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„Cool“, aber tödlich: Messergewalt grassiert unter Teenies

Дата публикации: 03-10-2026 14:23:00

In den letzten Jahren gab es viele Fälle von Messerkriminalität unter Jugendlichen. Strafverteidiger Burkhard Benecken schildert solche Fälle in seinem Buch „Wenn Teenager eskalieren“. Hier ein Auszug.

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In den letzten Jahren gab es viele Fälle von Messerkriminalität unter Jugendlichen. Strafverteidiger Burkhard Benecken schildert solche Fälle in seinem Buch „Wenn Teenager eskalieren“. Hier ein Auszug.

Erjon S., 17, brüllte bei der Attacke im Jahr 2025 auf eine Lehrerin am Berufskolleg Bildungspark in Essen „Allahu Akbar“. Mit seinem Messer stach er wahllos zu. In einem Video glorifizierte der Kosovare seine Tat durch islamistische Hasstiraden. Sein Opfer habe den Propheten beleidigt, deshalb will der Schüler zugestochen haben. In dem Clip skandierte der Täter erneut „Allahu Akbar“.

Zuvor soll der Jugendliche in einem Bus in Essen einen Obdachlosen von hinten in den Rücken gestochen haben. Zunächst hatte der Mann nichts bemerkt. Erst nach längerer Zeit stellten sich starke Schmerzen ein, sodass er den Busfahrer bat, einen Krankenwagen zu rufen. Nur durch eine Notoperation konnte sein Leben gerettet werden.

Laut Innenministerium war der Jugendliche bereits wegen Bedrohung, Verstoßes gegen das Waffengesetz beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung und Besitzes von Kinderpornografie polizeibekannt. So soll der mutmaßliche Messerstecher ein Mädchen mit dem Tode bedroht haben. Im Frühjahr 2025 soll Erjon S. einen Mitschüler nach einem Streit über religiöse Fragen mit Pfefferspray angegriffen haben.

Bei seiner Festnahme durch Spezialeinsatzkräfte wurde der Tatverdächtige schwer verletzt, überlebte aber seine Schusswunden. Die Bundesanwaltschaft hatte den Islamisten im April wegen dreifachen Mordversuches beim Staatsschutzsenat in Düsseldorf angeklagt. Der Prozess läuft noch.

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4 103 Fälle mit dem Tatmittel Messer registrierte allein das Landeskriminalamt NRW im vorvergangenen Jahr. Ein Plus von 16 Prozent. Exakt 42,7 % der Tatverdächtigen waren noch keine 21 Jahre alt. Bundesweit gehen laut Bundeskriminalamt von den gut 29.000 Straftaten mit einem Messer etwa 40 Prozent auf das Konto von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden bis zum Alter von 20 Jahren – Tendenz steigend.

Zahlreiche dieser Messer-Teenager habe ich schon verteidigt. Inzwischen gehört es gerade unter Schülern zum guten Ton, eine Stichwaffe in der Hosen- oder Jackentasche zu tragen. „Das brauche ich zu meiner Verteidigung“, haben mir etliche Mandanten erzählt.

Dabei kann es ganz schnell gehen: Ein Angriff, das Messer springt in die Hand, ein Stich und jemand stirbt. Viele junge Menschen realisieren einfach nicht, welche Folge eine Messerattacke nach sich ziehen kann. Mehr dazu habe ich im folgenden Kapitel aufgeschrieben:

Gewalteskalation in Gelsenkirchen

Die Angreifer brachen an jenem 28. September 2025 wie eine Sturmwelle über die Angehörigen der türkischen Familie H. in der Pommernstraße in Gelsenkirchen herein. Der Anführer brüllte: „Kommt her, wir bringen euch alle um.“ Die Lage eskalierte völlig, ein Erbstreit zwischen Verwandten nahm ein tödliches Ende.

Wie von Sinnen stürzte sich das Überfallkommando auf ihren Onkel, dem Oberhaupt der türkischen Familie. Gezielt stachen die Männer Mehmet H. nieder, ein Baseballschläger sauste auf das Opfer hinab. Als der Sohn sich vor seinen Vater auf den Boden warf, um ihn zu verteidigen, eilte der 16-jährige Fatih H. heran und stach mit seinem Messer in den Hinterkopf des Beschützers.

