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Robco ist mehr als eine Milliarde Dollar wert: Deutschlands Roboter erobern Fabriken – auch in den USA

Дата публикации: 08-10-2026 16:44:00

Das Münchner Start-up Robco ist mehr als eine Milliarde Dollar wert. Doch ausgerechnet jetzt zieht es den Gründer für den nächsten Wachstumsschub in die USA.

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Robco ist sechs Jahre alt und über eine Milliarde Dollar wert. Das Münchner Start-up will Fabrikarbeit mit KI neu erfinden. Für den Wachstumsschub zieht der Gründer weg.

Deutschland kann also doch noch Einhörner. Sie haben inzwischen zwei Arme, arbeiten in Fabrikhallen und beschweren sich nicht über Nachtschichten. Das Münchner Robotik-Start-up Robco baut solche Typen und ist jetzt mehr als eine Milliarde Dollar wert. Es hat damit den so genannten „Einhorn“-Status erreicht.

Robco erreicht Unicorn-Grenze

Eine Finanzierungsrunde über gut 40 Millionen Dollar, an der sich alte und neue Investoren beteiligen, hebt die Bewertung über die magische Unicorn-Grenze. Zu den Geldgebern gehören Schwergewichte wie Sequoia und Lightspeed, neu dabei sind unter anderem Cherry Ventures und das European Tech Collective.

Innerhalb von neun Monaten hat sich damit die Bewertung von Robco verdoppelt. Erst im Januar hatte das Unternehmen 100 Millionen Dollar eingesammelt. Insgesamt sind seit der Gründung annähernd 200 Millionen Dollar zusammengekommen. Und eigentlich, sagt Firmenchef Roman Hölzl, braucht Robco das neue Geld gar nicht dringend. Rund 100 Millionen Dollar habe man noch auf der Bank.

Das ist für ein sechs Jahre altes Unternehmen eine komfortable Ausgangslage. Offenbar wetten Investoren gerade mit viel Geld darauf, dass nach der künstlichen Intelligenz im Computer nun die künstliche Intelligenz in der realen Welt ankommt.

Nach ChatGPT kommt der Roboter

Die Branche hat dafür einen Begriff gefunden, der derzeit auf keiner Investorenpräsentation fehlen darf: „Physical AI“. Künstliche Intelligenz soll nicht mehr nur Texte schreiben, Bilder malen oder Tabellen analysieren. Sie soll sehen, entscheiden, zugreifen und handeln, wie es Menschen tun. Robco macht genau das. Bisher hat das Unternehmen vor allem modulare Robotersysteme gebaut.

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Hardware und Software kommen aus einer Hand. Die Systeme lassen sich für Aufgaben wie Palettieren, Schweißen, Dosieren oder die Bedienung von Maschinen einsetzen. Zu den Kunden zählen nach Unternehmensangaben BMW, T-Systems und der Kabelspezialist Rosenberger. Mehr als 1000 Systeme hat Robco inzwischen verkauft.

Fokus auf schnell lernenden Maschinen

Der Clou ist die Software. Statt für jede neue Aufgabe eine kleine Welt um den Roboter herumzubauen und Spezialisten wochenlang programmieren zu lassen, sollen Robcos Maschinen möglichst schnell lernen und sich an veränderte Abläufe anpassen.

Damit zielt das Unternehmen auf eine Schwachstelle klassischer Industrieautomation. Roboter sind brillant, solange die Welt um sie herum schön ordentlich bleibt. Ein Autoteil liegt immer an derselben Stelle, das Förderband läuft immer gleich schnell, der nächste Handgriff ist vorhersehbar. Das echte Fabrikleben ist häufig weniger geordnet, was Roboter regelmäßig aus der Fassung bringt.

