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Auf der Folsterhöhe: Anwohner klagen über Müll – Stadt sieht keine drastische Verschlechterung

Дата публикации: 16-10-2026 11:23:00




Müll an Balkonen, Sperrmüll im Treppenhaus, Urin in Fahrstühlen: Auf der Folsterhöhe in Saarbrücken wächst der Unmut. Ein Teil der Bewohner sagt, die Lage habe sich zugespitzt. Die Stadt sieht keine drastische Verschlechterung. Was ist da los?



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Auf der Folsterhöhe Anwohner klagen über Müll – Stadt sieht keine drastische Verschlechterung

Saarbrücken · Müll an Balkonen, Sperrmüll im Treppenhaus, Urin in Fahrstühlen: Auf der Folsterhöhe in Saarbrücken wächst der Unmut. Ein Teil der Bewohner sagt, die Lage habe sich zugespitzt. Die Stadt sieht keine drastische Verschlechterung. Was ist da los?

16.10.2026 , 13:23 Uhr

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Vermüllt und verwahrlost? So sah es auf der Folsterhöhe in Saarbrücken zuletzt aus

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Foto: Anwohnerinitiative Folsterhöhe

16 Stockwerke, Hunderte Mietwohnungen – und ein Fahrstuhl, der von einzelnen Anwohnern offenbar regelmäßig mit der Toilette verwechselt wird. Verstörende Szenen, die eine junge Familie schildert, die seit vielen Jahren „auf der Folster“ zu Hause ist. Rund 2.500 Menschen leben in 1.000 Wohnungen auf der Folsterhöhe, sagt die Siedlungsgesellschaft. Seit Wochen fragen sich Bewohner, die sich nun zusammengeschlossen haben, die Stadt und die Siedlungsgesellschaft dasselbe: Wo liegt das Problem? Die Antworten gehen auseinander. Fest steht: In Saarbrückens bekanntestem Hochhaus-Viertel reiben sich Sorgen, Frust, viele Kulturen und soziale Schichten aneinander.

Müllsäcke, die aus den Fenstern der Folsterhöhe fliegen

Hinten, am größten Block, hängen halb ausgeleerte Müllbeutel an Feuertreppen und Eisenbalkonen der unteren Stockwerke. Ihr Inhalt hat sich verteilt. „Die da oben schmeißen den Müll einfach aus dem Fenster“, sagt die junge Mutter, die seit 2010 in verschiedenen Gebäuden der Siedlungsgesellschaft wohnt.

Rund um die Müllanlagen kämpfen die Reinigungsfirmen an fünf Tagen die Woche gegen (illegalen) Müll. Oft erfolglos.

Rund um die Müllanlagen kämpfen die Reinigungsfirmen an fünf Tagen die Woche gegen (illegalen) Müll. Oft erfolglos.

Foto: Anwohnerinitiative Folsterhöhe

Direkt daneben ist eine Grünfläche von Wildschweinen umgegraben, meterweise. Für die Tiere hat sich die Anlage offenbar zum Paradies entwickelt. Für die besorgten Anwohner gibt es unterdessen noch „weitere Zeichen der Vernachlässigung“. Vor einem der Wohnblocks stehen Dutzende Einkaufswagen in ihren gewohnten Reihen, nur ohne Supermarkt. Bei den Gebäuden nebenan liegen sie kreuz und quer verteilt.

Maden, Chaos und Vorwürfe einer Anwohnerinitiative

Ein anonymer Hinweisgeber hat der SZ Fotos geschickt, die nach eigenen Angaben vor fünf bis sechs Wochen entstanden sind. Sie zeigen neben viel Müll auch Maden rund um die Mülltonnen. Weitere Aufnahmen zeigen Szenen, die der Hinweisgeber als „erschreckend“ und „unmenschlich“ empfindet. Eine Anwohnerinitiative, die seit dem Sommer aktiv ist, spricht in einem Schreiben, das sie in diesen Tagen öffentlich gemacht hat, von „unkontrolliertem Chaos“: „Es wird für Service und Sauberkeit bezahlt [Anmerkung der Red.: von den Anwohnern], während die Betroffenen im Dreck leben und allein gelassen werden.“ Das Problem seien nicht die einzelnen Arbeitskräfte, sondern das System, betont die Initiative. Sie spricht von strukturellem Versagen bei der Reinigung und beim Müllkonzept.

Ein Fahrstuhl bringt die Bewohner der einzelnen Hochhäuser teils bis in den 16. Stock. Anwohner berichten von Urin und Dreck.

