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Warum Brendon Ray Hedrick eine Zukunft bei EVGA aufgab

Дата публикации: 28-09-2026 12:19:58

Zwischen Februar 2016 und Dezember 2019 entwickelte sich Brendon Ray Hedrick bei EVGA vom zunächst befristeten Mitarbeiter im technischen Telefonsupport zu einem vielseitig eingesetzten Mitarbeiter für Produktmarketing, Videoproduktion und Vertrieb. Während dieser Jahre erlebte er den Aufstieg der GTX-10-Serie, den Übergang zu RTX, spektakuläre Extreme-Overclocking-Sessions, den Ausbau der öffentlichen Markenkommunikation und schließlich eine Phase, in […]

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Zwischen Februar 2016 und Dezember 2019 entwickelte sich Brendon Ray Hedrick bei EVGA vom zunächst befristeten Mitarbeiter im technischen Telefonsupport zu einem vielseitig eingesetzten Mitarbeiter für Produktmarketing, Videoproduktion und Vertrieb. Während dieser Jahre erlebte er den Aufstieg der GTX-10-Serie, den Übergang zu RTX, spektakuläre Extreme-Overclocking-Sessions, den Ausbau der öffentlichen Markenkommunikation und schließlich eine Phase, in der wirtschaftlicher Druck, organisatorische Veränderungen und die Abhängigkeit von NVIDIA immer schwerer miteinander vereinbar schienen. Hedrick, der bei EVGA und später bei ViewSonic überwiegend Ray genannt wurde, beschreibt diese Zeit heute als seine prägendste berufliche Erfahrung. Seine Erinnerungen sind persönlich und teilweise von starken Eindrücken geprägt, sie zeichnen aber zugleich ein anschauliches Bild davon, wie sich die Arbeit bei einem großen Grafikkartenpartner in einer technologisch und wirtschaftlich besonders bewegten Phase verändert hat. Aus der Begeisterung für eine Marke, die er seit seiner Jugend bewunderte, wurde zunächst eine ungewöhnlich enge Verbindung zu Kunden, Produkten und Kollegen. Später entstand daraus die Sorge, dass genau dieses Geschäftsmodell strukturell an seine Grenzen stieß.

Vom EVGA-Fan zum technischen Support-Supervisor

Hedricks Interesse an Computern begann früh und war nach seiner eigenen Darstellung stark auf die Technik hinter den Chips konzentriert. Mit ungefähr 15 Jahren besaß er eine EVGA 8800 GTS mit 320 MB Speicher und schwarzer Kühlerabdeckung. Die Karte stand für ihn am Beginn einer Generation, in der Unified Shader und CUDA die Fähigkeiten von Grafikprozessoren deutlich erweiterten. EVGA galt ihm damals als einer der führenden NVIDIA-Partner in Nordamerika. Die Erklärung, das E im Namen habe ursprünglich für E-Commerce gestanden und sei später mit Extreme verbunden worden, ordnet er selbst allerdings nur als sein persönliches Verständnis der Unternehmensgeschichte ein.

Vor seinem Einstieg erwartete Hedrick, Gaming-PCs bauen zu können. Stattdessen erhielt er einen Telefonarbeitsplatz und ein Headset für den technischen Support. Telefonate machten ihm zunächst Angst, außerdem tippte er nach eigener Erinnerung nur mit je einem Finger pro Hand. Training, Wiederholung und eine ausgeprägte Begeisterung für die Produkte halfen ihm jedoch, diese Grenzen zu überwinden. Im Laufe seiner Zeit im Support bearbeitete er nach eigener Schätzung ungefähr 10.000 technische Anfragen und stieg vom temporären Mitarbeiter zum technischen Support-Supervisor auf. Ihm sei mitgeteilt worden, dass dies die schnellste Entwicklung in eine solche Position bei EVGA gewesen sei und er dabei eine Hierarchiestufe übersprungen habe. Das Supportteam bestand aus technisch versierten Mitarbeitern, die sich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich für Grafikkarten interessierten. Diese Gemeinschaft wurde für Hedrick zu einem wichtigen Anker. Der Telefonsupport war während eines großen Teils seiner Zeit rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche besetzt. Hedrick half dabei, nachts mindestens zwei Personen gleichzeitig an den Telefonen einzuplanen. Seiner Erinnerung nach lag die durchschnittliche Wartezeit meist deutlich unter einer Minute. Einen anderen Grafikkartenhersteller mit einem vergleichbaren, durchgehend erreichbaren Telefonsupport kannte er damals nicht.

