Unser Autor ist seit frühester Jugend Hertha-Fan. Er durchlebte manch schöne und viele schlechte Zeiten. Jetzt aber wird vielleicht endlich alles gut. mehr...
Unser Autor ist seit frühester Jugend Hertha-Fan. Er durchlebte manch schöne und viele schlechte Zeiten. Jetzt aber wird vielleicht endlich alles gut.
Ich kann doch nichts dafür. Es ist die Ungnade des falschen Geburtsortes, dass ich seit frühester Jugend Anhänger von Hertha BSC bin. Als Hertha-Fan darf man allerdings nicht zimperlich sein. Hertha, gegründet 1892, war einer der ersten reinen Fußballklubs in Deutschland und außerdem Gründungsmitglied der Bundesliga. Mit über 60.000 Mitgliedern ist es einer der 15 größten Sportvereine Deutschlands.
Ich war schon als 12-Jähriger regelmäßig bei den Heimspielen im Olympiastadion, immer mit einer riesigen Hertha-Fahne, die meine Mutter genäht hatte. Dafür gibt es Beweise: In der „Sportschau“ mit Ernst Huberty war deutlich zu sehen, wie nach dem 2:1-Sieg über den 1. FC Köln im September 1968 eine riesige Fahne mit einem Jungen aufs Spielfeld stürmte. Das war ich.
Herthas große Zeiten lagen da aber schon länger zurück. Nach vier verlorenen Endspielen nacheinander klappte es endlich 1930 durch ein 5:4 gegen Holstein Kiel mit der deutschen Meisterschaft und erneut ein Jahr später durch ein 3:2 gegen 1860 München. In beiden Spielen erzielte Hanne Sobek jeweils zwei Tore.
Ich kaufte meine Fußballutensilien allerdings bei Hanne Berndt, dem großartigen Stürmer von Tennis Borussia, der nach dem Ende seiner Karriere, in deren Verlauf er mehr als tausend Tore erzielt hatte, ein Sportartikelgeschäft in der Damaschkestraße eröffnet hatte – gleich um die Ecke von der Landespostdirektion, wo mein Vater arbeitete. Berndt war meistens schlecht gelaunt, was vielleicht am Job und an meinem Hertha-Trikot lag. Man stelle sich vor, Messi müsste am Ende seiner Karriere Fußballschuhe an Kinder in Spanien-Trikots verkaufen. Berndt starb 1988 am 9. April, dem Gründungstag von Tennis Borussia.
Reumütige RückkehrDer Wirt in der Kantine der Landesportdirektion hieß übrigens Usbeck, und sein Sohn Ingo wurde für einen sehr kurzen Augenblick mein Held. 1965 war Hertha aufgrund schwerer Verstöße gegen die Statuten in die Regionalliga zurückgestuft worden. Den Platz in der Bundesliga nahm Tasmania 1900 ein. Nach dem 2:0 am 1. Spieltag gegen Karlsruhe träumte ich bereits von der Meisterschaft, zumal Ingo Usbeck beide Tore erzielt hatte. Und der war praktisch ein Familienmitglied.
Wie es mit Tasmania weiterging, ist bekannt, und ich kehrte reumütig zu Hertha zurück. Dort, in der Altherrenmannschaft, landete übrigens auch Usbeck später. Drei Jahre nach dem Zwangsabstieg kehrte die alte Dame wieder in Deutschlands Eliteklasse zurück. Und es ging aufwärts. 1970 und 1971 kam Hertha auf den 3. Platz, und im Uefa-Pokal scheiterte man erst im Viertelfinale an Inter Mailand.
Es ging nicht lange gutAber das ging, wie bei Hertha üblich, natürlich nicht lange gut. Fast die gesamte Mannschaft war in den Bundesligaskandal 1971 verwickelt und wurde gesperrt. Sie hatten sich die 0:1-Heimniederlage gegen Arminia Bielefeld mit insgesamt 250.000 Mark bezahlen lassen. Torwart Volkmar Groß, der ebenfalls abkassiert hatte, eröffnete später einen Autoladen direkt vor unserer Haustür in der Eisenzahnstraße.
Bald ging es wieder aufwärts, 1975 erreichte Hertha mit der Vizemeisterschaft den bislang größten Erfolg des Vereins. 1978 wurde man nochmals Dritter. Danach ging es wieder bergab. Der Tiefpunkt kam 1986, als Hertha in die Amateuroberliga abstieg und im maroden Poststadion vor einer Handvoll Zuschauer spielen musste. Da wohnte ich allerdings schon in Irland und beobachtete aus der Ferne, wie mein Klub zur Fahrstuhlmannschaft wurde.
Meine Freunde Fritz Eckenga, Wiglaf Droste, Klaus Bittermann und Friedrich Küppersbusch – allesamt Borussia-Dortmund-Fans – schickten stets hämische E-Mails, bis Droste die anderen aufforderte, Mitleid zu zeigen. Das war schlimmer als die gehässigen Kommentare. Da nützte auch mein Hinweis auf Herthas höchsten Bundesligasieg nichts: 9:1 gegen den BVB am 18. April 1970.
2023 folgten der siebte Bundesligaabstieg und der drohende Bankrott. Nach 16 Abgängen und dem Verlust der besten Spieler dachte ich: schuldenfrei in Liga drei. Und jetzt? Tabellenführer! Gegen den Tabellenletzten Holstein Kiel gab es am Freitag aber nur ein Unentschieden. Es sei den Störchen gegönnt, schließlich haben sie Hertha 1930 die Meisterschaft beschert. HaHoHe.
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