Andere Angreifer fielen über seine Mutter her, schleiften sie an den Haaren über die Straße und prügelten auf die Frau ein, bis diese ohnmächtig wurde. „Das ist viel zu wenig“, giftete ihre Schwester, die auf Seiten der Totschläger stand, „wir werden euch die Hölle erleben lassen“. So jedenfalls der Tenor der Anklageschrift.

Immobilienstreit endet blutig

Ein massives Polizeiaufgebot bereitete dem Gewaltexzess ein Ende und nahm die Messerstecher fest, darunter auch meinen Mandanten Fatih H. Wie sich später herausstellte, hatten sich zwei Familienzweige um ein Haus in der Türkei gestritten. Sippenoberhaupt Mehmet H. soll die Angreifer im Laufe verbaler Auseinandersetzungen aus dem Verbund herausgeworfen haben.

Rechtsanwalt Burkhard Benecken

Rechtsanwalt Burkhard Benecken Burkhard Benecken

Der Konflikt endete mit seinem Tod. Er starb durch einen Stich ins Herz. Etliche weitere Opfer mussten ihre schweren Verletzungen im Krankenhaus kurieren lassen.

Mein Mandant Fatih soll dem Sohn des Clanbosses mit seiner Messerklinge erheblich zugesetzt haben: „Schädelfraktur mit Subarachnoidalblutung und intrazerebraler Blutung, sowie Sehstörung am rechten Auge, eine Quetschrissverletzung an der Schädelkalotte rechts und eine penetrierende Verletzung des Thoraxes mit kleinem ventralem Pneumothorax“, lautete der rechtsmedizinische Befund.

Zahl der Messerangriffe steigt

Bei der Auseinandersetzung waren nachweislich mehrere Messer im Spiel. Mein Mandant hat zugegeben, ein auf der Straße liegendes bereits blutverschmiertes Messer an sich genommen und zu Verteidigungszwecken eingesetzt zu haben, als er selbst mit einem Baseballschläger attackiert wurde.

Leider zeigt auch dieser Fall eine traurige Tendenz: Messerattacken wuchern, Streitigkeiten die früher häufig mit Fäusten ausgetragen wurden, werden heute unter dem Einsatz von Messern geführt, häufig mit lebensbedrohlichen oder gar tödlichen Folgen.

2024 registrierte die Polizei bundesweit insgesamt 29.014 Fälle von Messerkriminalität – das sind rund 80 jeden Tag. 54,3 Prozent davon entfallen auf Gewaltkriminalität und 43,3 Prozent auf Bedrohung. Der Rest wird in die Rubrik „sonstige Straftaten“ eingeordnet, etwa tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte.

Auch wenn die Polizeiliche Kriminalstatistik erstmals die bundesweiten Gesamtzahlen zu Messerdelikten erfasst, eines lässt sich im Vergleich zu 2023 feststellen: Der Anteil der als Messerangriff erfassten Taten der gefährlichen und schweren Körperverletzung ist um knapp elf Prozent gestiegen.

Waffenverbote verhindern keine Messerangriffe

Die Politik reagierte auf den besorgniserregenden Trend, indem sie entsprechende Waffenverbote einführte. Die Maßnahmen gelten etwa in Karnevalshochburgen, auf Volksfesten, Sportveranstaltungen, Messen, Märkten, an Kriminalitätsschwerpunkten sowie in Bussen und Bahnen. Aber etliche Experten bezweifeln, dass Messerdelikte damit künftig verhindert werden können.

Welche Rolle diese Waffen mittlerweile im deutschen Alltag spielen, lässt sich an den täglichen Meldungen der Polizei ablesen. Im Abstand weniger Stunden – manchmal Minuten – senden die Pressestellen Mitteilungen raus, in denen es um die Tatwaffe Messer geht. In einem Presseartikel wurde exemplarisch der Polizei-Ticker am 1. April 2025 durchforstet. Hier ein Abriss.

Berlin: Zwei Männer (19 und 20) geraten in einen Streit mit zwei Unbekannten, von denen einer unvermittelt mit Reizgas sprüht. Der 19-Jährige flüchtet in den U-Bahnhof Osloer Straße. Einer der Angreifer rennt hinterher und sticht mit einem Messer auf ihn ein. Das Opfer wird mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, notoperiert und anschließend stationär aufgenommen.

