Müll, Einbrüche, zerstörte Zäune: Für einen Schafshirten in den Alpen werden Touristen zur Belastung. Schuld am Ansturm sind auch die sozialen Medien.
Müll, Einbrüche, zerstörte Zäune: Für einen Schafshirten in den Alpen werden Touristen zur Belastung. Schuld am Ansturm sind auch die sozialen Medien.
Auf der Schweizer Alp Rupperslaui im Muotatal wird ein einst unberührter Fleck Natur zum Schauplatz eines wachsenden Konflikts. Wie der „Bote der Urschweiz“ berichtet, zelten hier fast täglich Touristen direkt neben einem Bergsee – trotz eines Verbotsschilds. Zurück bleiben Müll und beschädigte Zäune – sogar in die Alphütte sei schon eingebrochen worden. Das Muotatal liegt im zentralen Schweizer Kanton Schwyz.
Davon berichtet der Schafshirte Oskar Gwerder, der mit rund 400 Schafen auf der Alp lebt, dem „Boten“. Er kämpft seit Monaten gegen die Folgen des Ansturms. Für ihn besonders ärgerlich: Der Teich, lokal „Flöösch“ genannt, ist im Sommer die einzige Wasserquelle für seine Tiere. „Es geht ums Tierwohl“, betont Gwerder gegenüber der Zeitung – denn aus Scheu trinken die Schafe nicht aus dem Teich, solange Camper am Ufer übernachten.
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Verantwortlich für den Ansturm sollen die sozialen Medien sein: Seit Bilder der Alp im Fernsehen, am Flughafen Zürich und schließlich auf Instagram und TikTok kursierten, reisen jedes Jahr mehr Menschen an – längst nicht nur aus der Schweiz: „Wir werden von Instagram- und Tiktok-Leuten belagert“, sagt Gwerder dem „Boten“. Dabei gibt es nicht einmal einen markierten Wanderweg, der zur Alp führt. Auch Verständnis für Gwerders Situation würden die Camper nicht immer aufbringen.
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Besonders zermürbend findet Gwerder, dass die Camper auch den Herdenschutzzaun beschädigen – mit direkten Folgen für die Sicherheit seiner Tiere. An einem Tag habe er diesen gleich an sechs Stellen flicken müssen – andernfalls seien seine Schafe nicht vor Raubtieren geschützt. Auffällig sei zudem die internationale Herkunft der Camper: Etwa die Hälfte stamme zwar aus der Schweiz, doch viele reisten auch aus Spanien, Portugal, Belgien, England und sogar Kanada an.
Die Grundeigentümerin, die Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz, ist ebenfalls ratlos. Der Geschäftsführer Daniel von Euw räumt ein, dass eine Lösung schwer zu finden sei – ähnliche Probleme gebe es bereits in anderen Schwyzer Gebieten. Eine Bewilligungspflicht mit Gebühr kommt für Rupperslaui jedoch nicht infrage, da die Schafe durch Camper ohnehin zu stark gestört würden. Die OAK plant, noch in diesem Jahr eine Lösung zu finden. Im Raum steht ein juristisch durchgesetztes Campingverbot.
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Laut dem Schweizer Alpen-Club (SAC) ist die Rechtslage rund ums Campen in der Schweiz nicht einheitlich geregelt: Grundsätzlich sind Wald und Weide gemäß Zivilgesetzbuch öffentlich zugänglich. Auch einzelne Übernachtungen oberhalb der Waldgrenze gelten meist als unproblematisch. Allerdings können Kantone und Gemeinden diese Grundregel einschränken oder ganz aufheben. Auch können lokale Betretungs- oder Campingverbote gelten.
Der SAC empfiehlt ausdrücklich, sich bei beweideten Alpen vorab zu erkundigen, ob und wo eine Übernachtung überhaupt möglich ist. Zudem rät der Verein zur Rücksichtnahme auf Wildtiere, etwa durch Vermeidung von Lärm und größeren Aktivitäten in der Dämmerung, da zu dieser Zeit viele Tiere aktiv sind.
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