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EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU: Schön war das alles nicht

Дата публикации: 10-10-2026 07:00:00

Die Feuilletons resümieren recht nüchtern die Frankfurter Buchmesse, die dank neuem Hallenkonzept den letzten Rest Glamour verloren hat, wie die taz bedauert. Die NZZ vertieft sich am Rande der Messe in die Kunst des tschechischen Samizdat. Die FAS blickt in der Tate Britain nostalgisch zurück in die wilden Neunziger, die Welt erinnert sich im Gropiusbau nicht weniger wehmütig an Christoph Schlingensief. Außerdem schauen FAS und Welt interessiert, aber kritisch Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung". Und die taz lässt sich vom neuen Album von Bilderbuch retten.

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Efeu - Die KulturrundschauSchön war das alles nichtDie besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

10.10.2026. Die Feuilletons resümieren recht nüchtern die Frankfurter Buchmesse, die dank neuem Hallenkonzept den letzten Rest Glamour verloren hat, wie die taz bedauert. Die NZZ vertieft sich am Rande der Messe in die Kunst des tschechischen Samizdat. Die FAS blickt in der Tate Britain nostalgisch zurück in die wilden Neunziger, die Welt erinnert sich im Gropiusbau nicht weniger wehmütig an Christoph Schlingensief. Außerdem schauen FAS und Welt interessiert, aber kritisch Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung". Und die taz lässt sich vom neuen Album von Bilderbuch retten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2026 finden Sie hier

Literatur | Kunst | Bühne | Film | Musik | Architektur

Literatur

Die Feuilletons resümieren die Frankfurter Buchmesse. Mara Delius (Welt) lauscht zahlreichen politischen Gesprächen, einen großen Skandal gab es allerdings nicht: "Die tschechische Autorin und Hauptrednerin Radka Denemarková erklärte, sie könne Literatur und Politik nicht trennen, wobei sie Literatur als Insel der Moral und Menschlichkeit verstanden wissen wollte. Wie die aber genau aussehen, ist bekanntlich Ansichtssache. Am israelischen Stand sagt am 7. Oktober Sigalit Gelfand, die das Institute for Hebrew Literature verantwortet, es sei derzeit unglaublich schwer, israelische Bücher ins Ausland zu verkaufen. Dabei sei israelische Literatur 'vielfältig, lebendig und tief in der israelischen Gesellschaft verwurzelt' und setze sich 'mit der komplexen Realität auseinander, in der wir leben'. (...) Verlässliche empirische Daten seien schwer zu erheben, aber der Eindruck eines Boykotts sei zutreffend, so Gelfand."

Dirk Knipphals ist in der taz wenig überzeugt vom neuen Hallenkonzept, das dafür sorge, "dass die einst mondänen Anteile rund um die Messe aussterben. Elegante Empfänge im Frankfurter Hof, die Absacker an der Bar mit US-amerikanischen Literaturagenten im Jetlag, diese Zeiten sind vorbei. Und als am Messedonnerstag der Literaturnobelpreis für Anne Carson verkündet wurde, fiel das im Geschiebe zwischen den Verlagsständen nicht wirklich auf. Nur bei ihren deutschen Verlagen Fischer und Matthes & Seitz wurde es hektisch, Kamerateams schauten vorbei. In der Halle 5.0, einmal über den großen Innenplatz des Messegeländes, funktionierte das neue Hallenkonzept sowieso gar nicht. Was nicht nur daran liegt, dass die Halle fensterlos, also dunkel ist und eine niedrige Decke hat. Vielmehr strahlt sie den Charme eines Billigkaufhauses aus. (...) Schön war das alles nicht."

Auch Zelda Biller ist in der NZZ kein Fan von der Neuaufteilung der Flächen. Die FAS schickt ebenfalls ihre Autoren bei der Buchmesse vorbei, die einige Szenen aus den vergangenen Tagen schildern. 