Bochum: Ein 16-jähriger Bochumer ist am Morgen im Kortumpark unterwegs, als ein unbekannter Mann ihn mit einem Messer bedroht und ihn auffordert, seine Tasche zu leeren. Als der Jugendliche sich wehrt, flüchtet der Tatverdächtige ohne Beute. Der 16-Jährige wird bei dem Gerangel leicht verletzt.

Ebingen (Baden-Württemberg): Mehrere Jugendliche und Heranwachsende prügeln sich auf dem Bürgerturmplatz. Dabei soll ein 15-Jähriger einen 18-Jährigen mit einem Messer verletzt haben. Als die Polizei eintrifft, flüchtet der Jugendliche, wird später vorübergehend festgenommen und nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen einem Erziehungsberechtigten übergeben.

Tailfingen (Baden-Württemberg): Ein 15-Jähriger gerät mit einem Bekannten (17) an einer Bushaltestelle in Streit. Im Verlauf der gewaltsamen Auseinandersetzung soll der jüngere dem älteren Kontrahenten mit einem Messer oberflächliche Schnittverletzungen zugefügt haben. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Kaiserslautern: Bei einer Routinekontrolle der Polizei reagiert ein 16-Jähriger aggressiv und verweigert die Befolgung jeglicher Anweisungen. Als die Beamten ihn fesseln wollen, spitzt sich die Situation zu: Der Teenager beleidigt und bedroht die Einsatzkräfte. In unmittelbarer Nähe des Jugendlichen finden die Beamten ein Einhandmesser. Anzeige u.a. wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Inzwischen greift das Stichwaffenphänomen auch auf dem Schulhof um sich.

Auch wohlhabende Jugendliche betroffen

Malte, 15, kommt aus gutem Hause. Die Mutter arbeitet als Rechtsanwalts- und Notar-Fachangestellte in einer Anwaltskanzlei, der Vater fungiert als Manager in einem Chemieunternehmen. Die Familie lebt wohl situiert in einer westfälischen Kleinstadt, die als bevorzugte Wohngegend des Ruhrgebiets gilt.

Der 15-jährige Malte (Name geändert) ist Gymnasiast – er sitzt vor mir, weil ihm ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen wird. Der Junge hatte sich von einem Mitschüler ein Messer besorgen lassen, nachdem er sich auf dem Pausenhof unangenehmen Fragen stellen musste. „Wie? Du hast kein Messer dabei?“, Maltes Freund rieb sich entsetzt die Augen.

„Ohne Messer bist du schutzlos, du brauchst so ein Ding, das ist heute ganz normal.“ Sein Kumpel beschaffte ihm das Gewünschte. Malte begann im Schulbus oder auf dem Pausenhof mit der langen Klinge zu prahlen, wie all die anderen Jugendlichen mit den Messern auch.

„Jeden Tag Prügeleien“

War halt cool, dass man zu den harten Jungs dazugehörte, meinte Malte im Gespräch mit mir. Als ich ihn fragte, warum er sich das Messer zugelegt habe, sagte er: „Jeden Nachmittag nach Schulschluss prügeln sich zahlreiche Jugendliche auf dem Pausenhof – dies ist Alltag. Da viele ein Messer dabeihaben, wollte ich mich schützen, wenn ich in eine solche Schlägerei gerate!“. Und was passiert, wenn er zusticht und sein Gegner stirbt? Malte zuckte mit den Achseln, von der Seite hatte er es sich noch gar nicht überlegt. „Weiß auch nicht“, murmelte mein Mandant.

Mir verschafft dieser Fall drei grundlegende Erkenntnisse. Erstens: Der Besitz von Messern scheint heutzutage unter jungen Menschen weitestgehend normal zu sein.

Zweitens: Dieses Phänomen zieht sich quer durch alle gesellschaftlichen Schichten und betrifft auch gebildete junge Menschen wie Gymnasiasten aus gutem Hause. Vor 20 Jahren musste ich mich weitaus seltener um derartige Fälle kümmern. Betroffen waren meist junge Menschen aus der Unterschicht.

