Teddy-Ärzte behandeln in Homburg auch in diesem Jahr eine Woche lang Plüschtiere aller Art. Auf spielerische Weise wollen sie dazu beitragen, dass Kinder weniger Angst vor Arztbesuchen haben. Eine Besonderheit gibt es in diesem Jahr.
Homburg · Teddy-Ärzte behandeln in Homburg auch in diesem Jahr eine Woche lang Plüschtiere aller Art. Auf spielerische Weise wollen sie dazu beitragen, dass Kinder weniger Angst vor Arztbesuchen haben. Eine Besonderheit gibt es in diesem Jahr.
14.10.2026 , 09:09 Uhr
Ein voller OP-Saal: Dieser Teddy wird in der Teddyklinik operiert. Die Kinder werden Teil des Teams. Sogar die passende Ausstattung tragen sie.
Foto: Hannah MerkSolch ein Geräuschpegel herrscht im Homburger Rathaus wohl nicht alle Tage. Als Presse, Vertreter der Politik und Sponsoren am Dienstagmorgen eine Führung durch die dort eingerichtete Teddyklinik bekamen, wirkten die großen Erwachsenen fast wie ein Störfaktor zwischen den wuselnden Kindern in diesem geschützten Raum. Diese hatten ihre Kuscheltiere mit verschiedensten Wehwehchen zu „Dr. ted.“-Ärzten gebracht.
Das Projekt, das es schon seit vielen Jahren gibt, soll Kindern spielerisch die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern nehmen. Hier werden die Kleinen sozusagen zu Eltern – und ihre Teddys, Elefanten, Einhörner, Löwen und Co. sind die Patienten. Die beteiligten Medizinstudenten wiederum werden zu „Teddy-Ärzten“. 150 Helferinnen und Helfer arbeiten in Schichten und nehmen sich kindgerecht und auf Augenhöhe den Anliegen der kleinen Besucher an. Häufig sind zum Beispiel Knochenbrüche – dann heißt es „Der Teddy ist vom Klettergerüst gefallen.“
Dieses Plüschtier bekommt von angehenden Orthoptisten der Sehschule Augentropfen verabreicht.
Foto: Hannah MerkMit viel Liebe zum Detail verfügt die „Klinik“ über Arztkittel und Namensschilder, Krankenkassenkarten, Impfpässe, Anamnesebögen und Stadiometer für die Plüschtiere. Statt eines Wartezimmers gibt es eine Malecke. Der Teddy kann in die CT geschoben werden, er wird geröntgt, bekommt Augentropfen, oder es wird an Zähnen gebohrt. Auch ein Ultraschall (ohne „Glibber“, der geht schwer aus dem Fell heraus), das Geben einer Spritze oder eine Operation werden gezeigt und können auch selbst ausprobiert werden – es ist alles abgedeckt, was sich auch in einer echten Klinik findet. Das kostenlose Angebot richtet sich an Kinder zwischen drei und zwölf Jahren.
Die Teddyklinik findet sonst immer im Saalbau, in diesem Jahr aber im Rathaus statt. Gruppen müssen sich vorher anmelden, Privatpersonen können spontan vorbeischauen. Die „Klinik“ ist bereits seit Montag, 12. Oktober, und noch bis Freitag, 16. Oktober, geöffnet, jeweils von 9 Uhr bis 17 Uhr. Letzter Einlass ist je nach Andrang zwischen 16 Uhr und 16.30 Uhr.
Neu in diesem Jahr: Am Freitagmorgen, 16. Oktober, von 9 bis 12 Uhr wird es absichtlich weniger trubelig. Dann sind bei der „Stillen Stunde“ bewusst neurodivergente Kinder, beispielsweise Kinder mit ADHS und Autismus, eingeladen. Diese seien bisher weniger erreicht worden – bei häufig großem Bedarf.
Die Stadiometer zum Messen der Körpergröße sind maßangefertigt für die kleinen Plüschtiere.
Foto: Hannah MerkIm Labor wirds spannend: hier leuchtet, blinkt und bewegt sich etwas. Das soll auch ein bisschen von dem „Grusel“ der Spritzen ablenken.
Foto: Hannah MerkJulia Geroska (26) ist schon seit dem ersten Semester dabei und hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit Maria Römbke (23) die Leitung der Teddy-Klinik in Homburg übernommen – Römbke ist in diesem Jahr allerdings zum letzten Mal dabei. Geroska kommt gerade aus der Nachtschicht. Langweilig wird ihr im Medizinstudium nicht gerade. „Aber wir haben wohl alle denselben Knall“, meint sie. „Man könnte es auch ‚soziale Ader‘ nennen“, ergänzt ihre Kommilitonin. Wahrscheinlich sei es eine Kombination aus Spaß mit den Kindern und dem Gemeinschaftsgefühl vor Ort, das sie zu dem Engagement bewege.
Charlotte Scharriär (21, links) und Julia Geroska (26, rechts) sind ab kommendem Jahr das Leitungsteam. Maria Römbke (23, Mitte) hört nach fünf Jahren als „Teddy-Ärztin“ auf.
Foto: Hannah MerkImmer wieder gebe es auch deutliche Erfolge durch die Teddyklinik. So hätten die Eltern eines Kindes, das regelmäßig zum Ultraschall müsse und davor immer Angst gehabt habe, berichtet, dass dieses nach der Teddyklinik plötzlich „wie ein Profi“ zur Ultraschalluntersuchung gegangen sei. Sobald die erste Schüchternheit oder Angst vor dem Mitmachen mit einem „komm, ich zeig’s dir“ überwunden ist, sind die meisten Kinder eifrig dabei.
Homburgs Oberbürgermeister Michael Forster (CDU) lobte besonders die Fantasie der Organisatoren bei den einzelnen Stationen. Die „Teddy-Ärzte“ bedankten sich bei Stadt, Universitätsklinikum und allen weiteren Unterstützern und Sponsoren.
Das Engagement hat sich auch schon ausgezahlt: Das saarländische Ministerium für Finanzen und Wissenschaft hat die Teddyklinik mit dem Sonderpreis für studentisches Engagement beim Landeshochschulpreis 2025 ausgezeichnet. Im November findet in Homburg außerdem der Kongress aller deutschen Teddykliniken statt – eine Gelegenheit für Austausch und gegenseitige Inspiration, so Geroska.
Gegen 11.30 Uhr ist der erste Ansturm abgeklungen. Draußen, beim besonderen Extra – dem original ausgestatteten Rettungswagen –, wird gevespert. Die jungen Plüschtier-Eltern lassen ihr (inneres) Kind heraus: Nach so viel Verantwortung muss erst einmal eine Runde Fangen gespielt werden. (pn)