Paul Jandl erinnert in der NZZ an die Praxis des Samizdat, der subversiven Art, regimekritische Bücher zu verlegen, der im Frankfurter Museum für Kommunikation mit der Ausstellung "Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939-1989" gedacht wird: "Im Samisdat, zu Deutsch 'Selbstverlag', erschienen in der kommunistischen Zeit Tschechiens Tausende Bücher und Zeitschriften. Es war die mediale private Gegenkultur zu den staatlich gesteuerten Druckerzeugnissen. Eine Gegenöffentlichkeit, in der sich zu engagieren, lange Gefängnisstrafen und Berufsverbote bis hin zu Existenzvernichtung mit sich bringen konnte." Die Ausstellung schaut "auf die Samisdat-Verlage, die während ganzer Jahrzehnte die wahre Geschichte der tschechischen Literatur geschrieben haben: 'Edice Petlice', einer Gruppe um die konspirativen Schriftsteller Ivan Klíma und Pavel Kohout, und Václav Havels 'Edice Expedice'. Havels Essay 'Die Macht der Ohnmächtigen' erschien hier und war einer der meistverbreiteten Texte der Samisdat-Literatur."

Besprochen werden: Unter anderem Lucie Faulerovás "Ich habe den Tod gerettet" (taz), Leh-Wei Liaos "Glaszeit" (taz) und Michel Foucaults "Die Hermaphroditen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr. 

Weiteres: Sechs Jahre lang haben Bertolt Brecht und Helene Weigel in ihrem Exil in Svendborg gelebt, das Haus steht nun Kulturschaffenden zum Arbeiten zur Verfügung, wie Markus Bauer für die FAZ erzählt. Irgendwie gibt es immer weniger gute Bücher über Sportler, seufzt Christopher Meltzer ebenfalls in der FAZ. Die FAZ druckt außerdem auf den "Bilder und Zeiten"-Seiten Michael Maars Rede von der Wolfenbütteler Jahrestagung des Verbands deutschsprachiger Übersetzer. Tobias Rüther interviewt John Green für die FAS, der sonst eigentlich eher für Jugendbücher bekannt war und jetzt seinen ersten Roman für Erwachsene geschrieben hat. Thore Rausch besucht den Schriftsteller Moritz von Uslar für die SZ in dem oberfränkischen Schloss, das er sich als neues Domizil ausgesucht hat. Der Julius-Campe-Preis für Literaturkritik geht an Thomas Sachsenmaier, in der SZ gratuliert Bernhard Heckler. Ijoma Mangold berichtet für die Zeit von der Verleihung des Deutschen Verlagspreises.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Mathias Mayer über Marianne von Willemers "Das Heidelberger Schloß. Den 28. Juli Abends 7 Uhr":

 "Euch grüss' ich weite, lichtumflossene Räume,
Dich alten reichbegränzten Fürstenbau,
Euch grüss' ich hohe, dichtumlaubte Bäume;
Und über euch des Himmels tiefes Blau."

Kunst
David Sims: Isolated Heroes. 1999-2000, printed 2026 ©David Sims

Für die FAS begibt sich die britische Journalistin Amy Raphael auf Zeitreise in die wilden Neunziger, denen die Tate Britain gerade eine Ausstellung widmet. Kuratiert hat sie der erste schwarze und inzwischen ehemalige Chefredakteur der britischen Vogue, Edward Enninful. Und der feiert natürlich allen voran die Mode jener Jahre, aber auch den Multikulturalismus, die Anti-Mode-Fotografie und die Young British Artists, freut sich Raphael: "Der Fotograf Glen Luchford, ... der heute Werbekampagnen für Marken wie Maison Valentino und Saint Laurent realisiert, hat in den Neunzigern eine eigenwillige Zusammenarbeit mit der YBA-Malerin Jenny Saville vollzogen. Saville ist bekannt für ihre großformatigen Aktgemälde von Frauen, doch hier zeigt sich etwas sehr Persönliches: ein Foto, das, wie man nach und nach erkennt, ihre eigene Haut zeigt. Saville lag auf einer großen Plexiglasscheibe, Luchford fotografierte sie von darunter. Die Serie 'Closed Contact' entstand zwischen 1995 und 1996 mit dem Ziel, Schönheitsideale und Darstellungen des weiblichen Körpers zu hinterfragen." Die FAZ-Kritikerin Eva Ladipo ist allerdings aufgrund der vielen "Lücken", dem Ernst und "Mangel an Leichtigkeit weniger angetan.

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "The Way We Never Were: The American Professional Photographers Collection" im Harvard Art Museum in Cambridge (FAZ).