Drittens: Trotz entsprechender Bildung hatte mein Mandant gar nicht reflektiert, dass das Messer bei einem etwaigen Kampf, gegen ihn eingesetzt werden könnte. Er sah das Messer als reinen Schutz an. Dass gerade seine Klinge zur tödlichen Waffe gegen ihn selbst werden könnte, war ihm nicht bewusst. Wie naiv muss man da sein?

Messerangriff eines 15-jährigen

Aber zugleich, mit Blick auf sein Alter, scheint es verständlich. In dem Kontext kommt mir folgende Schlagzeile unter: Am 30.März 2026 wurde ein 13-jähriger Teenager vor seiner Schule in Hamburg niedergestochen. Der Schüler schwebte in Lebensgefahr.

Ein zwei Jahre älterer gebürtiger Palästinenser soll die Tat begangen haben. Am Montag um 13:51 Uhr wurde die Polizei zur Stadtteilschule in Groß Flottbek gerufen. Vor dem Gebäude war es zwischen mehreren Schülern zum Streit gekommen. Mehrere Messerstiche trafen das 13-jährige Opfer. Durch eine Notoperation überlebte der Schüler die Attacke.

Auch Lehrer werden zum Ziel

Es sind aber nicht nur Mitschüler betroffen. Es schwindet auch der Respekt vor den Lehrkräften. Hierzulande werden Lehrer und Lehrinnen immer häufiger Opfer von Körperverletzung und anderen Formen von Gewalt. Das zeigt eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die einen Zeitraum von zehn Jahren umfasst.

Danach stieg die Zahl der Fälle, in denen die Pädagogen und Pädagoginnen als Opfer vorsätzlicher einfacher Körperverletzung aktenkundig wurden, 2024 auf 1283 Fälle.

Zum Vergleich: In den Jahren 2015 bis 2023 meldeten die Polizeibehörden der Länder

zwischen 717 und 1017 Fälle an das BKA. Dass es 2021 mit 564 Fällen deutlich weniger solcher Übergriffe gab, dürfte mit den vorübergehenden Schulschließungen während der Corona-Pandemie zu tun haben.

Mord am eigenen Lehrer

Nie werde ich die Schlagzeilen vom 10. Januar 2023 vergessen. Es ist ein Dienstag, früher Nachmittag, die Deutschlehrerin Sabine K., 55, sitzt allein in einem Klassenzimmer der „Kaufmännischen Schule Tecklenburger Land“ im westfälischen Ibbenbüren. Die Lehrstätte bietet diverse Schul- und Berufsabschlüsse bis hin zum Abitur an.

Kurz vor 15 Uhr nähert sich der 17-jährige Schüler Sinan Y. dem Raum. Am Morgen hatte der Jugendliche einen eintägigen Schulverweis erhalten. Offenbar gehörte er zu den Problemfällen in der Lehranstalt. Die späteren Ermittlungen werden ergeben, dass Sinan Y. wiederholt Lehrer und Lehrerinnen beschimpft hatte.

An jenem Nachmittag will der junge Mann seine Klassenlehrerin zur Rede stellen. Er hat ein Messer dabei. In völliger Rage sticht der aufgebrachte Schüler auf die zweifache Mutter Sabine K. ein. Die wehrlose Frau stirbt noch am Tatort.

Anschließend wählt der Tatverdächtige den Notruf und informiert die Polizei. Widerstandlos lässt er sich abführen. Die Staatsanwaltschaft erwirkt einen Haftbefehl wegen Totschlags gegen den Teenager. Die Obduktion des Leichnams ergibt, laut der Anklagebehörde, dass

zahlreiche Stiche das Opfer verbluten ließen.

Warum, wieso?

An der Schule herrscht Fassungslosigkeit. Schüler stellen Kerzen und Teelichter im Gedenken an das Opfer auf. Der Schulbetrieb ist zunächst einmal unterbrochen. In der Aula wird ein Trauerort eingerichtet. Ein Kondolenzbuch für die getötete Lehrerin liegt aus. Der Tatort, sowie die entsprechende Etage, bleiben während der Ermittlungen gesperrt.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller spricht bei einem Besuch der Schule den Kolleginnen und Kollegen der Getöteten ihre Anteilnahme aus. „Diese Tat lässt mich und uns alle tief betroffen und erschüttert zurück“, sagt die CDU-Politikerin. Drei Monate nach der Tat nimmt sich der junge Mann im Untersuchungsgefängnis das Leben.

