Elon Musks Raumfahrtunternehmen rüstet massiv auf und wildert im Revier etablierter Telekommunikationskonzerne. Mit dem Erwerb spezieller Funklizenzen soll ein technisches Problem gelöst werden, das bisher den Empfang in Innenräumen verhinderte.
Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX hat sich mit der Investmentgesellschaft Grain Management auf den Kauf von landesweiten Low-Band-Frequenzlizenzen geeinigt. Wie Ars Technica berichtet, geht es dabei um bis zu 14 Megahertz an Sendefrequenzen im 800-MHz-Band.
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Dieses Frequenzband gehörte zuvor dem Telekommunikationsanbieter T-Mobile US, der die Lizenzen im Rahmen der Fusion mit Sprint an Grain Management abgeben musste. SpaceX beabsichtigt, mit diesen Lizenzen ein terrestrisches Mobilfunknetz aufzubauen, das den satellitengestützten Dienst Starlink Mobile ergänzt.
Technischer Ausbau von Starlink MobileBisher funken die Starlink-Satelliten auf Frequenzen, deren Signale physische Hindernisse wie Hauswände nur schlecht durchdringen können. Das 800-MHz-Band zeichnet sich hingegen durch eine hohe Gebäudedurchdringung aus und wird bereits von nahezu allen handelsüblichen Smartphones unterstützt.
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Laut SpaceX schließt dieses Spektrum eine der letzten technischen Lücken, um einen flächendeckenden Mobilfunkdienst anzubieten. Das Unternehmen kombiniert diese Lizenzen mit 65 Megahertz im 2-GHz-Band, die bereits im Mai 2026 für 17 Milliarden US-Dollar von EchoStar aus dem Bundesstaat Colorado erworben wurden.
Das 2-GHz-Band liefert die primäre Bandbreite für Datenübertragungen, während die niedrigeren Frequenzen als zusätzliche Schicht die Flächenabdeckung sicherstellen. Anstatt auf klassische Mobilfunkmasten zu setzen, plant das Unternehmen den Einsatz vieler kleiner Basisstationen, zu denen auch bestehende Starlink-Antennen auf Hausdächern gehören sollen.
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Diese Architektur soll laut Unternehmensangaben eine Verbindung von weltraumbasierter und bodengebundener Infrastruktur ermöglichen. Die Funkzellen der Basisstationen sollen die Signale der Satelliten aufnehmen und in dicht besiedelten Gebieten oder innerhalb von Gebäuden weiterverteilen.
Satelliten-Netzwerk und regulatorische VerfahrenParallel zum Erwerb der terrestrischen Frequenzen hat die US-Kommunikationsbehörde FCC die Genehmigung für den Start von 15.000 neuen Direct-to-Device-Satelliten erteilt. Diese Satelliten der zweiten Generation sollen die Bandbreite des bisherigen Systems deutlich erhöhen und direkt mit Mobiltelefonen kommunizieren.
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Die Zulassung der Behörde umfasst zudem die Nutzung weiterer Frequenzbänder für die Anbindung der Satelliten an die erdgebundenen Gateways des Netzwerks. SpaceX gibt an, dass nach dem vollständigen Ausbau ein Dienst zur Verfügung stehen wird, der Verbindungen innerhalb und außerhalb von Gebäuden sowie in bisherigen Funklöchern herstellt.
Zu den genauen finanziellen Rahmenbedingungen des aktuellen Frequenzdeals mit Grain Management machten die beteiligten Parteien zunächst keine offiziellen Angaben. Wie das Wall Street Journal nun unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, wird das Raumfahrtunternehmen voraussichtlich rund acht Milliarden Dollar in bar für die Lizenzen zahlen.
Ursprünglich hatte das Telekommunikationsunternehmen Dish Network aus Colorado eine Kaufoption für das Spektrum, ließ diese jedoch verstreichen. Die Ankündigung führte unmittelbar nach Bekanntwerden zu Kursverlusten bei den Aktien der großen US-Mobilfunkanbieter sowie des konkurrierenden texanischen Satellitenbetreibers AST Spacemobile.
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Der Vorstoß von SpaceX zielt direkt auf die Kernmärkte und Marktanteile der drei dominierenden Netzbetreiber in den Vereinigten Staaten ab. AT&T aus dem texanischen Dallas, Verizon aus dem Bundesstaat New York und T-Mobile US haben als Reaktion auf diese Entwicklung ein Joint Venture gegründet.
Ziel dieses Zusammenschlusses ist es, eigene Frequenzen zu bündeln und die Abdeckung von Funklöchern durch andere kooperierende Satellitenbetreiber zu organisieren. Die Unternehmen wollen damit eine standardisierte Schnittstelle für Software-Entwickler:innen und Gerätehersteller etablieren, um die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu verringern.
Parallel zu diesen Entwicklungen plant die FCC eine Ausweitung des regulatorischen Rahmens für die satellitengestützte Kommunikation. Die Behörde hat vorgeschlagen, künftig 482 Megahertz an zusätzlichen Frequenzen für sogenannte „Supplemental-Coverage-from-Space”-Dienste freizugeben.
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Durch dieses Verfahren könnten terrestrische Mobilfunkfrequenzen in weitaus größerem Umfang als bisher für die Nutzung durch Satellitenunternehmen freigegeben werden. Eine solche regulatorische Anpassung würde die Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter verringern, gleichzeitig aber den Wettbewerb um die verbleibenden freien Frequenzen intensivieren.
Die endgültige Genehmigung des aktuellen Frequenzkaufs durch die FCC steht derweil noch aus und könnte durch Einsprüche verzögert werden. Die Rural Wireless Association, ein Verband ländlicher Mobilfunkanbieter, hat in der Vergangenheit bereits Kritik an der starken Konzentration von Frequenzlizenzen geäußert, da dies kleine Anbieter benachteilige.
Sollte das hybride Netzwerk aus Satelliten und terrestrischen Basisstationen wie geplant in Betrieb gehen, entstünde eine weitreichende technische Infrastruktur unter der Kontrolle eines einzigen Unternehmens. Ein Ausfall dieser zentralisierten Systeme oder eine einseitige Änderung der Nutzungsbedingungen hätte unweigerlich Konsequenzen für die Erreichbarkeit und Datenversorgung in den angebundenen Regionen.