Ein Fahrstuhl bringt die Bewohner der einzelnen Hochhäuser teils bis in den 16. Stock. Anwohner berichten von Urin und Dreck.

Foto: Anwohnerinitiative Folsterhöhe

Außerdem sieht die Initiative eine „gescheiterte Integration“ von immer mehr zugewanderten Mitbewohnern als einen der Gründe, warum es insgesamt nicht (mehr) klappt. Hausregeln und Ruhezeiten würden ihnen nicht ausreichend vermittelt, heißt es aus der Bewohnerschaft. Die Stadt weiß hier offenbar um den Handlungsbedarf und verweist auf die soziale Infrastruktur, in die sie kontinuierlich investiere: eine neue Kita Hirtenwies, Spiel- und Freizeitangebote sowie „professionelle und dauerhafte Angebote zu Integration und Teilhabe“.

„Einzelfälle“, sagt die Gesellschaft

Die Siedlungsgesellschaft wiederum wehrt sich gegen den Eindruck, dass die Wohnanlage insgesamt ungepflegt sei. Verschmutzungen seien „Einzelfälle“. Die Stadt listet die hohen Investitionen der vergangenen Jahre auf: Die Wohnanlagen seien für 50 Millionen Euro umfassend modernisiert worden, dazu kämen jährliche Ausgaben für Instandhaltung und die Pflege der Außenanlagen. „Die Vermietungssituation ist heute sehr gut.“

Die Siedlungsgesellschaft räumt aber „massive Verschmutzungen“ nach Wochenenden ein. Dagegen werde unter der Woche täglich vorgegangen. Seit rund zwei Jahren sei ein neues Reinigungsunternehmen für die Treppenhäuser und Hauseingänge zuständig. Es arbeite auf Zuruf. Nach „berechtigten Beschwerden aus der Bewohnerschaft“ rücke es „umgehend“ aus, erklärt die Siedlungsgesellschaft. Die Anwohnerinitiative sieht das anders. Ihre – wie sie finden – „berechtigten Beschwerden“ blieben ohne jede Reaktion.

Auf der Folsterhöhe häufen sich die Beschwerden über vermüllte und verwahrloste Treppenhäuser und Wohnanlagen der Saarbrücker Siedlungsgesellschaft. Die Stadt sieht keine drastische Verschlechterung der Situation im Hochhaus-Viertel.

Auf der Folsterhöhe häufen sich die Beschwerden über vermüllte und verwahrloste Treppenhäuser und Wohnanlagen der Saarbrücker Siedlungsgesellschaft. Die Stadt sieht keine drastische Verschlechterung der Situation im Hochhaus-Viertel.

Foto: Antonia Trinkaus

Die Siedlungsgesellschaft verweist auf weitere Dienstleister: eine Firma für Müll- und Containerstellplätze, einen Sperrmüllservice, der illegal abgestellten Sperrmüll „zeitnah“ entferne, und ein Hausmeisterteam, das Treppenhäuser zusätzlich reinige, um die Fluchtwege freizuhalten. Sie weiß von Problemen mit einem einzelnen Müllcontainer und mit illegalem Sperrmüll. Der sei tatsächlich ein „wiederkehrendes Problem“.

Was früher auf der Folsterhöhe anders lief: Putzplan statt Zuruf

Vor einigen Jahren waren die Bewohner noch selbst für die Reinigung der Treppenhäuser zuständig. Putzpläne legten Verantwortlichkeiten fest, Hausmeister kontrollierten sie. Heute müssten die Bewohner das nicht mehr, dennoch gebe es regelmäßig Diskussionen und Streit mit den Hausmeistern, berichten Anwohner.

Also was tun? Eine Ausweitung der Reinigung, so die Siedlungsgesellschaft, würde die Nebenkosten der Bewohner erhöhen. Videoüberwachung gegen die Müllsünder wäre aus ihrer Sicht „datenschutzrechtlich kaum umsetzbar“. Auch Installation, Strom und Auswertung einer Kamera würden Kosten verursachen, die wiederum umgelegt werden müssten. Den Wunsch, insbesondere von langjährigen Mietern nach Veränderung versteht sie, sagt die Siedlungsgesellschaft. Vorerst scheint jedoch keine Änderung in Sicht zu sein. Soll heißen: 16 Stockwerke, Hunderte Mietwohnungen – und ein Fahrstuhl, der von einzelnen Anwohnern offenbar regelmäßig mit der Toilette verwechselt wird. (jos)

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