Bühne

Wehmütig geht Matthias Heine (Welt) durch den Berliner Gropiusbau, der Christoph Schlingensief aktuell die Ausstellung "Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine" widmet. Heine bemerkt, wie sehr Schlingensief heute fehlt: "Was hätte er dazu gesagt, dass im Osten Europas ein jahrelanger, von einer wahnsinnig gewordenen Großmacht angezettelter Krieg tobt? Was hätte er mit AfD und BSW angefangen? Wie hätte er auf den Antisemitismus in der Kunstszene reagiert? Die Themen, die er zu Lebzeiten berührte, wirken ohnehin noch erschütternd aktuell. Das gilt für den Züricher 'Hamlet X' mit tatsächlich oder vermeintlich aussteigewilligen Neonazis ebenso wie für seine Projekte in der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia (lange bevor Kolonialismus zum Modethema und zur Chiffre für alles wurde) oder für die Gründung der Partei 'Chance 2000' im Jahre 1998. Mit der wollte Schlingensief unter anderem sechs Millionen Arbeitslose mobilisieren, um durch ein Massenbad den Wolfgangsee zum Überlaufen zu bringen, an dem Helmut Kohl immer urlaubte."

Foto: Herwig Prammer/OnP

Eine angenehm schlichte, ganz auf die menschliche Niedertracht konzentrierte "Götterdämmerung" verdankt Reinhard J. Brembeck (SZ) Calixto Bieito, der damit seinen Ring in der Pariser National de Paris beendet. Und auch die zurückgenommene Musik überzeugt Brembeck: "Niemand muss brüllen oder forcieren, weil Dirigent Heras-Casado nie Wucht und Gedonner im Sinn hat. Sein Wagner ist bereits auf dem Weg zu Mahler, Schönberg und Berg, der Dirigent zeigt zerbröselnde Klänge, eine zwischen Operette und Freitonalität changierende Klangwelt, er stellt sich selbst in der legendären Trauermusik und im befriedenden Finale gegen Triumph und pausbäckige Affirmation. Alles ist licht, pastos, melodisch, artifiziell. In Deutschland würde solch ein reflektiertes und nie dampfendes Dirigieren nicht nur Anhänger finden."

Besprochen wird außerdem der von Stephan Thoss inszenierte Tanzabend "Dreamer" im Nationaltheater Mannheim (FR) und Thomas Ostermeiers Inszenierung des Broadway-Stücks "Stereophonic" an der Berliner Schaubühne (FAZ, mehr hier).

Film
"Heimsuchung" von Volker Schlöndorff.

Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung" kommt zur rechten Zeit, so Richard Kämmerlings in der Welt, denn das Buch ist in vielen Bundesländern Abi-Lektüre. Buch und Film erzählen von einem Haus am See, das mit seinen verschiedenen Besitzern die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts miterlebt, wobei das Buch deutlich aufregender ist als die Verfilmung, findet Kämmerlings: "'Heimsuchung' ist ein Film, der formal wie inhaltlich äußerst konventionell bleibt und fast ausschließlich von den herausragenden Schauspielern lebt. Angela Winkler spielt eine kleine, aber eindringliche Nebenrolle als Vertriebene aus dem Osten: Ein ganzes Lebensdrama spielt sich in ihrem Gesicht ab. Sogar der als Oskar Matzerath in die Kinogeschichte eingegangene David Bennent hat einen brillant-schrägen Kurzauftritt als deutscher Landser im letzten Aufgebot. Am stärksten bleibt Susanne Wolff im Gedächtnis, die in der Vergewaltigungsszene mit dem blutjungen russischen Soldaten all die Wut und Gier und Verzweiflung eines vergeudeten Lebens in die Szene legt."

 Auch für Bert Rebhandl in der FAS ist der Film kein uneingeschränktes Vergnügen, was aber auch an einem grundlegenden Problem liegt, denn Literaturverfilmungen haben für ihn "immer einen Aspekt von Enteignung. Bücher sind in der Lektüre ein persönlicher Besitz, sobald man aber Lars Eidinger als den Architekten gesehen hat, gehört einem Jenny Erpenbecks Roman nicht mehr so richtig. Das gilt auch für Hunderte andere Beispiele, aber nicht oft für ein Buch wie 'Heimsuchung', das geradezu um diese Bedingungen eines verstohlenen, unteilbaren, manchmal auch unmöglichen Blicks auf große Geschehnisse gebaut ist."

 Weiteres: Peter Weissenburger nimmt für die taz das neue Kieler Tatort-Ermittlerduo unter die Lupe, für die FAZ schaut Tilman Spreckelsen deren ersten Fall "Unter Freunden", Markus Ehrenberg schaut für den Tagesspiegel rein, Marion Löhndorf schaltet für die NZZ ein. Maria Wiesner schwelgt auf den "Bilder und Zeiten"-Seiten der FAZ in Erinnerungen an "Fahrstuhl zum Schafott" mit Jeanne Moreau, Maurice Ronet und Lino Ventura. Für Filmdienst schreibt Philipp Stadelmeier über F. W. Murnaus "Faust"-Verfilmung von 1926.