Die oft gelobte Kundenbetreuung bedeutete im Alltag, dass jederzeit jemand erreichbar sein musste. Vor Hedricks Ausscheiden wurde diese 24-Stunden-Abdeckung beendet. Den genauen Zeitpunkt erinnert er nicht, bewertet die Änderung aber als Verlust eines zentralen Unterscheidungsmerkmals. Seine wichtigste Lehre aus dem Support bestand darin, ein Gespräch immer wieder auf das technische Problem zurückzuführen: Was macht die Grafikkarte, wann tritt der Fehler auf und welcher Test ist als Nächstes sinnvoll? Ruhiges gemeinsames Problemlösen habe häufig auch aufgebrachte Kunden beruhigt, weil es ihnen das Gefühl gab, nicht abgewiesen, sondern durch eine konkrete Fehlersuche begleitet zu werden.

Videos, Livestreams und eine neue Rolle für die Marke

Eine entscheidende Wendung nahm Hedricks Laufbahn, als er Joseph beziehungsweise Joe Darwin kennenlernte. Beide meldeten sich, als Joe nach Unterstützung für YouTube-Videos fragte, und begannen anschließend, Inhalte für den EVGA-Kanal zu produzieren. Das erste Video war nach Hedricks Rückblick steif, unklar und nahezu sechs Monate lang in Arbeit. Ein Zuschauer kommentierte sinngemäß, ob Joseph zweimal blinzeln müsse, falls er festgehalten werde. Aus diesem holprigen Beginn entwickelte sich dennoch eine produktive Zusammenarbeit. Joe wurde laut Hedrick zu einem sehr guten Cutter, möglicherweise sogar zum besseren der beiden, während Hedrick selbst seine Freude an der Kamera und an der verständlichen Vermittlung technischer Themen entdeckte. Gemeinsam entwickelten sie eine effiziente Produktionsroutine und ein dauerhaftes Set, das Andrew Han gefiel. Weil das Set zwischen den Produktionen stehen bleiben konnte, waren auch kurzfristig aufwendige Aufnahmen möglich. Der Medienraum lag abgeschirmt im hinteren Bereich des oberen Stockwerks und bot einen Blick auf das Lager. Diese Lage erlaubte es, größere Aufbauten über längere Zeit vorzubereiten, ohne den normalen Büroablauf zu stören.

Zu den eindrucksvollsten Projekten gehörte ein zwölfstündiger Livestream zugunsten des St. Jude Children’s Research Hospital. Hedrick verantwortete den Aufnahme- und Produktionsaufbau, stand zeitweise selbst vor der Kamera und wechselte zwischen mehreren Stationen. Zuschauer konnten Geld spenden, um den Beteiligten zunehmend absurde Aufgaben aufzuerlegen. Zum Abschluss wurden große Mengen besonders scharfer Chilisaucen probiert. Der frühere Kundenservice-Supervisor Jaeson Wilda, den Hedrick als erfahrenen Teilnehmer an Hot-Sauce-Wettbewerben und als weisen Kollegen beschreibt, brachte dafür besonders scharfe Chilis mit. Trotz der Erschöpfung blieb ihm der Stream als gelungene Verbindung von Unternehmenskommunikation, komplexer Liveproduktion und einem konkreten Spendenzweck in Erinnerung. Ein anderer Livestream beschäftigte sich mit dem Extremübertakten von RTX-Grafikkarten. Steve Burke von GamersNexus und Jay von JayzTwoCents traten dabei gemeinsam auf, während EVGAs Vince Lucido, in der Szene als K|NGP|N bekannt, die Vorgehensweise erklärte. Illya „TiN“ Tsemenko war ebenfalls vor Ort. Hedrick verbindet mit TiN die Entwicklung spezieller Hardware für Rekordversuche, darunter die Schaltung der RTX 2080 Ti K|NGP|N. Vince Lucido und TiN beschreibt er als Vertreter einer internationalen Extreme-Overclocking-Szene, in der Vince zu dieser Zeit in 3DMark Port Royal den Spitzenplatz gehalten habe.

