Ein 1,5 Kilometer langer Tunnel soll Santos und Guarujá verbinden. Die Fahrzeit sinkt von mehr als einer Stunde auf rund fünf Minuten.
Brasilien baut eine direkte Verbindung zwischen Santos und Guarujá. Ein 1,5 Kilometer langer Absenktunnel soll den Hafenverkehr entlasten und 2031 öffnen. Auch an Radfahrer und Fußgänger wurde gedacht.
Eine Stunde Fahrtzeit soll künftig auf wenige Minuten schrumpfen: Brasilien plant einen spektakulären Tunnel zwischen den Städten Santos und Guarujá im Bundesstaat São Paulo. Die Verbindung führt unter dem Hafenkanal von Santos hindurch und soll eine direkte Alternative zu den bisherigen Fährverbindungen und Straßenumwegen schaffen. Das berichtet das französische Online-Medium „Linternaute“ unter Berufung auf das brasilianische Medium „ND+“ und offizielle Unterlagen der Regierung von São Paulo.
Das Projekt ist inzwischen weit mehr als eine Vision. Im September 2025 erhielt das portugiesische Bauunternehmen Mota-Engil den Zuschlag für das Vorhaben. Im Januar 2026 wurde der Konzessionsvertrag unterzeichnet. Der Tunnel soll im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft gebaut, betrieben und instand gehalten werden.
Der geplante Tunnel wird insgesamt rund 1,5 Kilometer lang. Davon liegen 870 Meter unter dem Hafenkanal. Wichtig: Dabei handelt es sich um die Länge des unter Wasser verlaufenden Tunnelabschnitts – nicht um eine Tiefe von 870 Metern.
Gebaut wird nicht mit einer klassischen Tunnelbohrmaschine. Stattdessen kommt die Technik eines Absenktunnels zum Einsatz. Vorgefertigte Tunnelmodule werden zunächst in einer eigens dafür vorgesehenen Anlage hergestellt. Anschließend werden sie auf dem Wasserweg an ihren Einsatzort gebracht und in einen zuvor ausgehobenen Graben auf dem Grund des Kanals abgesenkt.
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Dort werden die Elemente miteinander verbunden und anschließend mit Schutzmaterial bedeckt. Der Vorteil des Verfahrens: Der wichtige Schifffahrtsweg an der Oberfläche soll weiter genutzt werden können.
Der Tunnel ist nicht nur für Autos gedacht. Geplant sind sechs Fahrspuren, jeweils drei in jede Richtung. Hinzu kommen eine Radwegverbindung und ein eigener Bereich für Fußgänger.
Auch Lastwagen und öffentlicher Verkehr sollen die neue Verbindung nutzen können. Nach den Projektplanungen kann außerdem später ein Stadtbahnsystem beziehungsweise ein leichtes Schienenfahrzeug integriert werden.
Damit soll der Tunnel eine wichtige Funktion für die gesamte Region übernehmen. Er verbindet die beiden Städte direkt und soll zugleich den Verkehr rund um den Hafen von Santos verbessern.
Der Bedarf für die neue Verbindung ist erheblich. Nach Angaben des Bundesstaates São Paulo überqueren derzeit mehr als 28.000 Menschen täglich den Kanal zwischen Santos und Guarujá – vor allem mit kleinen Booten und Fähren.
Für Autofahrer gibt es bislang keine direkte feste Straßenverbindung. Sie müssen einen Umweg über das Straßennetz rund um den Hafen nehmen. Zu Stoßzeiten kann die Fahrt dadurch bis zu einer Stunde dauern. Der neue Tunnel soll diese Verbindung auf etwa fünf Minuten verkürzen.
Die geplanten Investitionen belaufen sich auf 6,8 Milliarden brasilianische Real. Das entspricht je nach Wechselkurs grob mehr als einer Milliarde Euro.
Ein erheblicher Teil des Geldes kommt aus öffentlichen Kassen: Der Bundesstaat São Paulo gibt auf seiner Projektseite einen öffentlichen Beitrag von 5,14 Milliarden Real an. Das Projekt wird als sogenannte „concessão patrocinada“ umgesetzt – eine Form der öffentlich-privaten Partnerschaft, bei der der private Betreiber Einnahmen erzielt und zugleich öffentliche Zahlungen erhält.
Der Konzessionsvertrag läuft 30 Jahre. Die private Seite ist für Bau, Betrieb und Instandhaltung der Infrastruktur verantwortlich.
Den Zuschlag erhielt im September 2025 die portugiesische Mota-Engil. Bei der Ausschreibung setzte sich das Unternehmen gegen weitere Interessenten durch. Im Januar 2026 wurde anschließend der Konzessionsvertrag unterzeichnet. Damit ist das Projekt inzwischen vertraglich auf den Weg gebracht.
Allerdings gibt es bei dem Milliardenprojekt weiterhin Fragen zur Kontrolle der öffentlichen Mittel. Der brasilianische Rechnungshof TCU begleitet das Vorhaben und hatte unter anderem Schwachstellen bei der Governance zwischen dem Bundesstaat São Paulo und der brasilianischen Zentralregierung festgestellt.
Dabei geht es unter anderem darum, wie die Bundesmittel eingesetzt und kontrolliert werden und wie die Zuständigkeiten zwischen den beteiligten Behörden geregelt sind. Der TCU verlangte entsprechende Regelungen zur Überwachung der Bundesmittel.
Die Inbetriebnahme ist derzeit für 2031 geplant.
Eine besondere Herausforderung ist die Lage des Tunnels. Er entsteht direkt unter dem Schifffahrtskanal des Hafens von Santos, einem zentralen Umschlagplatz für Brasiliens Außenhandel. Genau deshalb wurde der Absenktunnel gewählt. Die Tunnelteile können außerhalb des eigentlichen Schifffahrtsweges hergestellt und anschließend an ihren vorgesehenen Platz gebracht werden.
Die Idee für eine feste Verbindung zwischen Santos und Guarujá ist keineswegs neu. Nach Angaben der Stadt Santos wurde bereits 1927 ein erstes Tunnelprojekt vorgeschlagen.
Mehrere Anläufe scheiterten anschließend. Erst mit dem jetzt gewählten PPP-Modell und der Beteiligung von Bund und Bundesstaat soll das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden.
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