Die EU will eigene Kapazitäten bei wichtigen Rohstoffen aufbauen. Für Anleger kann das eine Chance sein. Ein Experte verrät, worauf sie achten sollten.
Die EU will eigene Kapazitäten bei wichtigen Rohstoffen aufbauen. Für Anleger kann das eine Chance sein. Ein Experte verrät, worauf sie achten sollten.
Die EU geht davon aus, dass der Bedarf an Wolfram in Zukunft drastisch wachsen wird, und hat das Edelmetall darum auf die Liste der kritischen Rohstoffe gesetzt. Dort stehen auch Rohstoffe wie Aluminium und Kupfer – und sämtliche seltenen Erden.
„Bauarbeiten laufen seit Mai 2026; Produktionsbeginn für das erste Quartal 2029 anvisiert“, heißt es auf der Homepage von Abenójar Tungsten. Das spanische Bergbauunternehmen hat vor, langfristig in der sogenannten El-Moto-Mine Wolfram abzubauen (Englisch: Tungsten). Eine Machbarkeitsstudie hatte gezeigt, dass dort 91 Millionen Tonnen Wolframerz lagern und 1,2 Millionen Unzen Gold.
Eigentlich sollte die Mine bereits 2027/2028 mit der Produktion beginnen. „El Moto“ wurde sogar als „Europäisches Strategisches Projekt“ deklariert, was zum Beispiel beschleunigte Genehmigungsverfahren und Unterstützung bei der Investorensuche bedeuten kann. Dass die Produktion nun ein Jahr später beginnen soll, zeigt, dass selbst der Beschleunigungswille der Behörden nicht vor Verzögerungen schützt.
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Wolfram ist einer der wichtigsten Rohstoffe für die Werkzeugherstellung und auch der Verteidigungssektor kann nicht auf das Metall verzichten. Mit einer hohen Dichte und einem hohen Schmelzpunkt kommt es zum Beispiel in Hochleistungswerkzeugen und in Munition vor.
Laut Lewis Black, CEO des Rohstoffunternehmens Almonty Industries, dauert der Aufbau oder die Wiederinbetriebnahme einer Mine in demokratischen Ländern „typischerweise“ acht bis zehn Jahre. „Die üblichen Engpässe sind Genehmigungen, Umweltprüfungen und Einsprüche, eine Metallurgie, die sich als schwieriger herausstellt als die Bohrergebnisse vermuten ließen, und die Finanzierung“, verrät er FOCUS online.
Warum das relevant ist: Um die wichtigen Rohstoffe tobt ein harter Wettbewerb und China, das Land mit den größten Rohstoffkapazitäten, schließt eine eiserne Faust um eben diese.
Europa hat hier das gravierende Problem, dass es an Fachpersonal fehlt.
„Nach Jahrzehnten chinesischen Preisdumpings ist im Westen das meiste operative Know-how verloren gegangen, in den Unternehmen ebenso wie in den Genehmigungsbehörden“ – Lewis Black
In den frühen Zehnerjahren waren bereits viele junge Rohstoffunternehmen genau an diesem Punkt gescheitert. Sie hatten sich mit Investorengeldern eingedeckt und wollten Lagerstätten bearbeiten, die sie nicht verstanden hatten, bemängelt Black. „Wolfram gehört zu den Metallen, die am schwierigsten abzubauen und aufzubereiten sind.“
Die Regierung in Peking verstärkt diesen Effekt, indem sie aktiv den Abfluss von Know-how verhindert. Dasselbe passiert bei der Technologie zur Verarbeitung von kritischen Rohstoffen. Im Kern zielen diese Maßnahmen darauf ab, das chinesische Monopol auf Rohstoff-Kapazitäten zu erhalten. Beim Abbau (und besonders bei der Verarbeitung) von kritischen Rohstoffen kontrolliert das „Reich der Mitte“ so große Anteile der globalen Kapazität wie sonst kein Land.
Heute zwingt die chinesische Politik Europa dazu, die eigene Rohstoffbranche wieder aufzubauen. Unter dem Dach des Critical Raw Materials Act versucht die Länderunion, die Lieferketten stärker zu diversifizieren. Für potenzielle Anleger zeigt der Fall „El Moto“: Europäische Rohstoffunternehmen, die als strategisches Projekt markiert sind, sind quasi von „oben“ gewollt und können Wettbewerbsvorteile erhalten.
Wenn Sie in Wolfram-Unternehmen investieren wollen, sollten Sie die folgenden Fragen beantworten können:
Besonders viel Zeit bleibt Europa nicht: Nachdem chinesische Unternehmen schon die Verarbeitung aus Europa vertrieben hat, könnten nun die Endprodukte dran sein. Wegen der hohen Wolframpreise mussten Unternehmen in Deutschland und Europa bereits die Produktion drosseln oder gar ganz einstellen. „Wir verlieren immer mehr Aufträge, da chinesische Hersteller mit Werkzeugen auf den Markt kommen, die 50 Prozent günstiger sind“, zitiert Argus Media einen Anbieter von Wolframpulver in Europa. Wenn sich die Marktbedingungen nicht bessern, könnten noch mehr Unternehmen nach China abwandern.