Zwei Moderatoren sitzen mit PC-Hardware am Ask-EVGA-Set.Brendon Ray Hedrick und Joseph Darwin bei der Produktion von EVGA-Videos auf dem Ask-EVGA-Set.

Die Produktion stand wenige Minuten vor dem automatischen Start beinahe vor dem Aus. Ein großer Tank mit flüssigem Stickstoff wurde kurz vor Beginn angeliefert, beim Hineinrollen wurden jedoch Hedricks Videokabel überfahren und intern beschädigt. In letzter Minute musste er Ersatzkabel verlegen und die Signalwege wiederherstellen. Flüssiger Stickstoff ermöglicht es, Chips weit jenseits gewöhnlicher Kühltemperaturen zu betreiben, verlangt aber eine sorgfältige Kontrolle der gesamten Hardware. Unterhalb des Taupunkts können sich Kühlkörper und Bauteile mit Feuchtigkeit überziehen oder vereisen. Beim Auftauen besteht Kurzschlussgefahr. Eraser-Putty, Vaseline und Werkstatttücher dienten dazu, gefährdete Bereiche abzudichten und Feuchtigkeit aufzufangen. Temperatur, Frost und nasse Stellen mussten während der gesamten Sitzung beobachtet werden. Eine kleine Gasfackel lag bereit, um den Kühlkörper bei einem Cold Bug oder Cold-Boot-Bug wieder auf eine funktionierende Temperatur zu bringen. Extreme Overclocking besteht damit nicht ausschließlich aus maximaler Wärmeabfuhr, sondern kann auch kontrollierte Wärmezufuhr erfordern, wenn ein Chip bei zu niedrigen Temperaturen den Start verweigert oder instabil wird.

EVGAs DARK-Mainboards waren für solche Szenarien ausgelegt. Das X299 DARK besaß eine zwölflagige Leiterplatte, zwei 8-Pin-Anschlüsse für die CPU-Stromversorgung und den üblichen 24-Pin-Hauptanschluss. Mehrere Titan-zertifizierte Netzteile mit jeweils 1.600 Watt versorgten Grafik, Prozessor und Mainboard teilweise getrennt. Diese Auslegung sollte elektrische Stabilität bei besonders anspruchsvollen Übertaktungen schaffen, konnte die Notwendigkeit von Isolierung und Feuchtigkeitskontrolle aber nicht beseitigen. Hedrick betrachtet diesen technischen Aufwand als außergewöhnlich und bezweifelt, dass eine vergleichbare EVGA-Ära noch einmal entstehen wird.

GTX 10, Oculus und der Weg auf die Bühne

Hedrick begann wenige Monate vor dem Start der GTX 1080 bei EVGA. Die GTX-10-Serie verbindet er mit einer besonders positiven Lebensphase: Er konnte an der Markteinführung arbeiten, zu Hause Doom mit der id-Tech-6-Engine spielen und sich am nächsten Tag mit Kollegen über die neue Technik austauschen. Die Arbeit vermittelte ihm nach eigener Einschätzung ein Gefühl von Zugehörigkeit und teilweise sogar eine nachgeholte unbeschwerte Jugend. In der ersten großen Consumer-VR-Phase erhielt er außerdem früh und ausgedehnt Gelegenheit, Oculus-Hardware zu testen. Die ursprüngliche HTC Vive beschreibt er als ein taucherhelmähnliches Gerät mit vielen kleinen Öffnungen. Parallel wuchs seine Verantwortung. Gemeinsam mit Joe Darwin und Andrew Han arbeitete Hedrick näher an Medienraum, Vertrieb und Unternehmensleitung. Er vertrat EVGA auf Vertriebs- und Distributionsveranstaltungen und lernte, Produkte so zu erklären, dass auch ein Publikum ohne tiefes Spezialwissen ihre Funktion und ihren praktischen Nutzen verstand.

