der USA bei. Auch das Verhältnis von Religion und Staat, von Bund und Bundesstaaten sowie das Verhältnis zum Rest der Welt bleibt kontrovers.
Trump kleistert die Brüche mit Eigenlob zu. Er brennt ein Feuerwerk der Superlative ab, in dem die USA das beste Land, die Amerikaner die großartigsten Menschen und er selbst ein grandioser Führer ist: GOAT, der Größte aller Zeiten („Greatest Of All Time“) wie seine Superfans auf Schildern und T-Shirts verkünden.
Dass Trumps Finale zum „unvergesslichsten Geburtstag“ auf der National Mall fast ins Wasser fiel, steht als Sinnbild für einen Präsidenten, der erfahren muss, dass er nicht alles kontrollieren kann. Seien es die gerichtlich kassierten Zölle, der gescheiterte Irankrieg, die Algen im Spiegelbecken vor dem Lincoln Memorial oder eben das Wetter.