Beim Berlin-Marathon wollte Esther Pfeiffer einen deutschen Rekord aufstellen. Doch schon nach 14 Kilometern musste sie aufgeben. Aber deswegen ist sie persönlich noch lange nicht gescheitert.
Es war ein dramatischer Moment beim Berlin-Marathon: Unter Tränen musste Esther Pfeiffer dort am Sonntag wegen Magenbeschwerden noch vor der Hälfte abbrechen und die Strecke verlassen. Eine riesige Enttäuschung für die Läuferin, die sich eigentlich vorgenommen hatte, einen neuen deutschen Rekord aufzustellen.
Ihr Rekordversuch ist gescheitert, doch Esther Pfeiffer persönlich ist es nicht – und diese Unterscheidung ist wichtig.
Ja, Pfeiffer hat einen neuen deutschen Rekord verpasst, und das ist für sie als Spitzensportlerin eine große Enttäuschung. Und doch erinnert ihr Abbruch daran, worauf es im Leistungssport ankommen sollte. Nicht allein auf Rekorde, sondern darauf, trotz des Drucks den eigenen Körper und die Gesundheit zu priorisieren.
Genau dafür steht die 29-Jährige schon länger. Immer wieder spricht sie öffentlich über Themen rund um den Frauenkörper, etwa die Menstruation und zyklusbasiertes Training, und schafft damit Sichtbarkeit für Themen, über die immer noch zu wenig geredet wird. Viele Amateursportlerinnen schätzen genau das an ihr viel mehr als Rekorde und Bestzeiten.
Natürlich kann man sich mit Blick auf Sonntag fragen: War der Druck am Ende zu groß? Hatte sich Pfeiffer, die eigentlich kürzere Distanzen läuft und am Sonntag ihr Profidebüt im Marathon gab, zu viel vorgenommen?
Man kann sich aber auch die Frage stellen: Was ist eigentlich so schlimm daran, sich große Ziele zu setzen und diese am Ende nicht zu erreichen? Vielleicht ermöglicht der Fall Pfeiffer, auch im Laufsport mal grundsätzlicher über den Umgang mit vermeintlichen Niederlagen zu sprechen.
Pfeiffer selbst zeigte sich am Sonntag in einem Instagramvideo „unfassbar enttäuscht“. In der Nacht vor dem Marathon sei sie auf gerade einmal zwei Stunden Schlaf gekommen – trotz des Adrenalins zu wenig, um in Bestform zu sein.
Sie sagte auch: „Ich habe im letzten halben Jahr für diesen Marathon gelebt.“ Ihre Follower nahm sie bei den Trainingseinheiten mit, teilte Ernährungstipps und zeigte, wie sie sich Glitzer ins Gesicht schminkt und die Haare frisiert.
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Damit inspirierte sie zahlreiche Amateursportlerinnen und ermutigte sie, selbst bei größeren Rennen an den Start zu gehen. Ein User nannte sie „eine riesige Inspiration“, ein anderer schrieb: „Du hast mich auf dem Weg zum ersten Halbmarathon begleitet.“
Als Person mit einer so großen Reichweite, allein auf Instagram folgen ihr über 100.000 Menschen, trägt Pfeiffer auch Verantwortung. Insbesondere in der Laufbubble, die vor lauter „höher, schneller, weiter“ nur so strotzt und in der die sozialen Medien zusätzlichen Druck erzeugen.
Wie schnell sich der Druck in Häme verwandeln kann, machte ihr Ehemann Hendrik Pfeiffer deutlich, der zugleich ihr Tempomacher ist, und im Instagramvideo sagte: „Es gibt den einen oder anderen, der ein bisschen Genugtuung verspürt.“
Am Ende gehört gerade in dieser Blase viel Mut dazu, überhaupt laut ein solches Ziel zu formulieren – und sich damit auch möglicher Kritik auszusetzen. Noch mehr Mut gehört aber dazu, auf den eigenen Körper zu hören und ein Rennen unter den Augen der 1,2 Millionen Zuschauer an der Strecke zu verlassen.
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