Bei mehreren Veranstaltungen erhielt das EVGA-Team nach Hedricks Erinnerung positives Feedback zu Präsentationen und Außenwirkung. Bei einem ASI-Summit im Pacific Palms Resort in City of Industry sagte eine Besucherin nach seiner Präsentation, sie könne ihm den ganzen Tag über Computer zuhören. Für Hedrick markierte dieser Satz den Wandel vom telefonängstlichen Supportmitarbeiter zum Sprecher auf einer Bühne. Die Entwicklung war nicht nur eine berufliche Beförderung, sondern auch ein persönlicher Beleg dafür, dass sich Fähigkeiten durch Übung und Verantwortung tatsächlich verändern können.

Der Konflikt zwischen Partner und Hersteller

Seine ersten Sorgen über EVGAs Geschäftsgrundlage entwickelte Hedrick bereits während der Supportzeit. Mit den Pascal Founders Editions von 2016 entstand aus seiner Sicht ein grundsätzlicher Konflikt: NVIDIA lieferte die GPUs an seine Partner und vermarktete zugleich eigene fertige Grafikkarten direkt an dieselben Kunden. Beim Start der GTX 1080 lag NVIDIAs Founders Edition über dem angekündigten Einstiegspreis der Partnerkarten. Für Hedrick lag darin ein strukturelles Problem, weil die Boardpartner von NVIDIA abhängig waren, gleichzeitig aber mit NVIDIA um dieselben Käufer konkurrierten. Für die RTX-20-Serie arbeitete Hedrick im Marketing. Nach seiner Erinnerung erhielten die Partner die Spezifikationen von GTX- und RTX-Produkten erst zeitgleich mit der öffentlichen Bekanntgabe. NVIDIA reagierte empfindlich auf Leaks. Jacob Freeman entwickelte deshalb ein Verfahren mit individuell markierten Produktbildern: Jede Onlinehandelskette erhielt Bilder mit einem andersfarbigen Punkt, sodass sich bei einer Veröffentlichung nachvollziehen ließ, welchem Empfänger das Material ursprünglich zugeordnet war.

Hedrick befürwortete die technische Richtung von RTX, unterschied aber zwischen dem Glauben an eine Technologie und der Fähigkeit, Kunden sofort zum Kauf zu bewegen. Der angekündigte Einstiegspreis stieg nach seiner Darstellung von 599 US-Dollar bei der GTX 1080 auf 699 US-Dollar bei der RTX 2080. Die entsprechenden Founders Editions erhöhten sich von 699 auf 799 US-Dollar. EVGA musste aus Hedricks damaligem Verständnis ein Modell zum beworbenen Einstiegspreis anbieten. Bei einem Verzicht habe NVIDIA eine geringere GPU-Zuteilung durchsetzen können, wobei für EVGA schwer feststellbar gewesen sei, ob eine konkrete Kürzung tatsächlich mit der Preisgestaltung zusammenhing.

