Jovica und Simone Pokrjac wurden nach fast vier Jahrzehnten beim insolventen Lampenhersteller Ultinon Motion freigestellt. Das Ehepaar aus Aachen erhielt die Nachricht per App und sucht nun mit 56 und 58 Jahren nach einer neuen Arbeitsstelle.
Jovica und Simone Pokrjac wurden nach fast vier Jahrzehnten beim insolventen Lampenhersteller Ultinon Motion freigestellt. Das Ehepaar aus Aachen erhielt die Nachricht per App und sucht nun mit 56 und 58 Jahren nach einer neuen Arbeitsstelle.
Statt Arbeitskleidung tragen Jovica und Simone Pokrjac an diesem Wochentag bereits am frühen Nachmittag Freizeitkleidung. Seit knapp vier Wochen bestimmen Bewerbungen und die Ungewissheit über ihre berufliche Zukunft ihren Alltag.
Die Nachricht, dass sie am Montag nicht mehr zur Arbeit kommen sollten, erreichte die beiden per App. Jovica Pokrjac zeigt sich immer noch fassungslos. Gegenüber Sat.1 Bayern sagt er: „Das war das Erniedrigendste überhaupt. In einer App die Nachricht zu bekommen, dass man am Montag nicht mehr kommen braucht.“ 38 Jahre hatten die beiden bei dem Lampenhersteller gearbeitet. Dort hatten sie sich auch kennengelernt. Später heirateten sie, fuhren täglich gemeinsam zur Arbeit und wollten eigentlich bis zum Rentenalter im Unternehmen bleiben.
Inzwischen ist Ultinon Motion insolvent. Fast die Hälfte der Beschäftigten musste das Unternehmen verlassen. Für das Ehepaar ist die Situation auch finanziell und familiär belastend. Die beiden haben zwei noch schulpflichtige Kinder. „Das bereitet mir oder uns beiden wirklich ganz viele schlaflose Nächte. Ich schlafe seit einem Monat gar nicht mehr durch“, so Pokrjac.
Wer das Unternehmen verlassen musste, wurde nach Sozialplan entschieden. Insolvenzverwalter Wolfgang Piroth teilte auf Anfrage mit: „Selbstverständlich wurde eine Sozialwahl durchgeführt.“ Jeder Mitarbeiter sei auf Grundlage der maßgeblichen Kriterien und arbeitsrechtlichen Vorgaben sorgfältig geprüft worden. Zugleich sei bekannt, wie belastend die Situation für die Betroffenen sei.
Warum es ausgerechnet sie getroffen hat, können die Pokrjacs nicht nachvollziehen. Aufgrund ihres Alters, ihrer langen Betriebszugehörigkeit und ihrer familiären Situation hätten sie nach eigener Einschätzung im Punkteranking weit oben stehen müssen. Nach Angaben der Firmenseite können zu einzelnen Mitarbeitern aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Angaben gemacht werden.
Zum Zeitpunkt der Aufnahmen hatten die beiden trotz mehrfacher Nachfrage noch keine offizielle Kündigung erhalten. Nun warten sie weiter auf Klarheit.