Warum, wieso? Diese Fragen begleiten mich, während ich die Nachrichten zu dem Fall verfolge. Die Tat ist mal wieder typisch für junge Männer, die nicht gelernt haben, mit Niederlagen umzugehen und sich einzuordnen. Gewalt wirkt da offenbar wie ein Ventil, viel Testosteron oder gar die Hetze in den sogenannten Sozialen Medien, die junge Heißsporne zu Gewalttaten animieren.

Islamismus als Ventil

So wie Erjon S. Der Teenager hatte nach der Messerattacke auf eine Lehrerin an einem Essener Berufskolleg im Bildungspark in einem Video seine Tat mit islamistischer Hassrede glorifiziert. Sein Opfer habe den Propheten beleidigt, deshalb will der Schüler zugestochen haben.

Immer wieder skandierte der 17-Jährige demnach in dem Clip „Allahu Akbar“, wohl auch schon während seiner Messerattacke. Inzwischen hat der Generalbundesanwalt den Fall übernommen. Bei den Staatsschützern war der Jugendliche ein unbeschriebenes Blatt. Nach seiner Festnahme fanden sich auf seinem Handy und einem Tablet Clips mit Gewaltszenen.

Zuvor soll der Kosovare in einem Bus in Essen einen Obdachlosen von hinten in den Rücken gestochen haben. Zunächst hatte der Mann nichts bemerkt. Erst nach längerer Zeit stellten sich starke Schmerzen ein, sodass er den Busfahrer bat, einen Krankenwagen zu rufen. Nur durch eine Notoperation konnte sein Leben gerettet werden.

Laut den Sicherheitsbehörden war der Jugendliche bereits wegen Bedrohung, Verstoßes gegen das Waffengesetz beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung und Besitzes von Kinderpornografie polizeibekannt. Im Frühjahr 2023 habe es „im Rahmen von Verhaltensauffälligkeiten“ zudem eine Fallkonferenz mit der damaligen Schule und dem Essener Jugendamt gegeben, berichtete NRW Innenminister Herbert Reul (CDU).

Risikopotenzial wurde unterschätzt

Erjon S. hatte mehrere Hauptschulstationen durchlaufen, ohne den Abschluss zu schaffen. 2023 wies eine Lehrerin die Polizei auf psychische Auffälligkeiten mit einem Hang zur Gewalt hin. Daraufhin geriet der Verdächtige in das Programm PeRiskoP, das Personen mit Risikopotenzial frühzeitig erkennen soll. Die Jugendbehörden wurden eingebunden.

Schließlich kam das zuständige Familiengericht zu dem Schluss, dass der muslimische Teenager bei seinen Eltern bleiben sollte. Danach verhielt sich der 17-jährige Jugendliche erstmal unauffällig. „Nachdem er vier Monate polizeilich nicht mehr in Erscheinung getreten war und die Familie beim Jugendamt eingebunden werden konnte, wurde das Risiko einer zielgerichteten Gewalttat als unwahrscheinlich eingeschätzt und der Verdächtige im August 2023 wieder ausgestuft“, führte Reul im Innenausschuss des Landtags aus.

Täter war schon vorher auffällig

Das Landeskriminalamt NRW werde diese Entscheidung der Essener Kollegen jetzt noch einmal überprüfen. Zumal es nach der Ausstufung „noch zwei weitere Vorfälle mit dem jungen Mann“ gegeben habe. „Und zwar eine Bedrohung in 2024 und eine wechselseitige gefährliche Körperverletzung im April 2025“, berichtete der Innenminister.

So soll der mutmaßliche Messerstecher ein Mädchen mit dem Tode bedroht haben. Im Frühjahr 2025 soll Erjon S. einen Mitschüler nach einem Streit über religiöse Fragen mit Pfefferspray angegriffen haben.

Der 17-jährige Kosovare war bei seiner Festnahme durch Schüsse der Polizei lebensgefährlich verletzt worden. Wegen seines Gesundheitszustands habe ihm der Haftbefehl erst am Sonntag verkündet werden können, teilten die Ermittler mit.

Der Jugendliche befinde sich inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr, werde aber weiterhin ambulant im Krankenhaus behandelt. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft.

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