Alfie soll selbst lernen

Im kommenden März will Robco den nächsten Schritt machen. Dann soll „Alfie“ kommerziell starten, ein zweiarmiger autonomer Industrieroboter. Alfie soll wahrnehmen, schlussfolgern und handeln können und damit auch Aufgaben bewältigen, bei denen sich Situationen verändern. Robco spricht von Tätigkeiten, an denen traditionelle Automatisierung bislang scheitert: wechselnde Produkte, unstrukturierte Umgebungen, komplexere Handgriffe. Erste Prototypen sind bereits bei Kunden im Einsatz.

Der Markt, auf den Robco zielt, ist gewaltig. Weltweit arbeiteten 2025 erstmals rund fünf Millionen Industrieroboter in Fabriken. Allein in diesem Jahr wurden mehr als 600.000 neue Maschinen installiert. Und Fortschritte bei KI, Kamerasystemen und Sensoren erweitern gerade den Bereich der Tätigkeiten, die sich überhaupt sinnvoll automatisieren lassen. Deutschland ist bei der klassischen Fabrikautomation Weltspitze. Mit 449 Industrierobotern je 10.000 Beschäftigten in der Fertigung liegt Deutschland bei der Roboterdichte international weit vorne.

Deutschland ist bei der Roboter-KI schon ganz vorne dabei

Neben Robco haben auch Agile Robots aus München und Neura Robotics aus Metzingen die Milliardenbewertung erreicht. Neura kündigte im Juni eine Finanzierungsrunde von bis zu 1,4 Milliarden Dollar an. Hinter ihr stehen Namen wie Nvidia, Amazon, Qualcomm, Bosch und Schaeffler. Das Unternehmen wurde dabei Medienberichten zufolge mit rund sieben Milliarden Dollar bewertet.

Es ist eine seltene Konstellation: Bei einer der möglicherweise wichtigsten Technologien der kommenden Industrieära muss Deutschland nicht erst mühsam versuchen, den Anschluss wiederzufinden. Es ist schon da.

Der Chef zieht nach Amerika

Und trotzdem steckt in der Robco-Erfolgsgeschichte eine Warnung, denn Roman Hölzl ist jetzt in die USA gezogen. Die Vereinigten Staaten sind bereits Robcos am schnellsten wachsender Markt. Das Unternehmen produziert und montiert in Austin, Texas, betreibt ein Forschungslabor in San Francisco und ist mit Kunden in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten aktiv. Rund 70 Prozent des Geschäfts liegen zwar noch in Europa. Doch Hölzl erwartet, dass die USA in absehbarer Zeit ähnlich groß werden.

Warum Robco jetzt auf den US-Markt setzt

Der Boden dafür wurde früh bereitet. Schon 2025 kaufte Robco Teile des amerikanischen Robotikunternehmens Rapid Robotics samt Hardware, Kunden und Team. Innerhalb weniger Monate baute das Unternehmen zwei Montagestandorte in Austin auf.

Dahinter steckt eine ökonomische Logik: Amerika will Industrieproduktion zurückholen, gleichzeitig fehlen Arbeitskräfte. Wer mehr in den USA produzieren will, ohne genügend Menschen für die Fabriken zu finden, braucht Automatisierung. Robco verkauft dafür die Maschinen.

USA als Wachstumsmotor

Das Unternehmen ist damit ein gutes Beispiel für die Rollenverteilung im Technologiegeschäft: Die Ingenieurskunst kann aus München kommen, das große Wachstum lockt trotzdem in Amerika. Hölzl will nach weniger als zwei Jahren zurück nach Deutschland. Auch der Kern der Produktion soll in Deutschland bleiben. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz nach Angaben Hölzls verdreifacht. In diesem Jahr soll er sich erneut verdreifachen. Konkrete Umsatzzahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Klar wird: Robco ist eines der wenigen europäischen Robotikunternehmen, die Investoren inzwischen mit mehr als einer Milliarde Dollar bewerten. Die Maschinen werden weiterhin in Deutschland gebaut. Der Chef aber sitzt jetzt erstmal dort, wo er das größere Wachstum sieht: in Amerika.

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