Das günstige Einstiegsmodell wurde damit zu einem möglichen Verlustgeschäft, dessen Funktion nicht allein im Verkauf lag, sondern auch darin, den Zugang zu GPUs und die Präsenz in der Produktpalette zu sichern. Teurere Karten besaßen eigene Leiterplatten und Kühllösungen, mussten aber einen deutlich höheren Preis tragen. Das günstige Modell setzte die Erwartung der Kunden, während die profitableren Varianten ihren Aufpreis durch zusätzliche Technik begründen mussten. Hinzu kam, dass NVIDIA seine Referenzplatinen und die automatische Taktsteuerung über mehrere Generationen verbesserte. GPU Boost passt die Taktfrequenz innerhalb von Leistungs- und Temperaturgrenzen laufend an. Dadurch wurde der praktische Vorteil individueller Platinen und Kühler aus Hedricks Sicht im Alltag häufig kleiner als in früheren Generationen, in denen eine hochwertige Partnerkarte den Spielraum beim Übertakten deutlicher vergrößern konnte. Die günstigsten Modelle waren seiner Erinnerung nach nahezu dauerhaft ausverkauft. Teurere Karten blieben dadurch häufiger als Verkaufsoption übrig, waren aber zugleich schwieriger zu erklären.

Der RTX-Start verschärfte diese Situation. Die Hardware erschien zunächst vor einem breiten Angebot an Spielen, die ihre neuen Funktionen sinnvoll nutzten. Das Raytracing-Update für Battlefield V wurde am 14. November 2018 veröffentlicht, also erst einige Wochen nach dem RTX-Start im September. Aktiviertes Raytracing konnte die Leistung der ersten Generation deutlich reduzieren. Hedrick empfand die Technologie deshalb nicht grundsätzlich als falsch, sondern als zu früh und mit einem Versprechen verbunden, das die verfügbare Software und die Leistung der Hardware zunächst nur eingeschränkt einlösen konnten.

Auch die Marktsituation unterschied sich stark von der GTX-10-Einführung. Die GTX-Generation war von hoher Nachfrage, Lieferengpässen und Zuteilungsproblemen geprägt. Die RTX-20-Serie fühlte sich außerhalb der ausverkauften Verlustmodelle dagegen durch leichter verfügbare Karten und eine schwächere Nachfrage an. Der Rückgang des Mining-Geschäfts hinterließ zusätzlich hohe Bestände, insbesondere bei der 3-GB-Version der GTX 1060. Neue Produkte mussten verkauft und ältere Lagerbestände abgebaut werden. Gleichzeitig wurden EVGAs Intel-X299-Enthusiasten-Mainboards schwerer verkäuflich, als AMD im High-End-Segment konkurrenzfähiger wurde.

Entlassungen, neue Aufgaben und der Blick auf die Profitabilität

Nach dem Abschwung kam es zu einer großen Entlassungswelle. Hedrick kritisiert aus seiner Perspektive, dass EVGA nicht ausreichend auf eine schwierigere Marktphase vorbereitet gewesen sei. Verbliebene Mitarbeiter mussten zusätzliche Aufgaben und weggefallene Rollen übernehmen. Zum Vertriebsmanager wurde Hedrick nach eigener Einschätzung vor allem deshalb, weil er noch im Unternehmen war, nicht weil er über eine umfassende Vertriebsausbildung verfügt hätte. Die gemeinsame Videoarbeit mit Joe endete faktisch, nachdem dieser das Unternehmen verließ, um eine Familie zu gründen. Hedrick beschreibt den Verlust dieses Teils seiner Arbeit als schmerzhaft. Er blieb zunächst, weil er hoffte, EVGA könne den Rückschlag überwinden. Teile des Vertriebs gefielen ihm durchaus. Er mochte es, als EVGA-Evangelist aufzutreten, und gewann auf Reisen mit erfahrenen Kollegen nach Chicago und zu anderen Distributionsmessen einen breiteren Einblick in die PC-Branche.