Besprochen werden: Aron Lehmanns "Lügen über meine Mutter" nach dem Roman von Daniela Dröscher (Standard) und Andreas Dresens "Alte Liebe" (FAZ, Zeit).

Musik

Keshavara, Kölner Musiker mit indischen Wurzeln, bekommt den Musikpreis seiner Heimatstadt verlieren, völlig zu Recht, meint Lars Fleischmann in der taz, der begeistert dem neuen Fusion-Album "Moondram Sevi" lauscht: "Sein Sound landet in der Interzone im Niemandsland zwischen Chillfunk, Psychedelika und HipHop-Instrumentals. Keshavaras indische Instrumente tragen illustre Namen. Bei der 'Shruti Box' handelt es sich um ein analoges Harmonium, das speziell zur Erzeugung von Borduntönen entwickelt wurde. Die nehmen in der traditionellen indischen Musik eine signifikante Rolle ein. In Indien ersetzt das Harmonium die Tanpura, die zumeist mit der Sitar verwechselt wird. Bei Keshavara ist sie für einen obskuren 'Wall of Bollywood Sound' verantwortlich." Wir hören rein:

Im Tagesspiegel ist Christian Schröder begeistert vom neuen Album "∞+1" der österreichischen Pop-Band Bilderbuch: "Es ist ein formatsprengendes Werk, auf dem es von allem zu viel gibt: zu viel Hall und Pathos, zu viele übereinander getürmte Synthi-Schichten, zu viele opernhafte E-Gitarren-Soli, die wirken, als sollten sie Van Halen oder Led Zeppelin übertrumpfen. Grandioser wurde man von Popmusik lange nicht überfordert. (…) Die Untergangs- und Hoffnungs-Hymne 'Irgendwo' scheppert metallisch, die stotternde E-Gitarre klingt wie angerostet. Die Rettung ist Liebe: 'Irgendwo brennt ein Licht / Wo immer du bist'." Und auch da hören wir natürlich rein: 

Weiteres: Oliver Meiler erlebt für die SZ Celine Dion bei ihrer Konzertreihe in Paris. Axel Brüggemann ärgert sich in Backstage Classical darüber, dass Simon Rattles Vertrag in München verlängert wurde, obwohl die Leistung des Orchesters zu wünschen übrig lässt. Elmar Krekeler stellt in der Welt den Orgel-Star Anna Lapwood vor. Die Welt trifft außerdem den Rapper Prinz Pi für ihr gemeinsam mit dem Rolling Stone betriebenes Interviewformat "MusikerGrillen". 

 Besprochen werden außerdem das neu aufgelegte Album "Ten Ragas to a Disco Beat" von Charanjit Singh (taz) und das Klassik-Album "Piano Heroines" der Pianistin Claire Huangci (NZZ).

Architektur

Mit leuchtenden Augen, lediglich die ein oder andere Bauverzögerung bedauernd, aber kein Wort über Menschenrechte und Meinungsfreiheit vor Ort verlierend, stellt Roman Hollenstein in der NZZ all die opulenten Neubauten in Abu Dhabi vor, allen voran das Zayed-Nationalmuseum, "ein meisterhaftes Spätwerk von Norman Foster. Fünf solarthermische, dem Raumklima dienende 'Kühltürme', als 83 bis 123 Meter hohe 'Falkenflügel' gestaltet, bilden nun den weithin sichtbaren Fixpunkt des Kulturbezirks. Das sich wie eine kubistisch verfremdete Sanddüne aufwölbende Sockelgeschoss birgt in seinem Innern eine weitläufige Architekturlandschaft, die zum Flanieren in angenehmer Kühle einlädt. Unter glitzernden Oberlichtern und schwer hängenden Betonschalen gelangt man - vorbei an der stupenden Rekonstruktion eines 4000 Jahre alten Handelsschiffs - zu den Parterre-Galerien, wo die Anfänge der Vereinigten Arabischen Emirate und das Leben des VAE-Gründers und Landesvaters Zayed bin Sultan Al Nahyan zu einer filmreifen Geschichte verwoben sind."

Literatur | Kunst | Bühne | Film | Musik | Architektur

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