In Jerewan beraten Staaten über den Schutz der Artenvielfalt. Forschende aus Mitteldeutschland verfolgen die Verhandlungen und hoffen, dass aus den internationalen Zielen konkrete Maßnahmen werden.
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Biodiversität
Weltnaturkonferenz: Dresdner Forscher hoffen auf neue Impulse für den NaturschutzStand: 21.10.2026 10:21 Uhr
Wie lässt sich der weltweite Verlust der Artenvielfalt aufhalten? Bei der Weltnaturkonferenz COP17 in Armenien beraten die Staaten in den nächsten zwei Wochen über die Umsetzung internationaler Naturschutzziele. Auch Forschende aus Mitteldeutschland sind vor Ort und hoffen auf neue Impulse.
von Kristin Kielon
Die Eindrücke vom ersten Tag der COP 17 in Jerewan sind noch ganz frisch: Eine Konferenz wie eine Weltexpo des Naturschutzes – so beschreibt Karsten Grunewald vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden seinen ersten Eindruck. Menschen aus aller Welt, aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft kommen in Jerewan zusammen. Insgesamt rund 30.000 Menschen werden in Armenien erwartet.
Es ist sehr bunt, sehr lebendig und unglaublich vielfältig. Dr. Karsten Grunewald, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)
Seit Anfang der Woche treffen sich in der Hauptstadt Jerewan Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zur 17. Weltnaturkonferenz der Vereinten Nationen. Im Mittelpunkt steht eine erste globale Bilanz des 2022 beschlossenen Weltnaturabkommens: Wie weit ist die Staatengemeinschaft bei ihren Zielen zum Schutz der biologischen Vielfalt gekommen? Und was muss passieren, damit diese bis 2030 erreicht werden?
Auch Forschende aus Mitteldeutschland sind bei der Konferenz vertreten. Neben dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden sind unter anderem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) oder vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) dabei.
Neue Impulse für internationale NaturschutzzieleDrei Forscher des Forschungsbereichs "Landschaft, Ökosysteme und Biodiversität" am IÖR aus Dresden sind in Armenien vor Ort. Sie erleben die Veranstaltung als großen Treffpunkt für unterschiedliche Perspektiven auf den Naturschutz, erzählen sie. Die Konferenz sei gut organisiert, vielfältig und biete zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch.
Die Dresdner sind als Beobachter angemeldet und nehmen nicht an den offiziellen politischen Verhandlungen teil. Sie wollen aber trotzdem wissenschaftliche Erkenntnisse einbringen und Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern knüpfen. Ihre Hoffnung sei, dass die Konferenz "noch mal neuen Schwung bringt auf politischer Ebene", sagt IÖR-Forscher Wolfgang Wende.
Es hapert an der UmsetzungDenn bei der Umsetzung der vereinbarten Ziele aus den vergangenen Konferenzen sieht er großen Nachholbedarf. Zu den zentralen Vorhaben gehört das sogenannte 30x30-Ziel: Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz stehen. Außerdem sollen geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden.
"Da liegen wir alle weit hinten", sagt Wende mit Blick auf die Fortschritte. Und die Zeit drängt: "2030 ist in vier Jahren", gibt er zu bedenken. Auch die internationale Bestandsaufnahme zeigt, dass die Staatengemeinschaft bei den meisten Zielen noch nicht auf Kurs ist. Einem UN-Bericht zufolge ist die Staatengemeinschaft bei 22 von 23 definierten Zielen bislang nicht auf Kurs.
Wie sich das ändern kann, wissen die Forscher vom IÖR. Sie sind nämlich auch vor Ort, um zu zeigen, wie Forschung politische Entscheidungen unterstützen kann. Dazu präsentieren sie am Rande der Konferenz ein Projekt, das sie in Zusammenarbeit mit armenischen Kolleginnen und Kollegen bearbeitet haben. Die Dresdner Wissenschaftler haben darin Ökosysteme in Armenien erfasst und arbeiten daran, deren Leistungen sichtbar und messbar zu machen. Dazu gehört etwa, welchen Nutzen natürliche Lebensräume für Menschen und Wirtschaft haben.
Ralf-Uwe Syrbe, der sich am IÖR mit der Kartierung und Bewertung von Ökosystemleistungen beschäftigt, beschreibt den Ansatz so: Die Forschenden wollen "diese Leistung der Natur messen und in Indikatoren sowie in klaren Zahlen kompakt anbieten". So lasse sich erkennen, "was hat man erreicht, was man noch verbessern kann und wo die Lücken sind". Solche Daten könnten helfen, den Wert intakter Ökosysteme bei politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen.
Trotz des Handlungsbedarfs rechnen die Dresdner nicht unbedingt mit einem großen Sprung nach vorn. Biodiversitäts-Forscher Wende hält es für wichtig, dass die internationale Gemeinschaft den Schwung des 2022 beschlossenen Weltnaturabkommens beibehält. Die Konferenz sei auch in Zeiten anderer Krisen wichtig, damit die Notwendigkeit des Natur- und Biodiversitätsschutzes sichtbar bleibe.
Ob die COP tatsächlich Fortschritte bringt, wird sich in den kommenden zwei Wochen zeigen. Dann will auch Bundesumweltminister Carsten Schneider in Armenien am Verhandlungstisch sitzen. Entscheidend ist, ob die Staaten ihre Zusagen in konkrete Maßnahmen übersetzen und die vereinbarten Ziele konsequenter verfolgen.
Hier erfahren Sie mehr über die Forschung am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und die COP17-Veranstaltung "Ecosystem Accounting – new information basis for decision-making on nature-friendly policies, with examples from Armenia and Germany".