Im Dezember 2019 entschied sich Hedrick dennoch zum Weggang. Sein Eindruck war, dass das Geschäft nicht mehr schlüssig zusammenpasste. Grafikkarten prägten die Identität von EVGA und stellten einen erheblichen Umsatzanteil, während Netzteile aus seiner Sicht einen großen Teil der Profitabilität trugen. Spätere Berichte aus dem Jahr 2022 nannten einen Grafikkartenanteil von ungefähr 78 Prozent am Umsatz und deutlich bessere Margen bei Netzteilen. Diese Zahlen entstanden nach Hedricks Ausscheiden, spiegelten für ihn aber eine Sorge wider, die bereits während seiner Beschäftigung entstanden war. Im Zusammenhang mit der späteren Trennung von NVIDIA wurde berichtet, dass EVGA bei einer RTX 3090 Ti FTW3 für 1.399 US-Dollar Verlust gemacht habe, während NVIDIAs Founders Edition für 1.099 US-Dollar verkauft worden sei. Steve Burke differenzierte in seiner Darstellung zwischen den Modellklassen: Niedrigere Karten wie die RTX 3060 seien noch profitabel gewesen, während EVGA bei RTX 3080 bis RTX 3090 Ti pro Karte Hunderte Dollar verloren habe. Diese Angaben bezogen sich auf die Situation fast drei Jahre nach Hedricks Ausscheiden und sind deshalb nicht mit seinen eigenen Zahlen aus der GTX-10- und RTX-20-Zeit gleichzusetzen. Sie erklären jedoch, warum er die wirtschaftliche Abhängigkeit im Rückblick als immer schwerer tragfähig empfand.

Audio, Automatisierung und Andrew Hans Führungsstil

Andrew Han beschreibt Hedrick als brillant und kurz temperiert. Sich selbst bewertet er für diese Zeit ähnlich. Beide waren ernsthafte Audiophile. Hedrick hörte gelegentlich hochwertige Geräte, die Andrew ins Büro brachte. Eine große Sammlung historischer Audiotechnik in Taiwan kannte er dagegen nur aus Berichten und hat sie nie selbst gesehen. Die gemeinsame Audio-Leidenschaft mündete in die EVGA NU Audio, die in Zusammenarbeit mit Audio Note (UK) entstand. Hedrick arbeitete an der Produktseite und bewertet die Karte nach seinem persönlichen Höreindruck als eine der besten PC-Soundkarten. EVGA führte A/B-Vergleiche mit Konkurrenzprodukten durch. Hedrick betont dabei ausdrücklich, dass seine Aussagen über Klangqualität und Andrews außergewöhnlich geschultes Gehör persönliche Arbeits- und Hörerfahrungen sind, keine unabhängig messbare Rangliste.

Eine von Andrew formulierte Idee blieb Hedrick besonders im Gedächtnis: Eine Preisübersicht sollte im Kern nur zwei Schaltflächen benötigen, eine für Aktionen mit maximalem Abverkauf und Umsatz sowie eine für maximale Profitabilität. Hedrick hielt eine solche Automatisierung damals für unrealistisch. Nach seinen späteren Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz sieht er jedoch Möglichkeiten für maschinelles Lernen bei Nachfrageprognosen, Lagerbewertung und der Einschätzung von Rabattaktionen. Beim Abschied nahm Hedrick Andrews Verhalten als charakteristisch unhöflich wahr. Seine Interpretation ist, dass Andrew über den Weggang enttäuscht war und ihn zum Bleiben sowie zur Übernahme weiterer Aufgaben bewegen wollte. Zugleich betont Hedrick, Andrews tatsächliche Gedanken nicht zu kennen. Er prognostizierte damals, EVGA habe noch vier oder fünf Jahre beziehungsweise ein oder zwei weitere Grafikkartengenerationen bis zu einer größeren Konfrontation mit NVIDIA. Diese Einschätzung war eine persönliche Prognose und keine belastbare Unternehmensplanung.

