Die Berliner stellen die zweitbeste Offensive der Zweiten Liga, aber die Mittelstürmer tragen dazu bisher wenig bei. Seit dem zweiten Spieltag hat keiner von ihnen mehr getroffen.
Mads Pedersen tanzte am Freitagabend eindeutig aus der Reihe. Der Däne ist linker Außenverteidiger, kein Mittelstürmer. Und doch fügte sich Pedersen perfekt ein. Weil er, zumindest an diesem Abend, das tat, was auch die Mittelstürmer von Hertha BSC getan hatten: Er traf das Tor nicht.
Im Duell zwischen dem Zweitliga-Spitzenreiter Hertha und dem Zweitliga-Schlusslicht Holstein Kiel liefen die letzten Sekunden der Nachspielzeit, als die Gäste aus Berlin einen finalen Angriff initiierten. Von der rechten Seite flog noch einmal eine Flanke in den Strafraum, Pedersen rauschte aus dem Rückraum heran, traf den Ball – aber auch dieser Schuss verfehlte das Ziel.
„Wenn du das Tor nicht schießt, kannst du nicht gewinnen“, sagte Stefan Leitl, der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten. Und deshalb blieb es beim 0:0 gegen die Kieler, mit dem am achten Spieltag Herthas schöne Siegesserie endete. Irgendwann – das wussten alle – würde es passieren. Aber dass es an diesem Abend passierte, war nach dem Verlauf des Spiels alles andere als zwingend.
„Am Ende ist es nur die Qualität der Abschlüsse. Sonst hätten wir das Spiel gewonnen“, sagte Sebastian Grönning, der nach einem Spiel auf der Bank wieder als Mittelstürmer hatte starten dürfen. Er allein hatte drei gute Chancen, von denen eine wegen einer vermeintlichen Abseitsposition nicht in die Wertung eingegangen war.
19
Tore hat Hertha in acht Ligaspielen erzielt
Zweimal scheiterte der Däne am überragenden Torhüter Timon Weiner, und bei seiner besten Gelegenheit, als er aus knapp fünf Metern unbedrängt zum Kopfball kam, traf er den Pfosten. „Das ist normalerweise meine Stärke“, sagte Grönning. „Ich bin enttäuscht von mir. Nicht von meiner Leistung, aber von diesen Momenten, in denen ich da sein muss.“ Es sind inzwischen ein paar dieser Momente zu viel. Nicht nur bei Sebastian Grönning.
Wir müssen vor dem Tor einfach noch konsequenter, ruhiger und abgebrühter sein.
Herthas Mittelfeldspieler Paul Seguin
Für Herthas Gesamterfolg ist das bisher nicht weiter ins Gewicht gefallen. Am Freitagabend aber verhinderte die Schwäche im Torabschluss den nächsten Sieg der Berliner. „Am Ende haben wir das verdammte Tor nicht geschossen“, klagte Innenverteidiger Niklas Kolbe. Und Mittelfeldspieler Paul Seguin sagte: „Wir müssen vor dem Tor einfach noch konsequenter, ruhiger und abgebrühter sein.“
Hertha hat kein Sturmproblem; immerhin stellten die Berliner vor dem laufenden Spieltag mit 19 Toren die zweitbeste Offensive der Liga. Aber Hertha hat ein Problem im Sturm. Seit dem zweiten Spieltag hat kein Mittelstürmer mehr getroffen. Weder Sebastian Grönning, noch Luca Schuler, noch Gustaf Nilsson.
Das Problem ist den Berlinern nicht ganz unbekannt. Schuler ist in seiner dritten Saison bei Hertha und hat bisher nicht durchgehend überzeugen können. Grönning ist im Sommer 2025 aus der Dritten Liga gekommen und bisher ebenfalls nicht als verlässlicher Torschütze aufgefallen. Auch deshalb hat die Suche nach einem treffsicheren Mittelstürmer in diesem Sommer bei den Berlinern höchste Priorität genossen.

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Kurz vor Ende der Transferperiode ist Hertha schließlich fündig geworden. Vom Champions-League-Teilnehmer FC Brügge haben die Berliner Gustaf Nilsson ausgeliehen, der – gemessen an seiner Vita – ein deutliches Upgrade im Vergleich zu Schuler und Grönning darstellt. Der 29-Jährige ist schwedischer Nationalspieler und hat im Sommer sogar an der WM in Amerika teilgenommen.
Allerdings hat Nilsson noch eine Menge aufzuholen. Wegen der WM ist er verspätet in die Saisonvorbereitung eingestiegen, zudem durfte er in Brügge über Wochen nicht mit der Mannschaft trainieren – weil er auf diese Weise zu einem Vereinswechsel gedrängt werden sollte. In Kiel fehlte Nilsson wegen einer Oberschenkelverletzung.
Dreimal ist er bisher für Hertha eingewechselt worden, insgesamt 93 Minuten hat er gespielt. Ein Tor ist Nilsson noch nicht gelungen – obwohl es an entsprechenden Möglichkeiten nicht gemangelt hat. Fünf vergebene Torchancen hat der Datenanbieter Sofascore für ihn gezählt. Bei Schuler sind es vier, bei Grönning sogar sechs.
Dass Nilsson Herthas Angriffsspiel auf ein höheres Niveau heben kann, zeigt die Qualität seiner Chancen. Obwohl er nur halb so lange auf dem Feld stand wie Luca Schuler (182 Spielminuten), kommt er auf einen signifikant höheren Expected-Goals-Wert (xG): Gemessen an der Qualität seiner Chancen hätte er bereits 2,61 Tore erzielen müssen. Bei Schuler sind es 1,57 xG, bei Grönning, der fast fünfmal so lange gespielt hat wie Nilsson (439 Minuten), 3,11 xG.
Bisher sind sowohl Schuler als auch Nilsson noch ohne Tor. Grönning, der in sieben der acht Saisonspiele in der Startelf stand, hat an den ersten beiden Spieltagen je einmal getroffen. Seitdem ist er leer ausgegangen.
„Wichtig ist erst mal, dass die Stürmer Chancen haben und wir die Spieler in die Position bekommen“, sagt Trainer Leitl. „Es geht für die Jungs darum, sich für ihre Leistung zu belohnen. Daran werden wir arbeiten, im Training hohe Wiederholungszahlen schaffen, ihnen Selbstvertrauen geben. Dann wird’s auch wieder funktionieren.“