Russland exportiert 2026 deutlich mehr Öl über die Nördliche Seeroute. Welche Rolle die Arktis für den Weltmarkt spielt und was das für Spritpreise bedeutet.
Wegen West-Sanktionen sucht Russlands Wirtschaft nach Alternativen, um Öl und Gas auszuliefern. In der Nördlichen See-Route (NSR) hat sie eine Lösung gefunden.
Russland exportiert deutlich mehr Öl über die Nördliche Seeroute (NSR) als zuvor. Wie aus Händlerangaben hervorgeht, haben die Ölexporte im Jahr 2026 schon jetzt das Volumen des Vorjahres um fast 50 Prozent übertroffen. Vom Beginn der Schifffahrtsaison im Juli bis Mitte Oktober sollen so schon rund 20 Millionen Barrel Öl nach Asien gelangt sein. Am hinteren Ende der Lieferkette kann das Auswirkungen auf Tankstellenpreise haben.
Das Wichtigste in Kürze:
Die NSR verbindet Russlands westliche Häfen über arktische Gewässer mit den asiatischen Märkten. Üblicherweise gilt sie als gefährliche und kostspielige Route, auch wenn sie im Zuge der Erderwärmung zunehmend als Chance betrachtet wird. 2026 trugen die massiven Störungen auf anderen Schifffahrtswegen dazu bei, dass die NSR attraktiver wurde.
Neben der De-Facto-Blockade der Straße von Hormus gab es auch im Schwarzen Meer und im Suezkanal Probleme. Diese geopolitischen Krisen haben die Frachtraten für Tanker auf Rekordhöhen getrieben.
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„Wenn ein Schiff durch den Umweg zwei Wochen länger unterwegs ist, steht es zwei Wochen länger nicht für den nächsten Transport zur Verfügung. Dadurch werden Transportkapazitäten knapper. Wie stark die Frachtraten steigen, hängt aber sehr vom Schiffstyp und von der Route ab“, erklärte der Verband Deutscher Reeder (VDR) im September.
Die teureren Frachtraten führen dazu, dass Rohöl aus den USA für asiatische Raffinerien kaum mehr gewinnbringend ist. Im Vergleich zur üblichen Route nach Asien durch das Rote Meer fallen die hohen Gebühren für die Durchfahrt der NSR plötzlich weniger stark ins Gewicht.
Laut „CBC“ gehen Händler davon aus, dass das Volumen von russischem Öl, das über die Arktisroute exportiert wird, bis zum Ende der Schifffahrtssaison um noch einmal fünf bis zehn Millionen Barrel steigt (ein Barrel entspricht 159 Liter).
Alexander Djukow, Unternehmenschef des großen Ölkonzerns Gazprom Neft, zeigt sich ähnlich optimistisch. Gegenüber Journalisten teilte er mit, dass die Lieferungen des Konzerns zwischen 2025 und 2026 um 35 Prozent wachsen sollen. Kreml-Chef Wladimir Putin legt ebenfalls große Hoffnungen in die NSR. Bis 2030 soll das gesamte Handelsvolumen über die arktische Passage sich pro Jahr auf 70 Millionen Tonnen belaufen. Daten aus Russland lassen sich nicht unabhängig überprüfen. In der Vergangenheit hatte das Land seine Zielvorgaben bezüglich der nördlichen Route bereits deutlich verfehlt.
Für westliche Industriestaaten gibt es bei diesen russischen Exporten ein Dilemma. Einerseits sollen umfangreiche Wirtschaftssanktionen dafür sorgen, dass Moskau mit Energieexporten so wenig Geld verdient wie nur möglich, andererseits ist Russland einer der wichtigsten Lieferanten für Öl und Gas – und jedes Barrel Öl, das das Land ausliefert, bedeutet weniger Druck für den internationalen Ölmarkt.
Russland hat einen Anteil von um die elf Prozent an der globalen Ölproduktion. Stärker sind nur die USA selbst. 2024 hatte auch Saudi-Arabien mehr produziert, aber im Zuge der Hormus-Krise brachen Export und Produktion ein. Dem Markt fehlen große Mengen an Öl, und sobald das passiert, ohne dass die Nachfrage im selben Maße zurückgeht, wird es teurer.
Die Aussicht auf mehr Öllieferungen aus Russland wegen US-Sanktionsausnahmen hatte am Markt zumindest kurzzeitig für mehr Hoffnung gesorgt. Im Großhandel hatten die Preise für WTI- und Brent-Rohöl leicht nachgegeben. Ein deutliches Plus an Lieferungen über die NSR würde einen ähnlichen Effekt haben: Wenn Asien mehr russisches Öl bekommt, muss es dafür weniger Öl und Gas anderweitig einkaufen, was die Situation für europäische Käufer erleichtert.
In Deutschland macht sich die Situation überall dort bemerkbar, wo Öl und Gas gekauft werden müssen. Heizöl, der neue Gasvertrag oder die Tankladung fürs Auto – all das ist seit Beginn der Hormus-Krise drastisch teurer geworden. Über die Produktionskosten und das, was die Wirtschaft draufzahlt, kommt das doppelt bei den Verbrauchern an – sie bezahlen sowohl mehr für Energie als auch für Nahrungsmittel oder andere Produkte, weil die Händler ihre Preise erhöhen.
Im bundesweiten Durchschnitt kostete der Liter Super am Montag (19. Oktober) 2,17 Euro. Im Vergleich zum 60-tägigen Durchschnitt ist das ein leichtes Minus. Beim Diesel ist es ähnlich: Der Preis lag bei 2,25 Euro pro Liter. Seit einigen Wochen ist ein neuer Tankrabatt wirksam, der das Tanken billiger machen soll.
Vor Beginn des Iran-Konflikts war der Liter Diesel noch für 1,75 Euro verkauft worden.
Mit diesen fünf Tipps sparen Sie jetzt an der Zapfsäule.
1. Vormittags tanken. Idealerweise zwischen 10 und 11 Uhr. Der günstigste Zeitpunkt ist direkt vor der 12-Uhr-Erhöhung. Die Preise sind dann am niedrigsten, weil sie seit dem Vorabend nur noch gefallen sein können.
2. Abends ab 20 Uhr als Alternative. Wer nicht bis zum nächsten Tag warten will, kann stattdessen ab 20 Uhr tanken. Die Ersparnis gegenüber dem Mittagspreis beträgt dann durchschnittlich 4,8 Cent pro Liter.
3. Preisvergleich nutzen. Da alle Tankstellen gleichzeitig um 12 Uhr erhöhen, aber unterschiedlich schnell danach senken, gibt es nachmittags größere Preisunterschiede als früher.
4. Nicht in Panik geraten. Der 12-Uhr-Sprung sieht dramatisch aus, ist aber kein Zeichen für eine Preisexplosion. Es ist die gebündelte Tageserhöhung, die früher über den ganzen Tag verteilt war.
5. Autobahntankstellen meiden. Der Autobahn-Aufschlag liegt im Schnitt bei 20 bis 30 Cent über dem Preis abseits der Autobahn. Bei 50 Litern sind das 10 bis 15 Euro Unterschied.
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