Die Trennung von NVIDIA und ein spätes Echo früherer Sorgen

EVGA beendete die Zusammenarbeit mit NVIDIA am 16. September 2022 öffentlich, weniger als drei Jahre nach Hedricks Weggang. NVIDIA stellte die GeForce RTX 40-Serie am 20. September 2022 auf der GPU Technology Conference vor. EVGA stellte die Trennung als prinzipielle Entscheidung dar, die mit einem von Andrew Han wahrgenommenen Mangel an Respekt durch NVIDIA zusammenhing. Diese Begründung erscheint Hedrick konsistent mit Andrews großer Bedeutung von Respekt. Steve Burkes Bericht beruhte nach Hedricks Darstellung auf einem privaten Treffen mit Andrew Han und Joe. Hedrick erkennt darin eine Kommunikationsweise wieder, bei der EVGA Medien, denen das Unternehmen vertraute, Informationen direkt gab. Gleichzeitig sei die Begründung des Unternehmens kritisch hinterfragt worden. Hedrick selbst kann nicht beurteilen, ob NVIDIA die Boardpartner absichtlich aus dem Markt drängen wollte. Aus seiner Position habe der wirtschaftliche Spielraum für EVGA jedoch zunehmend enger ausgesehen, weil der Hersteller von zentralen Komponenten abhängig war und zugleich mit eigenen Founders Editions in den Wettbewerb trat.

Hedrick vergleicht den Aufstieg von Jensen Huang und Andrew Han teilweise miteinander. Er erinnert sich an Jensens Ferrari 458 und Andrews Audi R8 und deutete dies aus seiner damaligen Perspektive als kindliches gegenseitiges Überbieten. Die Motive hinter diesem Vergleich kennt er nicht. Jensen Huang bezeichnete Andrew nach der Trennung öffentlich als „a great friend“. Hedrick weiß nicht, was hinter verschlossenen Türen geschah oder wie der heutige Stand der Beziehung ist. Er bedauert das Ende der Partnerschaft dennoch und erwartet gerade von einem Unternehmen mit NVIDIAs Machtposition mehr Großzügigkeit, Demut und Reife.

Was von EVGA bleibt

Nach Jacob Freemans Wechsel zu NVIDIA nahm Hedrick wieder Kontakt zu ihm auf und versuchte mehrfach, eine Stelle bei NVIDIA zu bekommen. Daraus wurde nichts, der Zugang sei außerordentlich konkurrenzintensiv gewesen. Beim Weggang habe er nicht mehr an die Zukunft geglaubt, die er mit aufbauen sollte. Gleichzeitig schreibt er EVGA Freunde, Selbstvertrauen, eine kreative Partnerschaft, Zugehörigkeit und die Entwicklung vom telefonängstlichen Mitarbeiter zum Bühnenredner zu. Seine Bilanz fällt deshalb trotz der Kritik nicht verbittert aus. Hedrick hebt den Kundenservice, die Produktunterstützung und die Loyalität der Online-Community hervor. Auch JayzTwoCents habe diese Serviceorientierung positiv erwähnt. Andrew Han würdigt er als Gründer einer eigenständigen Enthusiastenmarke rund um standardisierte PC-Hardware. EVGA habe außergewöhnliche Produkte, eine starke Community und Kundenservice miteinander verbunden. Andrews Qualitätsanspruch habe nicht nur die Hardware, sondern auch Mitarbeiter und Bürokultur geprägt.

Die spätere Trennung von NVIDIA wirkt aus Hedricks Sicht wie die Zuspitzung eines Konflikts, dessen wirtschaftliche und persönliche Vorzeichen bereits Jahre zuvor sichtbar waren. Ob sich jede seiner damaligen Einschätzungen mit unabhängigen Zahlen belegen lässt, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass sich seine Erfahrungen zu einem plausiblen Bild verdichten: Ein Partner kann durch technische Qualität, Kundennähe und eine starke Marke außergewöhnlich erfolgreich werden, bleibt aber verwundbar, wenn ein einzelner Plattformanbieter zugleich Lieferant, Wettbewerber und Taktgeber des Marktes ist. Für Hedrick bleiben die EVGA-Jahre trotz aller Enttäuschungen seine lohnendste Berufserfahrung. Gerade diese Mischung aus persönlicher Dankbarkeit und geschäftlicher Ernüchterung macht seinen Rückblick auf eine inzwischen abgeschlossene Ära lesenswert.

Quelle: Brendon Ray Hedrick

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